Anzeige

Augstein auf Antisemitismus-Hitliste

Das Simon Wiesenthal Center hat auf einer Top-Ten-Liste der antisemitischen und anti-israelischen Verunglimpfungen des Jahres 2012 auch den Spiegel-Gesellschafter und Verleger der Wochenzeitung Freitag, Jakob Augstein, aufgeführt. Ein bekannter deutscher Journalist in einer Liste mit der ägyptischen Muslim-Bruderschaft, dem Regime im Iran und der rechtsradikalen ungarischen Partei Jobbik? Das sorgte natürlich für einige Aufregung im Blätterwald. Auch Jakob Augstein äußerte sich mittlerweile dazu.

Anzeige
Anzeige

Grund für Jakob Augsteins Ernennung zu einem der Top-Antisemiten 2012 durch das Simon Wiesenthal Center (SWC) waren offenbar einige seiner Kolumnen bei Spiegel Online. Das Center zitiert einige Israel-kritische Aussagen Augsteins, u.a. seine Aussage dass Israel im Gaza-Streifen seine eigenen Feinde heranzüchte und seine Meinung zum umstrittenen Anti-Israel-Gedicht von Günter Grass. Die Nominierung Augsteins auf der Liste löste eine Reihe von Protesten in deutschen Medien aus.

Nils Minkmar schrieb beispielsweise in der FAZ, das SWC begehe durch die Nominierung Augsteins einen schweren intellektuellen und strategischen Fehler. Das Center setze hier Antisemitismus mit berechtigter Kritik an der Politik Israels gleich. Gegenüber der dpa äußerte sich Augstein selbst zu seiner Nennung auf der Liste. Er dokumentierte seine Antwort auch auf seiner Facebook-Seite: “Das SWC ist eine wichtige, international anerkannte Einrichtung. Für die Auseinandersetzung mit dem und den Kampf gegen den Antisemitismus hat das SWC meinen ganzen Respekt. Um so betrüblicher ist es, wenn dieser Kampf geschwächt wird. Das ist zwangsläufig der Fall, wenn kritischer Journalismus als rassistisch oder antisemitisch diffamiert wird.”

Anzeige

Das Wiesenthal Center führt in der Top-Ten-Liste auch den Welt-Kolumnisten Henryk M. Broder als eine Art Kronzeugen für die Nennung Augsteins auf. Das SWC bezeichnet Broder als “respektierten Kolumnisten” und jemanden, der bereits im Bundestag als Experte zum Thema Antisemitismus gehört wurde. Zitiert wird aus einer Polemik Broders, in der er Augstein wenig diplomatisch als “antisemitische Dreckschleuder” bezeichnet hatte. Minkmar nennt in der FAZ Broder dagegen den “Bud Spencer unter deutschen Kommentatoren”: “Wenn er hinlangt, liegen anschließend alle auf dem Parkett und sehen Sternchen. Ihn aber als weisen Experten zu benennen führt in die Irre, es ist als riefe man, um das Porträt eines Mannes zu schreiben, nur bei dessen Exfrau an.” Und was sagt Broder dazu? Der legt in der taz nach: "Er gehört weiter nach oben, auf Platz drei."

Das neue Jahr hat kaum begonnen und das Feuilleton ist schon auf 180. 

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*