“Das Ernste”: die Witze der Anderen

Fernsehen Das Erste will lustig werden und hat die neue Satire- und Parodieshow “Das Ernste” am sehr späten Freitagabend gestartet. Die Quoten waren (wohl wegen des Vorlaufs von Dieter Nuhrs Jahresrückblick) ordentlich, die Kritiken vernichtend. Kein Wunder. Das Problem von “Das Ernste” ist gar nicht so sehr die handwerkliche Qualität - die ist gar nicht so schlecht - sondern die erschreckende Angst vor Ideen. Stattdessen wird kopiert. Insofern ist “Das Ernste” ein typisches ARD-Programm.

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Man kann es sich ungefähr vorstellen, wie “Das Ernste” entstanden sein muss: Programm-Bosse der ARD lesen ja auch TV-Kritiken und es wird ihnen nicht entgangen sein, dass da vor allem zwei Sendungen der lustigen Art immer wieder mit Lob und Preis(en) überschüttet werden: “Switch Reloaded” bei ProSieben und die “heute show” beim ZDF. “Das wollen wir auch”, mag man sich gedacht haben und gab bei einer Produktionsfirma in Auftrag, mal eben so eine hammerlustige Show mit total lebensechten Parodien wie bei “Switch Reloaded” und einem locker-lustigen Nachrichten-Mann wie dem Oliver Welke bei der “heute show” zu machen. Am besten – hihi – in echter “Tagesschau”-Kulisse. Das ist dann so richtig selbstironisch.

Die ARD wollte also eine lustige Show und bekam “Das Ernste”. Geradezu unheimlich ist, bis in welche Details sich “Das Ernste” bei den Vorbildern bedient. Die Günther-Jauch-Parodie bei “Das Ernste” wirkt, als habe der arme Schauspieler weniger Günther Jauch beobachtet, sondern Michael Kessler, wie er Günther Jauch für “Switch Reloaded” spielt. Ähnliches gilt für die Parodie von Reinhold Beckmann bei “Das Ernste”, die man im Kopf ständig mit der Vorlage von Max Giermann bei “Switch” vergleicht. Bei der ARD werden irgendwelche Bosse mit dem Kopf nicken und sich gratulieren: Unser Gag-Jauch ist ja fast auch so gut wie der von ProSieben. Nein. Ausgerechnet jene TV-Figuren zu parodieren, für die die Leute bei “Switch Reloaded” zu Recht Ruhm und Ehre eingeheimst haben, das war keine gute Idee.

Dabei zeigen die Leute bei “Das Ernste” bei Parodien von etwa Anne Will, Peter Altmeier, Joachim Gauck und Jogi Löw, dass sie durchaus etwas können.  Aber da ist nichts Neues nichts Überraschendes. Erzählrhythmus   und Präsentations-Stil sind exakt bei “Switch” kopiert und Moderator Florian Schröder wirkt in seiner bemüht lockeren Art wie eine Parodie auf Markus Lanz, der Oliver Welke spielt – aber den hat der Giermann ja auch schon im Repertoire. Also den Lanz.

Man will also jetzt auf Teufel komm raus lustig sein bei der ARD. Diverse Gremien haben ein “Humor-Defizit” identifiziert und wahrscheinlich wurden auch schon diverse Arbeitskreise “Witz” gebildet – natürlich paritätisch besetzt mit Vertretern auf Politik, Kirche, Gesellschaft und allen relevanten Anstalten. Draußen vor der Tür stehen hundert Rundfunkräte und rufen im Chor: Witz komm raus, du bist umzingelt. Was bei dabei herauskommt, konnte man nun zu nächtlicher Stunde am Freitag im Ersten besichtigen: ein lauwarmer Aufguss der Witze der Anderen, versteckt auf einem katastrophalen Sendeplatz. Ein Behördenapparat wie die ARD ist nicht das beste Biotop für Spitzenwitze.
"Das Ernste" in der ARD-Mediathek

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