Samwers: mit Rocket Internet an die Börse?

Eine äußerst ungewöhnliche Quelle: Ein Student in Brasilien will erfahren haben, dass Rocket Internet, die Beteiligungsgesellschaft der Samwer-Brüder, einen Börsengang vorbereitet. So wenig verlässlich die News des Mexikaners Thomas Baldwin erscheint, der gerade in São Paulo Start-up-Luft schnuppert, so denkbar wäre ein baldiger Exit an den Kapitalmärkten. Für die Internationalisierung käme frisches Geld zudem recht. J.P. Morgan könnte den Börsengang betreuen.

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Wenn man noch keinen Namen hat, muss man sich einen machen – das dürfte sich der MBA-Student Thomas Baldwin gedacht haben, der für seinen fünfwochigen Schnupperaufenthalt in São Paulo mal schnell ein Blog aufsetzte, das optisch an TechCrunch erinnert.

Und so dramatisch wie bei echten Alpha-Journalisten (Michael Arrington, Alexia Tsotsis und MC Siegler) schwingt sich dann auch Baldwin zu seiner "Exklusivmeldung" auf: "Ich vermelde offiziell als erste Person, dass Rocket Internet einen Börsengang vorbereitet", verkündet der US-Student mit mexikanischem Pass auf seinem Blog namens "Tropical Considerations" fast staatstragend. Erfahren haben will der Student die exklusive Kunde aus "glaubwürdigen Quellen aus dem Unternehmen" – was Medien zu solchen Anlässen eben auch gerne so schreiben würden.
In Deutschland kommt die Spekulation zu einer Zeit, wo Oliver Samwer selbst stolz vorrechnet, dass der Berliner Inkubator der Samwers allein im vergangenen Jahr zum Zwecke der internationalen Expansion bei Investoren rund 750 Millionen Euro frisches Kapital eingesammelt haben soll.

Gerücht: Bringt J.P. Morgan die Samwers an die Börse?
Bereits im September vergangenen Jahres diskutierte TechCrunch über die Möglichkeiten eines Börsengangs der Beteiligungsgesellschaft der Samwers. 50 bis 100 Millionen Dollar hätten die "Klon-Krieger" (Wiwo) im Vorfeld eines IPOs schon bei J.P. Morgan eingesammelt, berichtet TechCrunch. 

Die Verbindung zur Wall Street-Ikone ist kein Geheimnis: J.P. Morgan hat bereits in die Rocket Internet-Töchter Lamoda (Russland) und Zalora (Singapur) investiert. Entsprechend will Baldwin J.P. Morgan nun schon als möglichen Konsortialführer ausgemacht haben.

Beteiligungsgesellschaften an der Börse selten erfolgreich

Bleibt die Milliarden-Dollar-Frage: Wie realistisch ist ein IPO von Rocket Internet – und warum sollten die Samwers ihn anstreben, wenn frisches Kapital für neue Start-up-Projekte auch am Sekundärmarkt (siehe oben) zu bekommen ist? Beteiligungsgesellschaften wie es CMGi oder die Internet Capital Group in den späten 90er-Jahren waren, hatten selten ein glückliches Ende an der Börse.

Hier schlägt nun die Stunde der Spekulationen: Einerseits könnte das mahnende Beispiel der bisher wertvollsten Samwer-Beteiligung nachwirken – das Schnäppchenportal Groupon verglühte furchtbar an der Börse, war aber zum Handelsstart kurzfristig 20 Milliarden Dollar wert. Wer beim IPO dabei war, hat extrem gut verdient.

IPO: Frisches Geld für die nächste Stufe der Expansion?

Andererseits wird offen darüber spekuliert, dass die Samwers, die inzwischen schon in über 50 Nationen mit Beteligungen vertreten sind, den nächsten Schritt ihrer Konzernentwicklung noch aggressiver vorantreiben könnten – die Expansion in die Emerging Markets. In Südostasien wagte sich Rocket Internet 2012 etwa mit dem Modeportal Zalora und dem Amazon-Klon Lazada vor.

Entsprechend könnte ein IPO frische Kapitalmittel in größerem Umfang zur Verfügung stellen als sie über den Sekundärmarkt zu erreichen wären. "Kein Zweifel, das ist eine große Sache", orakelt der Student Thomas Baldwin. Und die Startup-Community hat ihr nächstes großes Gesprächsthema.

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