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Ehssan Dariani zahlt für Anti-Samwer-Infos

Die deutsche Startup-Großfamilie hat ihren ersten Krach im neuen Jahr: Auslöser ist das ehemalige Enfant terrible der Szene: StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani. Nach den staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen Lieferheld.de soll Dariani ein "Infohonorar" von 25.000 Euro für belastendes Material gegen die Samwers, Team Europe und Holtzbrinck ausgesetzt haben. Nachvollziehbares Motiv? eher Fehlanzeige, da der Berliner durch die (längst abgewickelte) Studenten-Community immens reich wurde.

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Auslöser der Kontroverse ist ein Bericht des Branchen-Portals Deutsche-Startups.de. Das Stück deckt auf, dass die Berliner Staatsanwaltschaft gegen die Gründer und Manager von Lieferheld.de (gehört zum Inkubator Team Europe von Lukasz Gadowski) einen Strafbefehl wegen “gemeinschaftlich begangenen Vergehens der gewerbsmäßigen unbefugten Verwertung einer Datenbank” erlassen hatte. Konkret sollen Macher der Lieferplattform Informationen aus der Datenbank des Konkurrenten Pizza.de entwendet haben. 
Soweit zur Vorgeschichte. Der Zwist unter den ehemaligen Partnern – Dariani gehörte zu den Gründern von StudiVZ; Lukasz Gadowski (Team Europe), die Samwer-Brüder und Holtzbrinck waren seine Investoren – entbrannte nun in den Kommentaren. Zuerst war in der Kommentarspalte noch diskutiert worden, dass Lieferheld rund 80 Millionen Euro an Kapital nur habe einsammeln können, indem das Startup zu nicht ganz koscheren Mitteln gegriffen hätte.
Dann schaltete sich – offenbar aus dem Urlaub in Südafrika – der StudiVZ-Gründer ein und erläuterte, wie schwer es sei, Beweise zu finden, die auch die Investoren belasten. Wörtlich schreibt Dariani: "Gadowski (Gründer) und erst recht seine Investoren wie Holtzbrinck, Samwer etc. werden sich rausreden, sie hätten nichts gewusst." Und weiter: "Bitte tragt euren Beitrag dazu bei, diese Branche nicht in Korruption, Kriminalität und Berlusconismus versinken zu lassen. Jeder lügt und schwindelt ein Stück. Das ist normal und erwiesen. Es ist auch tolerierbar. Aber das Maß ist voll. Deutschland und die Welt haben genug Berlusconis, Assads und Ghaddafis… und andere vermeintlich für ihren Erfolg zu respektierende Männer."
Was Letzteres konkret mit den Protagonisten der Kapitalgeber zu tun hat, bleibt unklar. Zu seinen Beweggründen erklärt Dariani via Web-Kommentar mit Blick auf seine ehemaligen Investoren: "Ich bin nicht obsessiv darauf fixiert um jeden preis anderen zu schaden un bloss keinen deal zu verpassen, unbedingt noch ein paar millionen hier und da mitzunehmen und dafur meine fingernagel aufzufressen vor lauter stress. (…) Ist das verwerflich?" Tatsache ist allerdings, dass auch StudiVZ nach der angeblich bis zu 85 Millionen Euro teuren Übernahme durch Holtzbrinck im Zentrum von Plagiatsanschuldigungen von Seiten des US-Konzerns Facebook stand und in diesem Zusammenhang auch prozessiert wurde.
Dann kommentiert der ehemalige StudiVZ-Macher kräftig weiter. Was er allerdings im Detail schrieb, lässt sich leider nicht mehr feststellen. Denn der Chefredakteur von Deutsche-Startups.de, Alexander Hüsing, entschloss sich, die entsprechenden Postings offline zu stellen. "Nach einem intensiven Mailverkehr mit Lukasz Gadowski und Rücksprache mit unseren Anwälten sehe ich mich momentan gezwungen, zwei Kommentare von Ehssan Dariani, in denen es um genannte Person geht, einer genauen Prüfung zu unterziehen. Angeblich sollen die beiden Kommentare unwahre Behauptungen und Beleidigungen über Gadowski enthalten.“
Laut Bericht des Technews-Portals t3n soll der Berliner in einem der Kommentare neben 25.000 Euro Infohonorar anwaltliche Hilfe für jeden ausgelobt haben, der sich gegen Holtzbrinck, Gadowski und die Samwers zur Wehr setzen wolle. Das Ziel von Dariani laut eigener Darstellung: "Wann sehen wir endlich Samwer im Knast? Wann Holtzbrinck?" Gegenüber t3n bestätigte Dariani die Urheberschaft der Kommentare. Zudem legte er mit markigen Worten auf seinem Facebook-Profil kräftig nach. 
Wenn der Rauch verzogen ist, wird sich zeigen, dass der Streit allerdings auf einen Umstand hinweist, der noch länger für Diskussionen sorgen wird. In dem Disput zwischen etlichen Kommentaren – darunter offenbar auch Unternehmensinsidern – geht es auch um die Frage: Wie unabhängig sind die Branchen-Portale der Startup-Szene? Oder anders: Wie objektiv sind die Informationen, die die Branchenportale Gründerszene und Deutsche-Startups bringen? Welche Informationen verschweigen sie? Immerhin stehen hinter Deutsche-Startups.de auch die Samwer-Brüder, Gründerszene.de wurde von Lukasz Gadowski initiiert.

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