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Der Aufstieg der kleinen TV-Sender

Die drei großen Privatsender RTL, ProSieben und Sat.1 gehörten 2012 zu den heftigsten Marktanteils-Absteigern. Sie verloren im jungen Publikum 3,6 Prozentpunkte gegenüber 2011, mit 37,1% erreichten sie den schwächsten gemeinsamen Marktanteil seit über 20 Jahren. Doch was schauen die verloren gegangenen Zuschauer stattdessen? Zum Beispiel kleine, aufstrebende Sender: sixx, zdf_neo und ZDFinfo stellten neue Rekorde auf, RTL Nitro gelang ein Blitzstart und auch das Pay-TV legt zu.

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In den Jahren 1993 bis 1995 verfügten RTL, ProSieben und Sat.1 bei den 14- bis 49-Jährigen noch über einen gemeinsamen Marktanteil von fast 50% und damit über eine große Marktmacht. 2012 waren davon nur noch 37,1% übrig. Zwar ging der größte Verlust gegenüber 2011 auf das Konto von RTL (-2,5), doch auch ProSieben (-0,4) und Sat.1 (-0,7) büßten wichtige Marktanteile ein. Natürlich gewannen in einem Jahr mit Fußball-EM und Olympia Das Erste und das ZDF hinzu, doch mit einem gemeinsamen Plus von einem Prozentpunkt bleiben immer noch 2,6 Zähler, die bei kleineren Sendern landeten.

Einige der großen Profiteure heißen sixx, zdf_neo, ZDFinfo und RTL Nitro – vier Sender, die noch nicht alt sind und die massiv davon profitieren, dass immer mehr Menschen ihr Fernsehprogramm auf digitalem Weg empfangen. So verbessert sich sixx fast von Monat zu Monat, ist im Dezember bereits beim Alltime-Rekord von 1,2% angelangt und überholte damit schon Kanäle wie n-tv oder Tele 5. Für einen Sender, den es erst seit rund zweieinhalb Jahen gibt, eine stolze Leistung.

In noch kürzerer Zeit – nämlich nach nur acht Monaten – bei 0,7% angelangt ist RTL Nitro. Ebenfalls neue Rekorde von 0,7% stellten zwei der drei digitalen ZDF-Ableger im Dezember auf: zdf_neo und ZDFinfo kamen bei den 14- bis 49-Jährigen auf diese Marktanteile. Sie sind ein wichtiger Faktor dafür, dass die ZDF-Familie 2012 so erfolgreich im jungen Publikum war wie seit 1998 nicht mehr.

Hinzu kommt das wachsende Interesse am Pay-TV. Die Film- und Sport-Kanäle von Sky erreichten 2012 bei den 14- bis 49-Jährigen bereits einen gemeinsamen Marktanteil von 1,6%. Sender wie 13th Street oder Syfy, die nicht nur über Sky, sondern auch über die Pakete der Kabelnetzbetreiber vermarktet werden, kamen sogar jeweils auf 0,3% und sind damit die erfolgreichsten Pay-TV-Sender in Deutschland. Und selbst die 0,1%-Marktanteile von zdf.kultur oder Servus TV sind Bröckchen, die den großen Sendern abhanden gehen. Noch dazu bleiben Sender der dritten Generation wie N24, DMAX oder Tele 5 stark, stellten mit 1,2% bis 1,5% ebenfalls neue Rekorde auf, bzw. die aus dem Vorjahr ein.

Auch im Gesamtpublikum lässt sich eine solche Entwicklung weg von den Großen hin zu den Kleinen beobachten. Das Fernsehen erfährt offenbar also einen Trend, den es in den Branchen Print und Internet längst gibt: Der Markt splittert sich in unzählige Nischenangebote auf, die großen Mainstream-Anbieter haben es immer schwerer. Wenn man den Zuschauer dann noch so dermaßen unterfordert wie es RTL oder Sat.1 in den vergangenen Jahren gemacht haben, ihm eine trashige Einheitssauce vorsetzt, die ihm immer schlechter schmeckt, so treibt man ihn natürlich an die Töpfe der kleinen Sender. Kleine Sender, die dadurch immer größer werden.

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