Steinbrück entdeckt nun doch Twitter

Publishing Alles für die Kanzlerschaft: Kurz vor der Kür zum Kanzlerkandidaten der SPD wird Peer Steinbrück zum Wendehals – der stolze Twitter-Verweigerer teilt sich Samstag nun doch über den 140 Zeichen-Dienst mit. Recht verhalten kündigt der 65-Jährige an, dass er nun auch "auf Twitter" sei. Mittwoch will sich der Merkel-Herausforderer erstmals auf dem beliebten Kommunikationskanal "Im Twitterview" in den Sozialen Medien Fragen stellen. Die Facebook-Präsenz wird dagegen weiter von seinem Wahlkampfteam gepflegt.

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Selbst Nico Lumma schien verwundert: "hell freezes over", twitterte das Social Media-Urgestein und bekennende SPD-Mitglied, "@peersteinbrueck will so sehr Kanzler werden, dass er jetzt auch auf Twitter verfügbar ist."

Eine Überraschung ist das tatsächlich, galt der knorrige Hanseat Steinbrück bislang doch als stolzer Social Media-Verweigerer: "Ich twittere nicht. Facebook machen meine Mitarbeiter", hatte der 65-Jährige noch im Anfang Oktober kurz nach der Bekanntgabe seiner Kanzlerkandidatur in bekannter Schnoddrigkeit verkündet.

Auf Social Media wollte sich der ehemalige Finanzminister lieber nicht einlassen, wie er noch vor rund zwei Monaten beim "UdL Digital Talk" deutlich machte. Es mache keinen Sinn, in eine Welt zu treten, in der er nicht authentisch sein könne, so Steinbrück auf dem Podium. Warum man ihm den twitternden Politiker nicht abnehmen würde? "Weil die meisten Leute sagen würden, das tut er jetzt nur, weil da ein magisches Datum im September nächsten Jahres ist", erklärte Steinbrück seinerzeit.

Wendehals Steinbrück: "Nun bin auch ich auf Twitter"

Zehn Wochen später scheint Steinbrück in bester Kanzlermanier "das Geschwätz von gestern" nicht mehr zu interessieren. Vielleicht hat es auch andere Gründe:  Der designierte Kanzlerkandidat legte mit seiner monatelangen Hängepartie um Rede-Honorare einen veritablen Fehlstart als Merkel-Herausforderer hin. Pünktlich zur Kandidatenkür versucht Steinbrück nun offenbar noch mal an seinem Profil zu feilen und sich volksnäher zu geben – auf ins Social Web also.   

Um 20.40 Uhr am Samstag parallel zu "Wetten, dass…" tauchte bei Twitter unter dem Account @peersteinbrueck plötzlich dieser Tweet auf: "Hallo zusammen! Nun bin auch ich auf Twitter", teilte der designierte Kanzlerkandidat einen Tag vor seiner Kür in Hannover mit. Flexibilität war eben immer schon eine Politikertugend.

Steinbrücks Twitter-Angebot: "Wir können’s miteinander probieren"

Und für diese Woche versprach Steinbrück noch mehr: "Im Twitterview am 12.Dezember (10-11 Uhr) können wir’s miteinander probieren: ‪#fragpeer (PS)", teilte der frühere Bundesfinanzminister mit. Steinbrück also auf Spuren von SPD-Chef Gabriel, der sich im Sommer während seiner Elternzeit fast obsessiv über den 140-Zeichen-Dienst mitteilte?

Eher nicht: "Hier twittert das Team von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück – und ab und zu er selbst", gibt der Merkel-Herausforder immerhin auf seinem Twitter-Account zu.

Große Kandidaten-Inszenierung auf Facebook

Auf seiner Facebook-Seite, die bis vor Monaten noch ziemlich verwaist war, tut sich plötzlich etwas im Stundentakt. "Hier finden Sie aktuelle Nachrichten, Informationen und Videos zu Peer Steinbrück. Die Seite wird durch das Team von Peer Steinbrück bearbeitet", wird die Abwesenheit des Kandidaten offiziell zugeben.

Dafür wurde seine Kür in bester Social Media-Manier ins Facebook-Zeitalter übertragen: Großformatige Steinbrück-Aufmacher mit Zitathäppchen, die Rede auf YouTube und natürlich Wohlfühlmomente-Backstage mit Altkanzler Schmidt. Der Wahlkampf, so scheint es, wird im kommenden Jahr nun doch im Social Web geführt.

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