Anzeige

So funktioniert Print auch in Zukunft

Jeder kennt diese Zahlen: Die Auflagen von Zeitungen und Zeitschriften schrumpfen Quartal für Quartal, Werbeumsätze schmelzen parallel dazu ebenfalls zusammen, Geschäftsmodelle geraten in große Gefahr. Einzelne Titel stemmen sich aber erfolgreich gegen das vermeintliche Problem einer gesamten Branche, verzeichnen sogar steigende Verkaufszahlen und Erlöse. Weil Sie ihre Leser ernst nehmen und mit Herzblut gemacht werden. MEEDIA gibt vier Hinweise für eine Zukunft mit Print.

Anzeige
Anzeige

1. Arbeiten Sie für den Leser – nicht für den Anzeigenkunden
Er ist ein alter, profan klingender Kritikpunkt und doch ist er so aktuell wie nie zuvor: Viel zu viele Magazine werden immer noch mit dem Anspruch entwickelt, Werbekunden eine möglichst attraktive Anzeigenfläche zu bieten. Die Inhalte dürfen da nicht weiter stören, sind weich gespült, Werbekunden-freundlich – und gehen damit weitgehend am Leser vorbei. Hatten solche Print-Produkte in den 1990er-Jahren vielleicht noch großen Erfolg, wird die Luft immer enger. Wenn die Leute ohnehin weniger Geld für Print ausgeben – warum dann ausgerechnet für Produktkataloge, die nur Spuren von redaktionellen Inhalten enthalten können?

Titel, die steigende Auflagen verzeichnen, obwohl sie mehr als 79 Cent kosten – oder solche, die in der jüngeren Vergangenheit erfolgreich gestartet sind, nehmen ihre Leser meist ernster als ihre Anzeigenkunden: Der Millionen-Seller Landlust, Magazine wie 11 Freunde, Geo Epoche, Essen + Trinken oder brand eins, Wochenzeitungen wie Die Zeit oder die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, selbst ein platter Boulevard-Titel wie Closer: Sie alle sind für den Leser gemacht – und nicht in erster Linie als Anzeigenfläche. Und sie alle zeigen, dass Print-Produkte auch im Jahr 2012 wachsen können.

2. Machen Sie ihre Abonnenten glücklich – sie sind das Wichtigste, was Sie haben
Völlig unverständlich ist es, wie Verlage im Jahr 2012 mit ihren treuesten Lesern, den Abonnenten, umgehen. Während neue Abonnenten mit teuren Prämien oder viel Bargeld umworben werden, die Zeitschrift oder Zeitung quasi umsonst bekommen – so viel zur angeblich so schlimmen Kostenlosmentalität im Internet – sind die langjährigen Abonnenten die Dummen, die die Schnäppchenjäger finanzieren. Der einzige Kontakt, den diese Abonnenten mit ihrem Verlag haben, ist meist der Brief mit der jährlichen Rechnung.

Wo sind die kreativen Ansätze, mit denen man sich um die Langzeit-Abonnenten kümmert, mit denen man sie bei Laune hält, sie näher an ihre Zeitschrift oder Zeitung bindet? Erst nach einer Kündigung wachen die Verlage auf und machen den Abtrünnigen ähnliche Angebote wie neuen Abonnenten. Der kleine Auerbach Verlag aus Leipzig ist ein Beispiel dafür, dass es auch anders geht: Abonnenten der Zeitschrift Digital Fernsehen können mit jeder erhaltenen Ausgabe Punkte sammeln – und diese irgendwann gegen eine Prämie einlösen. So bekommt die Treue einen Anreiz – und nicht nur das Kündigen oder Neu-Abonnieren.

Anzeige

3. Entwickeln Sie Neues für die Nische – die Nischen sind der neue Massenmarkt
Zeitschriften-Erfolge finden heute vor allem mit Spezial-Magazinen statt. Hobbies, besondere Interessen und Vorlieben machen bei den Menschen immer noch Geld für Print locker. Die allgemeine Nachrichtenlage, über die sie im Fernsehen und auf unzähligen Nachrichten-Websites informiert werden, taugt hingegen immer weniger als Umsatz-Bringer. Auch angebliche Hintergründe in Nachrichten-Magazinen, Illustrierten oder überregionalen Zeitungen entpuppen sich viel zu oft als zusammengeschrieben und aufgewärmt.

Die Erfolge werden dabei oft von kleinen Verlagen gefeiert, die mehr Gespür für die Nischen haben, in denen sich tatsächliche Käufer finden. Doch auch die Zukunft der Großverlage wird in den Nischen stattfinden. In Zukunft wird nicht das eine große Wochenmagazin einen Verlag ernähren, sondern vielleicht stattdessen zehn kleine Monatsmagazine. Existierende Mainstream-Medien müssen zudem viel mehr auf das Wundertüten-Konzept setzen, wenn Sie die Auflagenverluste stoppen wollen. Leser müssen überrascht werden, denn hier haben Print-Produkte immer noch einen großen Vorteil gegenüber dem Internet, wo die Nutzer vornehmlich das anklicken, das sie ohnehin interessiert.

4. Holen Sie Experten mit Herzblut in Ihre Redaktionen – nicht Um- und Abschreiber
Apropos "zusammengeschrieben und aufgewärmt": Viel zu viele Zeitungen und Zeitschriften enthalten heute fast nur noch solche Inhalte. Der Grund: In zahlreichen Sparrunden wurden Redaktionen so ausgedünnt, dass die Produkte gar nicht mehr anders hergestellt werden können. Einige Verlage produzieren ihre Magazine mittlerweile sogar fast komplett ohne Redaktion – oder mit 2- oder 3-Mann-Redaktiönchen. Was bei anspruchslosen 79-Cent-Blättern derzeit vielleicht noch funktionieren kann, ist definitiv kein Zukunftsmodell. Irgendwann sind die Generationen, die ohne Internet aufgewachsen sind, ausgestorben – für platte Billig-Infos auf Papier wird dann niemand mehr zahlen.

Um so wichtiger werden Journalisten, die sich auskennen. Die Experten in bestimmten Themengebieten sind, besondere Kompetenzen und Erfahrungen haben. Schon in der Ausbildung muss darauf geachtet werden, junge Journalisten zu Experten zu machen, statt zu Leuten, die vor allem Strg+C und Strg+V drücken und allenfalls Texte etwas umschreiben können. Zudem muss mehr um Quer-Einsteiger geworben werden, um Leute, die nicht "irgendwas mit Medien" studiert haben, sondern aus völlig anderen Richtungen kommen, in denen sie sich Expertenwissen angeeignet haben. Aber vor allem: Der Sparkurs in Redaktionen muss aufhören. Redaktionen brauchen frisches Blut, um zu leben, zu streiten, spannende Ideen zu entwickeln und interessante Inhalte zu produzieren.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*