Buzzfeed: Meister der Social-Media-Häppchen

Publishing Eines lässt sich heute schon sagen: Auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen und Journalismus-Ansätzen wird auf unzähligen deutschen Medien-Kongressen in den nächsten Monaten der Name Buzzfeed genannt werden. Im Guten wie im Schlechten. Niemand versteht es besser, den idealen Häppchen-Content zu liefern, das perfekte Futter für die humorhungrigen Facebook- und Twitter-Nutzer. Wirtschaftlich und konzeptionell funktioniert das so gut, dass Buzzfeed jetzt viele Millionen Dollar einsammeln kann.

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Das Portal wird in der neuen Finanzierungsrunde mit 19,3 Millionen Dollar ausgestattet. Zu den Investoren gehören unter anderen RRE, SoftBank und das US-Verlagshaus Hearst, aber auch die Serien-Gründer Michael and Kass Lazerow.

Die Startseite von Buzzfeed.com: Ein Samelsurium an Humor, Satire sowie Promi- und Katzen-Content

Sie alle stecken ihr Geld in eine rasant wachsende Web-Plattform. Im Dezember knackte die Site zum ersten Mal die Marke von 40 Millionen Unique Visitors. Mitlerweile zählt das Unternehmen rund 180 Mitarbeiter, von denen über 70 als Reporter und Redakteure arbeiten.

Ihr Job ist mit der Arbeit in einer klassischer Redaktionen kaum zu vergleichen. Denn sie besuchen in der Regel keine Pressekonferenzen und schreiben auch kaum Agenturmeldungen um. Sie sind stets auf der Suche nach dem maximal lustigsten, abgedrehtesten und visuellsten Ansatz zu jedem Top-Thema.

Ein aktuelles Thema ist beispielsweise "fünf populäre Ausreden, die völlig bedeutungslos sind".  Ebenfalls im Angebot: eine Timeline zu Kim Kardahian und Kanye West oder zehn Ski-Bilder, die das Herz des Betrachters stoppen lassen. Weitere typische Storys: "Der Big Lebowski erklärt das Fiskalklippe oder 14 Wege beim Anschauen der Lieblingsserie betrunken zu werden". Klingt banal oder sogar blöd, aber genau solche Beiträge sind gigantische Klickbringer, die in den sozialen Netzwerkern tausendfach geteilt und geliked werden.

Alle Inhalte wollen unterhalten und für die berühmten zwei Minuten Ablenkung sorgen, die Online-Nutzer ständig suchen. Ob im Büro, auf der Couch oder in der U-Bahn.

Neben dem Erfolg bei den Endverbrauchen, hat Buzzfeed mittlerweile auch einen sehr großen Einfluss auf die Mainstream-Nachrichten-Portale. Immer häufiger bedienen sich die News-Plattformen bei Meldungen oder Ideen der Online-Redaktion, die vor rund einem Jahr mit Ben Smith ihren ersten Chefredakteur bekommen hat.

Das Ziel von Jonah Peretti, Gründers und CEO von Buzzfeed ist schlicht das nächste richtig große Medien-Unternehmen zu bauen: "socially native, tech enabled, with massive scale". Peretti: "Wir sind laser-fokussiert darauf, die nächste Media-Company für eine Welt zu werden, in der Social die dominante Methode ist, mit deren Hilfe Menschen alle Arten von Medien entdecken", sagt der COO Jon Steinberg.

Tatsächlich gibt es zur Zeit wohl keine Medien-Firma, die konsequenter die Möglichkeiten von Social Media als Verbreitungsweg für den eigenen Content auslotet als Buzzfeed. Viele andere Medienhäuser haben hier noch massiven Nachholbedarf.

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