BBC World News: Relaunch und Kampagne

Fernsehen BBC World News, der internationale "Arm" der britischen BBC, will im kommenden Jahr mit einer Kampagne aufmerksamsstärker als bisher für sich werben. "Live the story" wird der Claim heißen, kündigt Jim Egan, COO der BBC Global News, im Gespräch mit MEEDIA an. "Wenn die Leute BBC World News auf ihrem TV abschalten, wollen wir, dass sie bei uns bleiben", sagt Egan. Also: auf anderen Geräten die Angebote der BBC weiternutzen. Als größten Treiber der Veränderung sieht Egan das Smartphone.

Werbeanzeige

BBC World News gehört zu den kommerziellen Services der BBC, die anders als die gebührenfinanzierten Angebote mit Werbung refinanziert werden. Seit September ist Egan Chief Operating Officer der neu gegründeten BBC Global News, zu der neben dem weltweit verfügbaren TV-Angebot BBC World News, die vor 21 Jahren auf Sendung gingen, auch die Webseite BBC.com gehört. Ist die Trennung in zwei unterschiedlich finanzierte Angebote ein Vorbild? "Die Position, in der wir uns jetzt befinden, kann ich vorsichtig empfehlen. Den Weg bis hierhin allerdings nicht unbedingt."
Warum das? "Sie müssen es bei zwei verschiedenen Finanzierungsformen hinbekommen, dass nur eine einzige Marke wahrgenommen wird, die für die gleichen Dinge steht, eine gemeinsame Strategie und eine kongruente inhaltliche Linie." Wo das Geld für die Programme herkomme, dürfe dabei keine Rolle spielen. Egan glaubt, dass die BBC diese Aufgabe mittlerweile gemeistert hat. In Großbritannien gebe es große Sympathien für die internationalen Angebote der BBC, dass diese aber nicht alle von den Gebühren finanziert werden, sei eher unbekannt. Insgesamt erreiche BBC World News über alle Kanäle und Plattformen hinweg 239 Millionen Menschen in der Woche. Laut Egan stammen jeweils ein Drittel der Erlöse aus TV-Werbung, aus digitalen Werbeformaten und aus Lizenzgebühren, die Kabelanbieter an die BBC zahlen.
Im kommenden Jahr will BBC World News seine Bekanntheit und Reichweite in Deutschland steigern. Bisher schalten rund zwei Millionen Menschen im Monat den Kanal ein, ebenfalls zwei Millionen Menschen nutzen die Webseite BBC.com. Die Überschneidungen sollen allerdings gering sein. "Deutschland ist ein sehr wichtiger Markt für uns", sagt Egan. "Wenn du nicht groß genug in Deutschland bist, gerätst du in Schwierigkeiten." Neben BBC World News kämpfen die internationalen Programme von CNN, Euronews, France24, Russia Today und Al Jazeera um die Aufmerksamkeit der Zuschauer. Offizielle Daten über Marktanteile gibt es nicht, doch von diesen Angeboten hat vermutlich CNN den höchsten Anteil, gefolgt von der BBC. 
Egans wichtigstes Thema ist darum, die Zuschauer stärker zu binden, sie über mehrere Kanäle zu Nutzern zu machen und so die "stickiness", also die Bindung an die Marke, zu erhöhen. Die Marketing-Kampagne "Live the story" soll sowohl auf konventionellen Wegen wie über möglichst viele soziale Netzwerke und Plattformen verbreitet werden. Einen Marketing-Mix ähnlicher Bauart wählte vor kurzem auch der britische Economist, der gezielt seine Zielgruppen in Deutschland anvisierte. Egan: "Wir sind in einer guten Ausgangslage, haben Millionen von Fans auf Facebook. Es ist aber letztlich recht einfach, ein Like zu bekommen. Die schwierigere Aufgabe ist: was macht man dann damit?" Egan und seine Mitstreiter wollen künftig "aggressiver" werden, was die Gewinnung neuer und Bindung bestehender Nutzer angeht.
Als größten Treiber für Wachstum und Bindung von Nutzern sieht Egan das Smartphone. Außerhalb Großbritanniens erreiche BBC.com rund 50 bis 60 Millionen Nutzer im Monat. Im kommenden Jahr erwarten die BBC-Strategen, dass rund die Hälfte des Traffics auf der Seite von mobilen Endgeräten generiert wird. Auch getrieben von Videos, die zunehmend mobil geschaut werden, vor allem über Tablets. Denkt er auch über kostenpflichtige Apps nach? "Bisher lassen wir unsere Nutzer nicht zahlen. Wird das immer so bleiben? Ich bin nicht sicher." Egan sagt, er verfolge die Experimente der Verleger mit Bezahlmodellen aufmerksam. Aber was ihn unterscheide: "Unser Druck, Bezahlmodelle aufzubauen, ist nicht so hoch wie bei den Verlagen. Wir sind bisher recht erfolgreich, was die Generierung von Werbeerlösen angeht."
Helfen soll bei der Offensive im neuen Jahr auch der Umzug in ein neues, ungleich moderneres TV-Studio als das bisherige. Dort kann in HD-Qualität produziert werden, wird es aufwändige Infografiken geben, auch neue Moderatoren kommen zum Einsatz. Start für den Relaunch ist der 14. Januar. "Der Sender wird im kommenden Jahr sehr anders aussehen", kündigt Egan an. Ist Technologie und Design im Kampf um die Aufmerksamkeit entscheidend? Nicht entscheidend, sagt Egan, aber ohne diese Veränderungen hätte BBC World News mit Sicherheit einen Wettbewerbsnachteil. 

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige