Apple & Co: die depressiven Techgiganten

Marc Andreessen spricht Klartext: Auf der Tech-Conference DealBook erklärte der frühere Netscape-Gründer, warum sich die Tech- und Internetbranche keinesfalls in einer Blase befindet, wie es noch vor dem Facebook-Börsengang aussah. Ganz in Gegenteil: Die Tech-Unternehmen würden von der Börse aktuell regelrecht "gehasst werden", erklärt Andreessen und macht das an den Bewertungen fest, die sich aktuell bewilligt werden würden. Sie seien so schlecht wie in den 70ern. Für den Nescape-Gründer eine Chance.

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Marc Andreessen spricht Klartext: Auf der Tech-Conference DealBook erklärte der frühere Netscape-Gründer, warum sich die Tech- und Internetbranche keinesfalls in einer Blase befindet, wie es noch vor dem Facebook-Börsengang aussah. Ganz in Gegenteil: Die  Tech-Unternehmen würden von der Börse aktuell regelrecht "gehasst werden", erklärt Andreessen und macht das an den Bewertungen fest, die sich aktuell bewilligt werden würden. Sie seien so schlecht wie in den 70ern. Für den Nescape-Gründer eine Chance.
Es mit der Bewertung so eine Sache. Apple, immerhin der wertvollste Konzern der Welt, ist in diesen Tagen so billig zu haben wie seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr, als Steve Jobs zurückkehrte. Das Kernkriterium an der Börse, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), ist für die vergangenen 12 Monate nunmehr auf unter einen Wert von 12 gefallen. 
Rechnet man den enormen Bargeldanteil von 124 Milliarden Dollar heraus, was in der fundamentalen Aktienanalyse üblich ist, reduziert sich Apples KGV auf 9. Der Durchschnittswert im marktbreiten S&P 500 Index liegt dagegen bei einem historischen KGV von 15. 
Andreessen: "Wir sind in einer Tech-Depresion"
Doch Apple ist kein Einzelfall. Microsoft? KGV 10. Intel? KGV 9. Dell? KGV 8. Hewlett-Packard? Nach den jüngsten dramatischen Wertberichtigungen ist HP an der Börse auf ein Zehnjahrestief abgestürzt – und mit ihm das KGV auf gerade mal 6. An der Wirtschaftspresse geht der Absturz der Multiplen indes  fast unbemerkt vorbei.
Nicht aber an Marc Andreessen. "Wir sind in einer Tech-Depression", entgegnete der frühere Netscape-Gründer am Mittwoch auf der Konferenz von DealBook entgeistert auf die Frage, ob sich die Branche noch in einer Blase befinde. Dieser Eindruck war zumindest im Internetsektor in den Monaten vor dem Facebook-IPO entstanden. Dann patzte das Social Network – und riss den gesamten Sektor mit nach unten. 
"Tech-Aktien werden aktuell gehandelt wie Stahlminen vor der Pleite"
Andere Social Media-Unternehmen wie Zynga und Groupon stürzten gnadenlos ab und verloren bis zu 90 Prozent ihres Börsenwertes. Auch die Start-up-Szene musste sich schlagartig auf neue Bedingungen einstellen. Finanzierungen durch Venture Capital-Firmen waren plötzlich schwerer zu bekommen.
Doch Andreessen, der selbst im Aufsichtsrat von Facebook sitzt, will das weltgrößte Social Network nicht für die Katerstimmung an der Börse verantwortlich machen – tatsächlich legte Facebook seit einem Monat auch wieder kräftig zu. "Wir bezahlen immer noch die Zeche für 2000. Das Vertrauen ist nicht da", erklärt Andreessen die bemerkenswerten Abschläge zu den Traditionsunternehmen der Weltwirtschaft. 
"Tech-Aktien werden aktuell gehandelt wie Stahlminen vor der Pleite", echauffiert sich der Web-Pionier. Für Procter & Gamble, Coca Cola oder Mc Donalds bewilligt der Markt dagegen etwa KGVs von 18 bis 20.
"Würde die Printausgabe der New York Times sofort einstellen"
Knapp auf dieses Niveau kommt immerhin Google. Für den Netscape-Gründer ist das trotzdem "lächerlich wenig. Die Anleger tun so, als ob Android, YouTube und Chrome keinen Wert haben", wundert sich Andreessen.  Immerhin konnte Google 2012 nach fünf Jahren wieder neue Allzeithochs erklimmen und ist inzwischen knapp vor Microsoft bereits das zweitwertvollste Tech-/Internet-Unternehmen der Welt.
Trotzdem befinde sich die Branche aktuell in einer Schockstarre, findet Andreessen. Der Partner der Beteiligungsgesellschaft Andreessen Horowitzt rät jungen Internet-Firmen daher von einem  Exit an der Börse "solange wie möglich" ab. Nur in einer Branche hält der Netscape-Gründer die depressive Stimmung für berechtigt – die Medienbranche. "Ich würde die Printausgabe der New York Times sofort einstellen", erklärt Andreessen Holzmedien den Tod. 

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