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SZ und FAZ verzichten auf dapd-Dienste

Die Nachrichtenagentur dapd hat weitere wichtige Kunden verloren – darunter die Süddeutsche Zeitung und die FAZ. Der Süddeutsche Verlag hatte den Vertrag zum Jahresende 2012 gekündigt. Bei der FAZ sei der Altvertrag, den die Zeitung noch mit AP Deutschland abgeschlossen hatte, ausgelaufen. Einen neuen Vertrag mit dapd habe der Verlag nicht abgeschlossen. Auch DuMont-Blätter verzichten seit Jahresbeginn auf dapd. Der Neustart für die Agentur bleibt eine Hängepartie.

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Das Kürzel "dapd" ist seit Jahresbeginn immer seltener in deutschen Zeitungen zu lesen. Offenbar hat eine Reihe von Verlagen nach der Insolvenz-Anmeldung der Agentur Anfang Oktober von Sonderkündigungsrechten Gebrauch gemacht. Bei anderen Verlagen liefen Altverträge aus und wurden nicht verlängert bzw. neu abgeschlossen.
Die Süddeutsche Zeitung hat zum Jahreswechsel ihren Vertrag mit der dapd gekündigt. Eine Sprecherin der Holding SWMH, zu der die Süddeutsche Zeitung gehört, sagt gegenüber MEEDIA: "Es ist richtig, dass die Süddeutsche Zeitung die Dienste der dapd nicht mehr in Anspruch nimmt. Dies liegt in der Verringerung des Angebots der dapd, auch und gerade in Hinblick auf die Foto- und Textdienste von AP, begründet."
Die Frankfurter Allgemeine hatte nach Auskunft eines Sprechers noch einen Altvertrag mit AP Deutschland. Der lief zum Jahresende aus und wurde nicht durch einen neuen dapd-Vertrag ersetzt. Hintergrund: Unter dem Namen dapd hatten die ehemaligen Eigentümer Peter Löw und Martin Vorderwülbecke die Agenturen ddp und den deutschsprachigen Dienst von AP vor etwas mehr als zwei Jahren zusammengeführt. Viele Kunden hatten Verträge mit einer der beiden Agenturen, manche auch mit beiden. Das Ziel war es, die Bestandskunden zu einem Neuvertrag mit dapd zu bewegen.
In anderen Fällen war es ironischerweise die dapd selbst, die Bestandsverträge im vergangenen Jahr aufkündigte. Beispiel Saarbrücker Zeitung: Dort löste die Agentur den Altvertrag mit ddp im Sommer 2012. Verbunden mit Verhandlungen über den Neuabschluss eines Vertrags mit dapd. Dies bestätigte Chefredakteur Peter Stefan Herbst gegenüber MEEDIA. Als eines der wichtigsten Argumente für einen Neuabschluss hatten die damaligen Eigentümer den Bild- und Textdienst von AP bei Verhandlungen im Gepäck. Diese Dienste wird ab diesem Jahr aber der Konkurrent dpa anbieten. Im Fall der Saarbrücker Zeitung platzte die Insolvenz in die Verhandlungen hinein – und zum Jahresende lief der Vertrag dann aus, ohne dass es zu einem neuen Vertrag kam. Das Beispiel Saarbrücken ist kein Einzelfall.
Auch beim Kölner Großverlag M. DuMont Schauberg, zu dem u.a. Kölner Stadt-Anzeiger, Mitteldeutsche Zeitung und Berliner Zeitung gehören, verzichten die Redaktionen seit Jahresbeginn auf dapd. Die Dienste seien schon vor der Anmeldung des Insolvenzverfahrens aufgekündigt worden, heißt es in Köln. Ebenfalls bei dapd gekündigt hatten Rheinpfalz und Freie Presse Chemnitz (MEEDIA berichtete).
Währenddessen wartet die Branche weiter gespannt auf die Namen der Investoren, die künftig in die Agentur dapd investieren wollen. Ulrich Ende, der Kopf einer bisher anonymen Investorengruppe, will vier Millionen Euro Eigenkapital in das Unternehmen stecken. Auf Nachfrage von MEEDIA hieß es, die Verhandlungen mit Investoren seien "fortgeschritten". Der Insolvenzverwalter Christian Köhler-Ma sehe "keine Probleme", dass das Kapital auch tatsächlich zur Verfügung gestellt wird. Bei Verträgen dieser Art sei es aber üblich, dass "die Tinte trocknen" müsse, bis Namen von Investoren genannt werden könnten.
Derweil sprach Ulrich Ende am Donnerstag über einen Ausbau der Kooperation mit Yahoo. Dem Mediendienst Newsroom sagte er: "Wir wollen Erfahrungen im Online-Bereich sammeln, Kompetenz erwerben. Gerade Online muss man ausprobieren, dann kann daraus auch in der Zukunft ein vernünftiges Geschäftsmodell entstehen." Die Botschaft dahinter könnte lauten: Wenn immer mehr Kunden von klassischen Medienunternehmen abspringen, müssen wir mehr neue Kunden außerhalb dieser Branche gewinnen. 

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