Rufmord allerorten: FAZ gegen die Welt

Das deutsche Feuilleton schenkt sich zu Jahresbeginn nichts. Neben den Antisemitismus-Vorwürfen gegen Jakob Augstein beschäftigen sich die Gralshüter der Kultur nach wie vor mit Wonne mit den Verwerfungen im Suhrkamp Verlag. Gerade hat FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher dem Welt-Autor Richard Kämmerlings vorgeworfen, er betreibe eine “Hexenjagd” gegen Ulla Unseld-Berkéwicz. Dieser weist die Vorwürfe wortreich zurück. Auch Welt-Chef Jan-Eric Peters schaltet sich ein.

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Auf seiner Facebook-Seite schreibt Peters: “Frank Schirrmacher wirft der "Welt" eine Verletzung der journalistischen Unabhängigkeit vor und diffamiert unseren Literaturredakteur Richard Kämmerlings. Ausgerechnet der Herausgeber der "FAZ"? In seinem Feuilleton sollte besser über Einladungsreisen von Journalisten, Vortrags- und Moderationshonorare, über anrüchige Verflechtungen und den Pressekodex zu lesen sein.” Er verlinkt den aktuellen Artikel Kämmerlings, in dem dieser die Anschuldigungen Frank Schirrmachers umfangreich zurückweist.

Natürlich ist Kämmerlings der Auffassung, dass von einer Rufmordkampagne seinerseits gegen Ulla Unseld-Berkéwicz keine Rede sein könne. Schirrmacher dagegen hatte ihm in der FAZ vorgeworfen, eine “Hexenjagd” und “Rufschädigung” gegen die Suhrkamp-Verlegerin zu betreiben. Der Grund für die Wallungen bei den Großkopferten des Kulturbetriebs ist die aktuelle Eskalation des Dauerstreits im Suhrkamp-Verlag. Die von Verleger-Witwe Ulla Unseld-Berkéwicz geführte Unseld-Familienstiftung hält 61 Prozent am Verlag. Hans Barlach, Sohn des Bildhauers Ernst Barlach, hält mit seiner Winterthur Medienholding 39 Prozent an Suhrkamp. Beide Seiten ringen seit Jahren um die Vorherrschaft. Barlach hat sich seinerseits bereits im Spiegel wegen “Rufschädigung” durch Autoren wie Rainald Goetz oder Peter Handke beklagt.

Auch nach einem für Februar erwarteten Gerichtsurteil in Sachen Suhrkamp ist nicht damit zu rechnen, dass das Feuilleton die Schnappatmung einstellen wird. Man kann sich da halt so schön aufregen. Übrigens: Der von FAZ-Mann Schirrmacher angegangene Welt-Redakteur Kämmerlings war es auch gewesen, der die amüsante Schnurre über den Tod eines Schirrmacher-ähnlichen Journalisten in dem Roman “Der Sturm” ausgegraben hatte. Autor des Romans war der SZ-Feuilletonchef Thomas Steinfeld unter Pseudonym. Rufmord bleibt auch 2013 ein Trending-Topic im deutschen Groß-Feuilleton.

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