Dapd verzichtet auf ihre AP-Lizenz

Publishing Die Nachrichtenagentur dapd verzichtet künftig auf ihre AP-Lizenz. Eine entsprechende Meldung von MEEDIA wurde am Freitag bestätigt. Die AP hatte den Lizenzvertrag mit dapd einseitig gekündigt, dagegen war dapd juristisch vorgegangen. Nun haben sich die beiden Agenturen doch außergerichtlich auf einen Vergleich geeinigt. Für den Deal verantwortlich ist Sachwalter Christian Köhler-Ma - Geschäftsführer Wolf von der Fecht wollte dagegen für den Erhalt der Lizenz kämpfen.

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MEEDIA liegt ein Gerichtsbeschluss vom 12. Dezember vor, in dem Alvin Hellerstein, Richter am US District Court, mitteilt: Die beiden Parteien haben sich geeinigt. Eine Einstweilige Verfügung, die AP daran hinderte, die Belieferung von dapd mit Texten und Bildern zu stoppen, wurde aufgehoben. Die für den 18. Dezember angesetzte Verhandlung wird gestrichen.
AP-Sprecher Paul Colford reagierte auf eine Anfrage von MEEDIA: "Der Streitfall wurde beigelegt." Einzelheiten zu der mutmaßlichen außergerichtlichen Einigung nannte Colford auch auf Nachfrage nicht. Es ist davon auszugehen, dass dapd für den Rückzug von AP eine finanzielle Kompensation erhält. Eine offizielle Bestätigung, dass eine Entschädigung an dapd fließt, gibt es nicht.

Ausgehandelt wurde der Vergleich nicht von dapd-Geschäftsführer Wolf von der Fecht, sondern von Christian Köhler-Ma, der vom Amtsgericht Charlottenburg als Sachwalter eingesetzt worden war. Köhler-Ma ist auch zum Insolvenzverwalter einer der insgesamt acht zahlungsunfähigen dapd-Firmen bestellt worden, der dapd nachrichtenagentur GmbH, für die eine Regelinsolvenz beschlossen wurde. Bei den anderen sieben Unternehmen wird eine Insolvenz in Eigenverwaltung durchgeführt.

Als Insolvenzverwalter hat Köhler-Ma nun den Vergleich mit AP gesucht, statt wie sein Kollege Fecht auf einen möglicherweise langwierigen Streit mit AP um die Lizenz zu setzen. Bis Ende Januar 2013 wird dapd noch mit Texten und Fotos von AP beliefert – dann ist Schluss. Die künftige Versorgung mit Auslandsnachrichten müsse nun ein noch zu findender Investor sicherstellen. Hier liefen "konstruktive" Gespräche. Köhler-Ma war bereits Insolvenzverwalter der dapd-Vorgängeragentur ddp – und kann sich womöglich vorstellen, dass sich die Agentur auch ohne die AP-Lizenz am Markt behaupten kann. Oder, negative Variante: Köhler-Ma rechnet sich ohnehin keine Zukunftschance mehr für dapd aus. Über die Entscheidung von Köhler-Ma soll Geschäftsführer Fecht nicht erbaut sein.
Kleine Rekapitulation der Ereignisse: Die Nachrichtenagentur dapd meldete am 2. Oktober Insolvenz an. Kurze Zeit darauf kündigte AP die Lizenz für die Belieferung mit Text und Fotos. Grund: Die Insolvenz sowie eine verspätete Zahlung von Lizenzgebühren an AP. Der Kündigung widersprach dapd-Geschäftsführer Wolf von der Fecht sofort – per Einstweiliger Verfügung. Die AP-Lizenz sei für dapd unverzichtbar. Ohne sie, stellte er in einem Brief an das Gericht fest, werde die Agentur nicht überleben.
AP hatte die Lizenz aber offenbar nicht nur wegen der Kalamitäten von dapd gekündigt, sondern auch, weil man in der Zwischenzeit einen Vertrag mit dapd-Konkurrent dpa ausgehandelt und unterschrieben hatte. Die ist vor allem auf die Lizenz zur Verbreitung von AP-Bildern in Deutschland, Österreich und der Schweiz scharf. Zuvor hatte AP-Chef Gary Pruitt allerdings noch mit Wolf von der Fecht und dapd-Eigentümer Peter Löw in New York verhandelt. Dapd wollte wegen der Insolvenz zumindest für eine kurze Zeit die Lizenzgebühren drücken – offenbar auf nur noch 100.000 Dollar im Monat. Zuvor hatten die Deutschen etwa das 2-3fache dieser Summe bezahlt. Während Fecht und Löw nach Hause flogen, offenbar in der Annahme, AP überzeugt zu haben, setzte der Partner flugs einen Vertrag mit dpa auf. Der Kooperation zwischen dpa und AP dürfte nun nichts mehr im Weg stehen.
Eine ganze Reihe von Kunden werden vermutlich ihre Zahlungen an dapd reduzieren, weil der Dienst ohne die AP-Inhalte weniger wert ist. Doch es ist davon auszugehen, dass hier jemand genau nachgerechnet hat. Im Hintergrund heißt es bei dapd schon jetzt: "Wir schaffen es auch ohne AP." das kann man Zweckoptimismus nennen.   

Am Rande: Nicht in der AP-Lizenzvereinbarung enthalten ist die Belieferung von dapd mit Videos von AP. Hier wurde seinerzeit ein Vertrag zwischen dapd und AP TN abgeschlossen, der allerdings zum Jahresende ausläuft und nach derzeitigem Stand nicht verlängert wird. Dies bedeutet, dass die Menge an Videos, die dapd an seine Kunden ausliefert, nach der weitgehenden Einstellung der eigenen Videoproduktion noch einmal schrumpft.

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