Analyse: die Leser der Online-News-Sites

Publishing In acht Artikeln hat MEEDIA in den vergangenen Wochen die Leser der großen acht Nachrichten-Websites von Bild.de bis FAZ.net analysiert? Wie alt sind sie? Wie gebildet? Für welche Inhalte interessieren sie sich besonders stark? Im Abschluss unserer Serie blicken wir nun noch etwas weiter: 14 Einzelrankings zu Geschlecht, Alter, Bildung und Berufstätigkeit zeigen, welche der 24 News-Websites mit mehr als 1 Mio. monatlichen Nutzern in welchen Gruppen besonders erfolgreich sind.

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Bevor wir mit unserer Analyse beginnen, noch ein paar Hinweise. Die ersten acht Teile unserer Serie mit den Profilen der großen Nachrichten-Websites finden Sie als Link unter diesem Artikel. Wie in den acht vorigen Folgen, blicken wir auch im anschließenden neunten Teil auf die AGOF-Zahlen der Monate Juli bis September. Zwar sind am Donnerstag auch die neuen Oktober-Zahlen veröffentlicht worden, wegen dem besseren Vergleich innerhalb unserer Serie ignorieren wir sie aber. In die Wertung kamen die 24 Nachrichten-Angebote, die im Durchschnitts-Monat Juli bis September mindestens 1 Mio. Unique User erreicht haben. Die Zahlen in den folgenden 14 Tabellen geben dabei den jeweiligen Anteil der betrachteten Nutzergruppe an der Gesamt-Nutzerschaft des Angebots wieder.

Zunächst der Blick auf die Geschlechterverteilung: Welche News-Websites haben die männlichste, welche die weiblichste Leserschaft. Wenig überraschend: Angebote mit einer Stärke bei Wirtschafts- und Finanzthemen haben ein besonders männliches Publikum. So führen im Männer-Ranking die FTD, das manager magazin, das Handelsblatt, n-tv und die FAZ mit Männer-Anteilen von 65,3% bis 74,1%.

Weniger vorhersehbar ist hingegen das Ranking der Angebote mit dem größten Frauen-Anteil in der Leserschaft. So führt hier news.de mit 50,1%. Als einzige News-Websites hat news.de nicht nur Frauen als Männer in der Leserschaft, sie ist auch das einzige der 24 Angebote, das die Durchschnitts-Verteilung aller Internet-Nutzer (52,4% Männer / 47,6% Frauen) auf der weiblichen Seite übertrifft. Interessant: Dahinter folgen vier Ableger von Regionalzeitungen, Frauen interessieren sich also offenbar überdurchschnittlich stark für Regionales.

Eine Tatsache, die wir schon aus der Analyse des typischen Bild.de-Lesers schlussfolgern konnten: In den Altersstufen haben die Teenager offenbar einen Hang zum Boulevard. Das Top-5-Ranking bestätigt diese Vermutung: Express, tz und Bild.de finden sich in dieser Liste, zudem RP Online, dem auch ein großer Anteil Boulevard nachgesagt wird und DerWesten.

Bei den 20- bis 29-Jährigen, oftmals Studenten, finden sich hingegen Websites wie taz.de, die Zeit, die Süddeutsche und der Tagesspiegel in der Top 5. Allerdings wie bei den Teenagern auf Platz 2: die Münchner tz.

Bei den 30- bis 39-Jährigen wird es noch interessanter: Hier führt die tz sogar. Das Münchner Boulevard-Blatt hat also mit mehr als 65% unter-40-jährigen Lesern die mit Abstand jüngste Nutzerschaft aller 24 größten Nachrichten-Websites des Landes. Ebenfalls stark bei den 30- bis 39-Jährigen: das manager magazin – sicher auch wegen des bei IVW und AGOF mitgezählten Karriere-Ressorts von Spiegel Online.

In den Altersstufen ab 40 dominieren wieder die Angebote mit Wirtschafts-Kompetenz: Die FTD führt bei den 40- bis 49-Jährigen und den 50- bis 59-Jährigen, das Handelsblatt liegt hier jeweils auf Platz 2.

Ungewöhnlich sieht es dann bei den Über-60-Jährigen aus. Auch hier sind FTD, Handelsblatt und FAZ vertreten, zudem aber die Berliner Morgenpost und news.de. Besuchen die Website des umstrittenen Unternehmens Unister also vor allem ältere Frauen? Und spielt der Preisvergleich shopping.news.de eine gewisse Rolle bei diesen Ergebnissen?

Beim Thema Bildung gibt es zwei weitere Spitzenplätze für news.de. Die Nutzer des Portals sind offenbar nämlich auch die mit der schlechtesten Bildung. In der Gruppe derjenigen ohne Schulabschluss oder mit einen Hauptschulabschluss führt news.de vor dem Merkur, der tz, der Augsburger Allgemeinen und Bild.de.

Auch bei denjenigen, die eine weiterführende Schule abgeschlossen haben, also beispielsweise einen Realschulabschluss besitzen, hat news.de den größten Anteil: 32,4% der Besucher des Angebots gehören in diese Kategorie, genau so viele wie bei Bild.de und mehr als bei Abendblatt.de, der Berliner Morgenpost und tz Online.

Die höchste Bildungs-Kategorie, die mit denjenigen, die mindestens Abitur haben, teilen sich Wirtschafts-affine Medien wie manager magazin, FAZ und FTD mit taz.de und Zeit Online. Die 64,5% des manager magazins sind dabei eine eindrucksvolle Zahl, die weit über allen anderen liegt.

Zum Schluss noch der Blick auf die Karriere: Welche Medien haben besonders viele Berufstätige unter ihren Lesern? Welche besonders viele Schüler und Studenten? Und welche besonders viele Rentner und Arbeitslose?

Bei den Nutzern, die sich noch in Ausbildung befinden, sieht die Top 5 wie ein Mix aus den beiden Alters-Rankings der Teens und Twens aus: Offenbar bei Schülern starke Boulevard-Angebote wie Express und tz werden ergänzt durch bei Studenten populäre Medien wie taz, Zeit und Süddeutsche.

Die anteilsmäßig meisten berufstätigen Leser haben unterdessen wieder die Medien mit Wirtschafts-Kompetenz, richten sie sich doch auch vor allem an genau diese Leser: Berufstätige. Das manager magazin führt hier mit 73,3% vor dem Handelsblatt und der FTD. Einziges Medium ohne Wirtschafts-Stärke: Der Merkur.

Im Ranking der Rentner, Pensionäre und Arbeitslosen wird es wieder interessant, denn: news.de führt. Mit 19,1% hat das Angebot den mit Abstand höchsten Leser-Anteil in dieser Gruppe, gefolgt von Focus, tagesspiegel, Welt und stern. News.de besitzt also offenbar tatsächlich viele ältere, weibliche, nicht so gut gebildete Nutzer. Ob die dann aber auch die Nachrichten-Inhalte der Plattform nutzen – oder eher das erwähnte Shopping-Portal – lässt sich aus den Zahlen nicht erkennen.

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