Uli Baurs launiges Abschieds-Memo

Publishing Normalerweise wird einem Editorial in einer Zeitschrift nicht allzuviel Aufmerksamkeit zuteil. Der Chefredakteur verliert ein paar Worte zu den Top-Geschichten der aktuellen Ausgabe, vielleicht garniert mit ein bisschen Eigenlob - das war’s. So ein Editorial ist schnell überblättert. Im aktuellen Focus allerdings lohnt sich der Blick ins Editorial. Chefredakteur Uli Baur verabschiedet sich dort von Lesern und Kollegen. Und führt mit launigen Worten seinen Nachfolger Jörg Quoos ein.

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“Nach 1.040 Ausgaben und 20 Jahren verabschiede ich mich aus der Focus-Chefredaktion”, schreibt Uli Baur zu Beginn seines “Memos” im Weihnachts-Focus, der an Heiligabend, dem 24. Dezember, erschien. Lesern, Kunden, Kollegen und Mitstreitern ruft er in besinnlicher Zeit zu: “Danke, es war eine traumhaft schöne Zeit.” Dabei lässt er auch ein kleines bisschen Raum für Selbstkritik: “Auch in unserer/meiner Geschichte hat es hin und wieder ordentlich gerumpelt. Aber das gehört zum Leben – ohne Niederlage kein Sieg.” Was genau er damit meint, lässt er offen. Vielleicht die Konflikte mit dem Kurzzeit Co-Chefredakteur Wolfram Weimer? Die zeitweise unter Druck geratene Auflage des Focus? Das langwierige Gezerre um die Nachfolge von Gründungschefredakteur Helmut Markwort? Der Leser darf sich selbst eine Meinung zum “Gerumpel” bilden.

Weiter geht es im lockeren Plauderton: “An sich ist es nicht schwer, ein Editorial zu verfassen, nur: Was schreibt man in seinem letzten an dieser Stelle? Meine fröhlichen Freunde rieten mir, sie alle mal zu grüßen. Geht natürlich nicht in einem Nachrichtenmagazin, außerdem werde ich in Zukunft sowieso endlich mehr Zeit für sie haben.” Statt “Grüße” wird dann der neue Focus-Chef launig vorgestellt: “Focus erhält mit Jörg Quoos einen erfahrenen und kompetenten neuen Chefredakteur. Der gelernte politische Journalist kommt von der Bild-Zeitung, wo er in den vergangenen acht Jahren als Stellvertreter des Chefredakteurs das Blatt entscheidend mitgeprägt hat.” Und, so fügt Baur gewitzt an: “Seine Schlagzeilen und Geschichten gehörten nicht gerade zu den unwichtigsten und unwitzigsten. Glauben Sie’s mir.”

In vielen Gesprächen habe er die Überzeugung gewonnen, dass Jörg Quoos “den Focus versteht und ihn wirklich mag”. Bleibt noch der Dank an das Team für den “unglaublichen Einsatz und die Loyalität, “diesen ganz einzigartigen Focus-Spirit”. Namentlich erwähnt Baur in seiner Dankadresse seine Stellvertreter Markus Krischer und Carin Pawlak. Und getreu dem Motto “Niemals geht man so ganz”, verweist Baur in einem PS darauf, dass er ab 2. Januar neben Helmut Markwort als zweiter Herausgeber des Focus grüßt: “Ganz ohne Focus geht es eben doch nicht.” Schon die erste Ausgabe des neuen Jahres wird unter der Regie von Jörg Quoos produziert.

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