Restauranttester Rach: Bocklos in Bennstedt

Dieses Format war mal eine Bank für RTL: "Rach, der Restauranttester" versammelte regelmäßig das Gros des jungen Publikums vorm Fernseher. Zum Auftakt der siebten Staffel gestern reichte es zwar gerade noch zum Tagessieg in der Zielgruppe. Doch wer den Abklatsch früherer Erfolge gesehen hat, ahnt, dass die Gastro-Reihe ihren Zenit überschritten hat und es offenbar auch dem Meisterkoch immer schwerer fällt, seine Lustlosigkeit zu überspielen. RTL bleibt da nur die Hoffnung auf den "Dschungel".

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"Bocklos in Bennstedt" wäre der treffende Titel für die Start-Folge gewesen. Der Ort in der Nähe von Halle an der Saale liegt in der bei den Machern der Sendung offenbar sehr beliebten ostdeutschen Pampa. Doch das, was ehemals nach dem Rezept "Welten prallen auf einander" bestens funktionierte, erstickte diesmal in schon jämmerlicher Tristesse zur besten Sendezeit. Was RTL da (inklusive Werbeblock) über eine Stunde streckte, hätte bei Licht betrachtet nicht einmal zweieinhalb unterhaltsame Sendeminuten hergegeben. Möglicherweise war der Fall so blutarm und hoffnungslos, dass man sich bei der Produktion den Darstellern nahtlos anpasste: So wurde der Protatgonist, ein verstockt nuschelnder Sturkopf, zunächst untertitelt. Als der letzte Zuschauer überzeugt worden war, dass der Wirt eh nichts Sinnvolles von sich gab, verzichtete RTL konsequenter Weise auf die Verständigungshilfen – ist ja auch egal. Der Rest: irgendwo zwischen Tiefkühlkost und Kegelbahnambiente.
Und Rach? Der Restauranttester gab sich keine Mühe, seinen offenkundigen Unwillen zu verbergen. Der Motivationsguru und Küchenheld früherer Tage wirkte oberlehrerhafter und besserwisserischer als sonst. Ein Unsympath, dem das Schicksal der "Alten Scheune" und des dort vor sich hin dilettierenden Dorfdeppen erkennbar egal war. Wenn dann zudem beim Staffelstart keinerlei Weiterentwicklung des Formats feststellbar ist, der Folge jeglicher Spannungsbogen fehlt und es so aussieht, als müssten noch zur "Neueröffnung" die Gäste heran gekarrt werden, ist klar: So etwas registriert der TV-Zuschauer, so schafft man keine Top-Quoten. Auch nicht, wenn man Christian Rach heißt und auf einen großen Sympathie-Bonus vertrauen kann. Nicht nur Fans fragen sich, wo die Emotionalität früherer Folgen geblieben ist.
Man möchte RTL wünschen, dass die Auftaktfolge zur neuen Staffel ein Rausreißer im negativen Sinn war. Wenn nicht, werden die Quoten womöglich in einen Bereich sacken, der unter den Vorgaben des Senders liegt. Was vor allem deshalb ein ungutes Signal ist, weil derzeit etliche Erfolgsformate der Kölner kriseln. Umso mehr lastet der Erwartungsdruck auf der am Freitag startenden Promi-Dschungel-Sause "Ich bin ein Star – holt mich hier raus". Bei Rach heißt es vorerst: Abwarten, was noch kommt. Aber wenn es nicht deutlich mehr ist als am Montag gezeigt, wird sich unweigerlich bald auch die Sinnfrage stellen. Rach selbst, so hat man den Eindruck, ist damit schon beschäftigt.
Ach ja: Auch wenn man es nach der im vergangenen Juli gedrehten Folge kaum glaubt – das Lokal "Zur Alten Scheune" gibt es noch, wie sich auf MEEDIA-Anfrage herausstellte. Auskunft von dort: Seit Montagabend sei die Nachfrage "deutlich gestiegen". 

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