Frankfurter Rundschau: Bitte bieten Sie jetzt!

Publishing Als Interessenten für die insolvente Frankfurter Rundschau bleiben offenbar der Süddeutsche Verlag und die Frankfurter Societäts-Medien (u.a. Frankfurter Neue Presse) übrig. Die Münchner denken über eine Regionalausgabe der SZ nach. Die Frankfurter wiederum würden die FR vermutlich links liegen lassen, wenn die SZ kein Interesse hätte. Aber so müssen sie vermutlich auch ein Angebot abgeben, um einen Einstieg der SZ zu verhindern. In dieser Woche könnte bereits Einsendeschluss sein.

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"Die Investorengespräche laufen auf Hochtouren", heißt es aus der Kanzlei des Insolvenzverwalters Frank Schmitt, Schultze & Braun. Die mutmaßlichen Interessenten könnten nicht unterschiedlicher sein. Der Münchner Verlag wittert offenbar die Chance, zu einem vergleichsweise günstigen Preis an eine eingeführte Marke zu kommen. Kräftig gespart wurde bei der FR seit Jahren, nun sind die Bedingungen für einen Einstieg günstig. Die SZ könnte den Mantel beisteuern, der Regional- und Lokalteil wird angepasst – fertig ist eine vermutlich sogar profitable Regionalausgabe der FR. Federführend beim Süddeutschen Verlag soll dem Vernehmen nach Verlagsleiter Stefan Rohr sein. Der war in selber Funktion bis 2004 bei der Frankfurter Rundschau beschäftigt.

Ganz anders ist die Interessenlage bei dem Frankfurter Verlag, der u.a. die Frankfurter Neue Presse herausgibt und dessen Schwester die FAZ GmbH ist. Beide Unternehmen befinden sich im Mehrheitsbesitz der FAZIT-Stiftung. Die Neue Presse braucht die FR nicht unbedingt, muss aber auch möglichst vermeiden, dass die Rundschau mit einer noch stärkeren regionalen Positionierung von ihrem (Werbe-)Geschäft etwas wegnimmt. Das Interesse von Geschäftsführer Hans Homrighausen dürfte also sein, den Markt dichtzumachen, wie es so schön heißt.

FR-Insolvenzverwalter Schmitt soll die Angebote in Kürze erwarten. Als Favoriten für die Übernahme sehen gut informierte Beobachter den Süddeutschen Verlag. Horizont und Focus hatten bereits ähnlich lautende Informationen veröffentlicht. Ob SV und FS-Medien auch für die Druckerei der Frankfurter Rundschau ein Angebot abgeben, ist unklar. Wahrscheinlich ist, dass diese von der Zeitung abgetrennt und separat verkauft wird. Druckereien stehen derzeit nicht unbedingt hoch im Kurs, doch die FR-Druckerei in Neu-Isenburg hat noch einige lukrative Druckaufträge, u.a. von Springer. Auch bei diesem Unternehmensteil wäre es im Sinne der Frankfurter Societäts GmbH, zu der ebenfalls eine große Druckerei gehört, wenn die Aufträge an sie übergingen, ohne dass dafür Geld fließen muss. 

Weder SV noch FS-Medien wollten sich gegenüber MEEDIA zum aktuellen Stand der Verhandlungen äußern. Bis Ende des Jahres muss eine Entscheidung gefallen sein, da der FR sonst die liquiden Mittel ausgehen. 

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