Polit-Blogger sammelt 100.000 Dollar ein

Von diesem Blog-Projekt werden wir im Jahr 2013 noch viel hören: Denn mitten in der aktuellen Journalismus-Depression gelingt Andrew Sullivan ein erfolgreicher Neustart - möglicherweise sogar mit Vorbild-Charakter. Der Politikjournalist, der früher für Time und zuletzt für The Daily Beast schrieb, kündigte seinen Job und startet nun das Blog The Dish, inklusive Paywall und einer Bitte um Anschubfinanzierung. Innerhalb von sechs Stunden soll er über 100.000 Dollar eingesammelt haben.

Anzeige

Zumindest sagte er gegenüber Techcrunch, dass bereits ein sechsstelliger Betrag eingegangen sei. Das Kapital reiche schon einmal, um das Projekt für ein Jahr zu finanzieren.

Sulivan sammelte das Geld nur mit Hilfe einer Ankündigung ein. Content gibt es noch keinen. Denn der offizielle Start von The Dish soll erst am 1. Februar folgen. Bislang gibt es nur eine Absichtserklärung des Engländers und Wahlamerikaners. Dieser Erfolg zeigt, welch große Fanbasis der Blogger hat.

Tatsächlich gehört Sulivan – zumindest im englischsprachigen Raum – zu den bekanntesten Bloggern. Stefan Niggemeier beschreibt ihn als "schwul, katholisch, konservativ, HIV-positiv, Bärenliebhaber, Anhänger von Margret Thatcher und Barack Obama". Er sei kein Parteigänger. "Er ist unbequem, unabhängig und lästig, klug, aggressiv und amüsant."

Als einen der Hauptgründe, warum er eine Paywall zur Finanzierung seines neuen Projektes wählt, gibt Sulivan an, dass er unabhängig von Werbung und der Generierung von Seitenabrufen sein will. Die Zusammenarbeit mit Vermarktern, die Vermischung von Werbung und Redaktion und die ständige Optimierung der Inhalte auf möglichst viele Klicks hält er offenbar für eine Belastung des eigentlichen Produktes um das es geht: guten Journalismus.

Über werbefinanzierten Online-Journalismus sagt er deshalb jetzt: "Du versuchst Seitenaufrufe zu generieren, die keine echte redaktionelle Grundlage haben."

Durch die Einführung einer Paywall, er selbst spricht von "leaky meter", ist er nur noch seinen Lesern Rechenschaft schuldig. Sie entscheiden alleine, ob die Inhalte es Wert sind, gelesen und bezahlt zu werden. Zudem verspricht er gegenüber Techcrunch, an keinen Investor zu verkaufen. "Nicht an Barry Diller, die Credit Suisse oder ein anderes Network".

Viele Details des neuen Angebotes sind noch in der Schwebe. So ist unklar, ob noch andere Autoren mitschreiben werden oder wie viele Mitarbeiter das Projekt braucht. Dafür träumt Sulivan jetzt schon von großen journalistischen Stücken, die nur von den Lesern bezahlt werden oder von einem Tablet-Magazin.

Das Abomodell von The Dish unterscheidet sich allerdings leicht von den Methoden, mit denen die New York Times oder jetzt die Welt versuchen, ihre Online-Erlöse zu steigern. Abonnenten, die alles lesen wollen, zahlen einen fixen Betrag. Im Fall von The Dish liegt dieser bei 19,99 Dollar im Jahr. Gelegenheitsleser können eine bestimmte Anzahl von Texten pro Monat jeweils komplett kostenlos lesen. Wo diese Grenze bei Sulivan liegen wird, konnte oder wollte der Neu-Verleger noch nicht sagen. Er wird möglicherweise jeweils spontan entscheiden, welcher Text in welche Kategorie fällt.

Die Startseite soll immer frei bleiben. Das Bezahlmodell soll nur bei längeren Stücken nach dem Klicken auf den "Mehr"-Button aktiv werden.

Findet ein Leser über eine Verlinkung den Weg auf sein neues Blog, wird das Posting immer zu frei zu lesen sein. Das ist nur logisch. Denn immerhin könnte es sich um einen potenziellen Neukunden handeln, der von der Qualität der angesurften Texte überzeugt werden will.

Sollte Sulivan mit The Dish erfolgreich sein, hätte er vielen frustrierten Journalisten einen großen Gefallen getan. Denn er hätte dann den Beweis erbracht, dass die Leser bereit sind, für gute Storys zu zahlen. Zudem läge ein weiteres Beispiel vor, dass der einzelne Autor immer bedeutender wird. Es könnte gut sein, dass es den Lesern schon längst wichtiger ist, den Text eines bestimmten Journalisten zu lesen, als regelmäßig immer wieder die selben Publikation zu kaufen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige