Dpa schreibt 2012 wieder schwarze Zahlen

Publishing Die dpa-Gruppe wird mit ihrem Kerngeschäft dpa GmbH in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben. Dies hat dpa-Geschäftsführer Michael Segbers den Mitarbeitern der Nachrichtenagentur im Intranet verkündet. 2009 und 2010 hatte die Agentur hohe Verluste eingefahren. Nachdem sich die Konkurrenzagentur dapd selber zerlegt hat und neu sortiert, kommen auch Zeitungskunden zurück zu dpa: Nach der WAZ sind offenbar Rheinpfalz und Freie Presse Chemnitz wieder Basisdienst-Abonnenten.

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Ein Sprecher der dpa bestätigte auf MEEDIA-Nachfrage, dass die Rheinpfalz in Ludwigshafen und die Freie Presse aus Chemnitz beide wieder Verträge mit der dpa abgeschlossen haben, die den Bezug von Basis- und Landesdiensten einschließen. Beispielsweise die Rheinpfalz hatte den Basisdienst im Jahr 2000 gekündigt und kam fortan mit AFP, Reuters und der ddp, die später zu dapd wuchs, aus. Beide Zeitungen gehören zur Medien-Union.

Michael Garthe, Chefredakteur der Rheinpfalz, hat auf Anfrage die Kündigung ebenfalls bestätigt. Er begründet sie so: "Das Angebot von dapd ist in den vergangenen Wochen kontinuierlich schlechter geworden und wir haben das Vertrauen verloren, dass neue Eigentümer/Investoren wieder ein konkurrenzfähiges Angebot einer Vollagentur auf die Beine bringen, das auch den Ansprüchen einer gedruckten Zeitung genügt und nicht nur den Ansprüchen vieler elektronischer Medien." Garthe, der auch den Ausstieg bei dpa beschloss, kehrt nicht unbedingt voller Freude zurück: "Wir bedauern diese Entwicklung sehr. Denn der Aufstieg von dapd, zu dem wir als einer der ersten großen Kunden beigetragen haben, hat Wettbewerbsverhältnisse im deutschsprachigen Agenturmarkt bewirkt. Die schwerfällige dpa ist in Bewegung gekommen und hat ihr Angebot wie auch ihre Preispolitik verändert. Alle deutschen Verlage haben von dieser Entwicklung profitiert."
Garthe und sein Kollege bei der Freien Presse folgen damit der WAZ-Gruppe, die knapp vier Jahre ohne dpa auskam, sowie der Rheinischen Post. Der Schwenk zurück zur dpa dürfte auch mit der Insolvenz der dapd zusammenhängen. Zwar wird dapd weiter seine Dienste anbieten, "in vollem Umfang", wie das Management betont, doch vermutlich hat sich die dpa nicht die Gelegenheit der monatelangen Unsicherheit über die zukunft der dapd entgehen lassen, die abstinenten dpa-Kunden wieder für sich zu gewinnen. Gleiches gilt für die AP-Lizenz, die vom kommenden Jahr an bei dpa liegt, statt wie in den vergangenen Jahren bei dapd.
Die weißen Flecken auf der dpa-Landkarte der klassischen Medienkunden dürften damit vorerst wieder beseitigt sein – was nicht überall auf Begeisterung stoßen dürfte. Stichwort: "Monopolanbieter". Segbers und dpa-Chefredakteur Wolfgang Büchner kennen dieses Argument und widersprechen in der Intranet-Mitteilung: "Der Nachrichtenagenturmarkt in Deutschland bleibt extrem wettbewerbsintensiv. Wir alle sind deshalb gut beraten, wenn wir den erfolgreich begonnenen Umbau unserer Agentur als Multimedia-Dienstleister weiter vorantreiben." Im kommenden Jahr soll das Planungstool dpa agenda allen Kunden zur Verfügung stehen.
Schwierig wird es trotz der komfortablen Marktsituation dennoch für dpa bleiben, im Kerngeschäft profitabel zu wirtschaften. Die Auflagen der Zeitungskunden sinken, entsprechend fließt auch weniger Geld; so sehen es die Verträge vor. Verzeichnete die dpa GmbH noch 2006 einen Überschuss von 6,3 Millioenen Euro, standen 2009 (minus 3,8 Millionen) und 2010 (minus 5,2 Millionen) Fehlbeträge in der Bilanz. Im vergangenen Jahr gelang wieder ein kleines Plus von 647.000 Euro.
Seit einiger Zeit schon suchen Nachrichtenagenturen nach neuen Erlösquellen, beispielsweise bei Unternehmen und Institutionen, die sich für Inhalte der Agenturen interessieren. Existenzgarantie der dpa ist die Tatsache, dass sie genossenschaftlich organisiert und im Besitz von rund 190 Medienunternehmen ist.  

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