Mysterien der allwissenden Müllhalde

Publishing Der Südkoreaner PSY landete mit seinem Gangnam-Style den YouTube-Über-Hit des Jahres. Nur hierzulande guckt man wieder in die Röhre - wegen des unseligen Gema-Google-Streits. Facebook- und Google-Angestellte bekommen in San Francisco einen exklusives Bus-Shuttle. Ein Medienprofessor redet “Handelsblatt Live” schlecht, bevor es gestartet ist und “Sackgasse” ist mysteriöserweise der meist aufgerufene Wikipedia-Artikel in Deutschland 2012.

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Das meist gesehene YouTube-Video des Jahres ist bekanntlich der lustige Gangnam-Style Tanz des südkoreanischen Rappers PSY. Über eine Milliarde mal wurde das offizielle Musikvideo abgerufen – Rekord! Angeblich verdient PSY durch seinen Anteil an der eingeblendeten YouTube-Werbung ordentlich Geld. Aber nicht aus Deutschland. Hierzulande ist das beliebteste YouTube-Video der Welt mal wieder nicht zu sehen. Jedenfalls nicht die offizielle Version. Es erscheint die altbekannte Meldung “Unfortunately, this video is not available in Germany because it may contain music for which GEMA has not granted the respective music rights”. Und das obwohl PSY das Video selbst bei YouTube eingestellt hat und offensichtlich auch verbreitet haben will. Inoffiziell eingestellte Versionen des Gangnam-Style kann man dagegen problemlos auch hierzulande anschauen. Was für ein Unsinn. Ich habe mittlerweile aufgegeben, zu ergründen wer an dieser Misere “Schuld” ist – Google oder die Gema. Es ist jedenfalls ein Armutszeugnis und ein Dauerärgernis für Künstler und Nutzer gleichermaßen.

Wenn man im hippen und hübschen San Francisco lebt und in einem der angesagten Hightech-Internet-Weltkonzerne arbeitet, dann darf man mit ganz besonderen Bussen zur Arbeit fahren. Im Magazin der New York Times war ein interessanter Artikel über die Shuttle-Busse, mit denen Google, Facebook und Co. ihre Mitarbeiter aus San Francisco zur Arbeit ins Valley karren. Der Privatbus-Transport sorgt für eine erhebliche Abgas- und Verkehrs-Reduzierung. Und Google-Mitarbeiter dürfen die Busse am Wochenende sogar für private Zwecke mieten, als Party-Shuttle beispielsweise. Prima Sache!

Eine der mit Spannung erwarteten Medien-Innovationen im neuen Jahr wird “Handelsblatt Live” sein, die digitale Tageszeitung aus dem Hause Handelsblatt. Da wird ganz schön geklotzt. Eine Redaktion soll von New York aus die Sechs-Uhr-Ausgabe erstellen, dann kommt noch eine Ausgabe um 12 Uhr und eine um 19 Uhr. Produziert wird erstmal nur fürs iPad, weitere mobile Endgeräte sollen folgen. Der Preis steht noch nicht fest. “Handelsblatt Live” ist noch nicht gestartet, da findet sich auch schon der erste Medien-Professor, der das Projekt runtermacht. Prof. Lorenz Lorenz-Meyer, Leiter des Studiengangs Online Journalismus der Hochschule Darmstadt, bescheinigt “Handelsblatt Live” vorab geringe Erfolgsaussichten: "Sie (die App) hat den Nachteil, dass sie nicht den Rezeptionsgewohnheiten der Internet-Kundschaft entspricht", sagte er der dapd. Handelsblatt-Chef Gabor Steingart und seine Live-Macher müssen sich nicht grämen. So oft wie Medien-Professoren mit ihren Prognosen danebenliegen, sind die Erfolgsaussichten für „Handelsblatt Live“ wahrscheinlich gar nicht mal so schlecht …

Zum Ende des Jahres hin gibt es ja Listen über Listen. Ebenso interessant wie rätselhaft sind die Listen der meist aufgerufenen Wikipedia-Artikel 2012. Für Deutschland steht da der Begriff “Sackgasse” mit über zehn Mio. Aufrufen auf Platz 1. Sackgasse? Mich beschleicht der Verdacht, das könnte etwas mit der gehypten Boyband One Direction zu tun haben. Aber wenn man in der deutschen Wikipedia “One Direction” eintippt, landet man korrekt auf dem Artikel, der zur Musikkapelle gehört und nicht in einer Sackgasse. Warum “Sackgasse” der meist gelesene Wikipedia-Artikel des Jahres ist – keine Ahnung. Das wird wohl eines dieser vielen ungelösten Mysterien jener allwissenden Müllhalde namens Internet bleiben.

Schönes Wochenende und gute Rutsch!

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