Besuchereinbruch bei Pressekonditionen.de

Geht es nach einem gängigen Vorurteil, dann leben Journalisten alleine schon deshalb bevorteilt, weil ihnen nur aufgrund ihres Berufs eine Vielzahl an Vergünstigungen zustehen würden. Doch die Zeit der großen Pressrabatte scheint vorbei. Immer mehr Medienhäuser ächten die Preisnachlässe. Jüngstes Beispiel hierfür ist der NDR. Zudem lassen auch immer mehr Unternehmen ihre Angebote auslaufen. Die Folge: Das wichtigste Infoportal – Pressekonditionen – hat mit einem massiven Besuchereinbruch zu kämpfen.

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Die Reichweite von Pressekonditionen.de soll im November 2012 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 30 Prozent gesunken sein. "Kamen im Januar 2012 noch 93.000 Besucher, waren es im November nur noch 40.000“, schreiben die Macher in ihrem Newsletter. Auch beim E-Mail-Verteiler sind die Abmeldungen mittlerweile höher als die Anmeldungen.

Als Hauptgrund sehen die Initiatoren die großen Rabattstreichungen wichtiger Unternehmen. Tatsächlich wurden im vergangenen Jahr mit der Deutschen Bahn, Air Berlin und der Deutschen Telekom die drei beliebtesten Sonderkonditionen eingestellt. Ausgangspunkt war die Wulff-Affäre und die aufkommende Diskussion um Vorteilsnahmen im Amt.

Aber nicht nur die Unternehmen ziehen sich aus dem Rabattgeschäft zurück. Auch immer mehr Medienhäuser ächten die Vergünstigungen. Nach Springer und dem Spiegel will nun auch der NDR seinen Verhaltenskodex um den Zusatz ergänzen, dass man keine Journalisten-Rabatte mehr nutze. Laut dem Hamburger Abendblatt sollen die neuen Regeln am 17. Januar den Mitarbeitern vorgestellt werden.

Die Macher von Pressekonditionen.de sehen vor allem zwei Ursachen für die sinkende Attraktivität von Presserabatten. Zum einen müssten viele Firmen sparen und wollten sich in diesen Zeiten kein mehrköpfiges Team mehr leisten, das den ganzen Tag Anfragen von Journalisten bearbeite. "Und wenn der erste Domino-Stein fällt, ziehen andere Firmen nach, die vermutlich nur auf die Gelegenheit gewartet haben, aus dem in der Öffentlichkeit durchaus nicht unumstrittenen Thema auszusteigen."

Zum anderen geben die Web-Experten auch einigen Journalisten eine Mitschuld. "Natürlich sollte ein Unternehmen schnell auf Rabattanfragen reagieren und Journalisten trotz des günstigeren Preises einen guten Service anbieten. Die Art und Weise, wie sich manche (!) Journalisten in diesem Fall verhalten, schadet aber dem Ruf aller“, heißt es im aktuellen Newsletter.

Aufgrund des sinkenden Interesses der Verlage, Journalisten und Unternehmen zweifeln die Macher von Pressekonditionen, ob sie ihren Service überhaupt noch aufrecht erhalten sollen. Diese Frage stellen sie auf ihrer Seite zur Diskussion und hoffen auf möglichst viel Feedback.

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