Die Aufsteiger, Aussteiger und Ausreißer 2012

Publishing 2012 war ein mehr als turbulentes Medienjahr. Neue Chefs bei Gruner + Jahr und ProSiebenSat.1. Springer schickt Kai Diekmann ins Silicon Valley. Thomas Gottschalk geht am Vorabend unter und taucht im RTL Hauptprogramm wieder auf - und auch schon wieder ab. Marissa Mayer lenkt Yahoo, Aleksander Ruzicka wird Chefredakteur hinter Gittern. MEEDIA lässt im Teil 2 des Jahresrückblicks einige der prominentesten und überraschendsten Medien-Persönlichkeiten des Jahres Revue passieren.

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Bernd Buchholz – Politiker in spe

Das Alpha-Tier unter den hiesigen Medienmanagern wurde von den grauen Herren aus Gütersloh in diesem Jahr ganz schön gerupft. Die “Zugkraft einer Spielzeuglokomotive” attestierte man dem Gruner-Vorstandschef bei Bertelsmann. Und weiter: Er habe seine “Hausaufgaben nicht gemacht”. Lesen durfte Buchholz die wenig schmeichelhaften Einschätzungen über sich im manager magazin. Der Streit mit Gütersloh führte dazu, dass er der Medienwelt den Rücken kehrte und nun sein Heil in der Politik sucht. Bei der Bundestagswahl 2013 will er für die schleswig-holsteinische FDP kandidieren. Er macht es sich aber auch nicht leicht.

Thomas Gottschalk – Reden ist blond

Der große Blonde mit den ewigen Locken hat 2012 ein turbulentes Jahr hinter sich gebracht. Erst der fulminante Fehlstart mit “Gottschalk Live”, die Rolle als Sidekick von Ex-Erzfeind Dieter Bohlen bei “Das Supertalent”. Und dann waren die bei RTL auch noch so perfide, Gottschalk mit dem “Supertalent” gegen seinen alten Dampfer “Wetten dass..?” ins Rennen zu schicken. Am Ende: Ernüchterung. “Das Supertalent” mit Gottschalk lag quotenmäßig deutlich unter den Vorgänger-Staffeln. Wobei es ohne ihn vermutlich genauso gelaufen wäre. Und nun? FAZ-Kolumne hat er schon. Nächstes Jahr will er angeblich kürzer treten. Andererseits sind auch Shows für die ARD geplant. Irgendwas wird er schon machen. Er kann doch nicht anders. Wetten dass…!

Kai Diekmann – der Exilant

Der Bild-Chef ist mit zwei weiteren Springer-Jungs (Peter Würtenberger und Martin Sinner) für ein Jahr ins Silicon Valley gezogen. Haare ab, Tatoos drauf und los ging’s. Drüben sollen die Drei neue digitale Welten erkunden. To boldly go, where no Springer-Man has gone before. Nach sechs bis zwölf Monaten sollen Diekmann und Co, dann mit zündenden Ideen (und vielleicht dem einen oder anderen Kooperationspartner oder Kaufkandidaten?) glorreich zurückkehren. Ob KD dann wieder einfach so bei der Bild weitermacht wie vorher, oder man bei Springer Größeres mit ihm vor hat… schaun mer mal.

Manfred Spitzer – “The nutty Professor”

Der Hirn-Forscher Manfred Spitzer erreichte in diesem Jahr dank einiger griffiger Sprüche (in etwa: Videospiele und Fernsehen machen doof, Internet auch) eine erstaunliche Medienpräsenz. Immer dabei: sein Buch “Digitale Demenz”. Der flotte Titel und die simplen Thesen vom unmittelbar bevorstehenden Untergang des Abendlandes wg. grassierender Bildschirmsucht der Jugend waren wie maßgeschneidert für die oberflächliche Bildschirm-Medienwelt, die Spitzer in seinen Büchern ja so schädlich findet.

Stefan Raab – von Phrasen geschlagen

Der ProSieben-Haus-Entertainer wollte mal wieder ein TV-Genre umkrempeln. Nachdem er mit einer Mischung aus Können, Professionalität und Größenwahn tatsächlich den Eurovision Song Contest in Deutschland reanimiert hatte, wollte er nun politische Talkshows aufmischen. Die erste Ausgabe seiner Show “Absolute Mehrheit” erntete jedoch meist vernichtende Kritiken und war fast genauso verschnarcht wie die etablierten Gesprächsrunden. Gegen die geballte Phrasenkraft der Politik ist auch ein Raab machtlos. Aber der Kerl ist ja nicht kleinzukriegen. Als nächstes will er Anfang nächstes Jahr den TV-Karneval retten. Narhallamarsch!

Hendrick Jolie – die kreuz.net Connection

Der Sprecher des konservativen Netzwerks katholischer Priester, hat für das katholische Hetz-Portal kreuz.net geschrieben. Das hat der Spiegel aufgedeckt. Neben Jolie wurden noch weitere Personen aus dem kirchlichen Umfeld bekannt, die Verbindungen zu kreuz.net haben sollten. In Gang gebracht wurden die Enthüllungen erst, als der Bruno Gmünder Verlag eine Belohnung für Hinweise auf die Hintermänner von kreuz.net aussetzte. Zuvor war der verstorbene homosexuelle TV-Komiker Dirk Bach auf der Hetz-Website übel beschimpft worden. Erst aufgrund der Hinweise des Bruno Gmünder Verlags und der Kampagne “Stoppt kreuz.net” wurden staatsanwaltschaftliche Ermittlungen aufgenommen und die Seite ging schließlich offline. Das Thema ist noch lange nicht durch.

Marissa Mayer – die Vorzeige-Frau

Sie war die 20. Mitarbeiterin von Google. Seit Juli ist sie die Nummer 1 bei Yahoo. Die Personalie sorgte weltweit für Schlagzeilen, auch weil Mayer kurz nach der Nachricht vom Wechsel bekanntgab, dass sie schwanger ist. Mittlerweile ist der Junge auf der Welt. Vorstandschaft und Mutterschaft, Frau Mayer zeigt, dass das kein Gegensatz sein muss. Und sie hat bei Yahoo Gratis-Mittagessen eingeführt! Jetzt müssen nur noch die Geschäftszahlen stimmen, dann ist sie bereit zur Heiligsprechung.

Julia Jäkel – Wonder Woman in Wartestellung

Sie ist sowas wie die Marissa Mayer von Gruner + Jahr: weiblich, jung, attraktiv, kleine Kinder daheim – und einen Berg an Problemen vor sich. Julia Jäkel erbte bei Gruner + Jahr das Deutschland-Geschäft von Bernd Buchholz. Als erste wichtige Amtshandlung durfte sie statt Gratis-Mittagessen zu verteilen, die Financial Times Deutschland dicht machen. Dafür erntet man natürlich keine Beliebtheits-Pokale. Für wird 2013 das Jahr der Bewährung.

Stephan Schäfer – der Multi-Chef

Einer für (fast) alle. Stephan Schäfer hat 2012 den des Begriff Multi-Chefredakteurs auf eine neue Qualitätsebene gehoben. Zeitweise war er in Personalunion als Chefredakteur für ganze fünf Zeitschriften bei Gruner + Jahr verantwortlich: Brigitte, Schöner Wohnen, Essen & Trinken, Couch und Häuser. Da staunte man selbst beim Bauer Verlag. Im Oktober übernahm er dann auch noch die Geschäftsführung der G+J Verlagsgruppe Life, in der diese Titel erscheinen. Mit dem Schritt hat er zwar die Chefredaktion von Essen & Trinken, Couch und Häuser wieder abgegeben wurde aber gleichzeitig deren Herausgeber. Sonst wäre er wahrscheinlich nicht ausgelastet gewesen.

Markus Lanz – alles nur geklont?

Markus Lanz ist der Stephan Schäfer des ZDF – der Mann für Alles. Er talkt spätabends, er macht “Wetten dass..?”, er fährt mal eben in für ‘ne Doku in die Mongolei (ob er da wohl den dort immens populären DJ Bobo trifft?), er moderiert den Jahresrückblick. Demnächst macht er wahrscheinlich auch noch das “Aktuelle Sportstudio”, übernimmt die Hauptrolle bei den “Rosenheim Cops” und macht die Vertretung für Claus Kleber im “heute journal”. Und in 20 Jahren beerbt er Sascha Hehn als “Traumschiff”-Kapitän. Alles kein Problem für den Lanz. Wie viele von diesen Markus-Lanz-Typen beschäftigen die beim ZDF eigentlich?

Markus Dohle – der Buch-Macher

Bertelsmann fusioniert seine Buch-Tochter Random House mit Pinguin zum größten Buchverlag der Welt. An der Spitze steht der bisherige Random-House Chef Markus Dohle. Der wird dadurch zum mächtigsten Buchmanager der Welt mit 250 Verlagen und rund 11.000 Mitarbeitern. Seine Gegenspieler bei der Suche nach dem nächsten Mummy-Porn-Über-Hit dürften weniger aus der Verlagswelt kommen, sondern aus der IT-Branche. Dort heißen die Konkurrenten im boomenden digitalen Buchgeschäft Amazon und Apple.

Wolfgang Blau – Digital-Abenteurer

Der viel gelobte Chefredakteur von Zeit Online wechselt als Digitalchef zum Guardian nach London. Mutig.  Denn wirtschaftlich befindet sich die Zeitung an der Themse in deutlich schwierigeren Fahrwassern als die gediegen dahinschippernde Zeit. Der Guardian setzt kompromisslos auf eine kostenlose und umfassende Internet-Ausgabe seiner Tages-Zeitung. Allerdings häufen sich Verluste und kritischen Stimmen über den Radikal-Digital-Kurs von Chefredakteur Alan Rusbridger. Die Guardian-Redaktion ist einer der zentralen Zukunftsbaustellen für die Branche – und Blau bald mittendrin.

Jörg Quoos – Berlin im Focus

Im neuen Jahr tritt der bisherige Bild-Vize Jörg Quoos als neuer Focus-Chefredakteur an. Dass die Redaktion in München nach dem glücklosen Wolfram Weimer 2012 damit konfrontiert wurde, dass sie schon wieder einen neuen Chef von außen bekommt, war die Reaktion bei vielen eher so mittel. Von Bild bringt Quoos Unterhaltungschef Gerald Selch mit. Deshalb vermuten nicht wenige Branchenbeobachter, dass sich der redaktionelle Schwerpunkt schrittweise nach Berlin verlagern könnte. Was Quoos beim Focus bewirken kann und wie er das Magazin künftig positioniert, wird gewiss eines der spannenden Themen im kommenden Medienjahr werden.

Aleksander Ruzicka – Chefredakteur hinter Gittern

Der wegen Untreue im Haft sitzende frühere Media-Manager Aleksander Ruzicka bastelt hinter Gittern an einer neuen Medien-Karriere. Er ist mittlerweile Chefredakteur der Gefangenenzeitung der Justizvollzugsanstalt Darmstadt-Eberstadt. Kann mal jemand eine Ausgabe rausschmuggeln, bitte?

Andreas Bartl – Ex-Programmierer

Im März verließ Andreas Bartl die ProSiebenSat.1 Media AG. Seit 1990 stand er in unterschiedlichsten Funktionen in Diensten des Münchner TV-Konzerns, galt als der beste Programmexperte des Hauses. Seine Nachfolger konnten bislang den Niedergang des Konzern-Sorgenkinds Sat.1 auch nicht stoppen. Bartl selbst machte sich mit einer eigenen Firma, Bartl Media, selbstständig, mit er neue TV-Formate entwickeln will. Bei P7S1 wird er mit seiner Expertise fehlen.

Christian Wulff – Ex-Präsident

Anfang 2012 schaukelte sich die Wulff-Affäre ihrem Höhepunkt entgegen. Am 17. Februar trat er dann als Bundespräsident zurück. Mittlerweile haben wir einen neuen (The Gauck), es wurden zwei Bücher zum Thema verfasst (eines von Wulffs Ehefrau Bettina, erinnert sich noch jemand?, eines von den Bild-Reportern Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch) und ein Henri Nannen Preis vergeben. Bild-Chef Kai Diekmann ließ aus dem berühmt gewordenen Anruf Wulffs auf seiner Mailbox (“Bin auf dem Weg zum Emir”) ein Kunstwerk anfertigen und der Focus rekonstruierte daraus wiederum den kompletten Original-Wortlaut des Anrufs. Zu dieser Affäre wurde 2012 wirklich hoffentlich alles gesagt. Von allen. Mehrmals.

Udo Foht – Silbereisens Pate

Im Januar hat der MDR mit seinem früheren Unterhaltungschef Udo Foht einen Vergleich geschlossen. Demnach schied Foht rückwirkend zum 31. Dezember 2011 aus dem Sender aus. Gegen Foht wird staatsanwaltschaftlich ermittelt, er soll von Geschäftspartnern des MDR Gelder für angebliche TV-Produktionen eingefordert haben, die dann auf dubiose Weise verschwunden sind. Die Rede ist von einem “System Foht”. Foht galt als mächtiger Strippenzieher beim MDR, war u.a. für zahlreiche Volksmusiksendungen, für die Talkshow “Riverboat” und für die TV-Übertragung des Medienpreises Bambi verantwortlich. Auch war er maßgeblich an der Karriere des Florian Silbereisen beteiligt. Was genau mit dem verschwundenen Geld passiert ist, ist bis heute unklar. Fortsetzung im Intriganten-Stadl ist garantiert.

Kim Schmitz – Kim Dotcom for President

Der ebenso berüchtigte wie beleibte Ex-Hacker Kim Schmitz wurde im Januar von US-Staatsanwälten in Neuseeland dingfest gemacht. Seine Filesharing-Plattform Megaupload.com wurde geschlossen. Angeblich 500 Mio. Dollar Schaden soll Schmitz damit der notleidenden Unterhaltungsindustrie zugefügt haben. Schmitz ficht das nicht an. Er stilisiert sich in der Sache lieber zum Vorkämpfer für Freiheit im Internet. Zum Beispiel mit lustigen Videos wie diesem hier:

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Bitte liebe Staatsanwälte, lasst den Kim laufen. Wir brauchen Knalltüten wie ihn!

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