Die vielen Feinde des YouPorn-Königs

Publishing Er ist der Mark Zuckerberg der Porno-Industrie. Innerhalb weniger Jahre schuf Fabian Thylmann ein Imperium, das seinesgleichen sucht. Mit der Kostenlos-Plattform YouPorn krempelte der gebürtige Aachener die Industrie um, mit Werbeeinnahmen auf einigen der meistbesuchten Seiten der Welt macht sein Unternehmen Millionen. Nun wurde der 34-Jährige wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in Auslieferungshaft genommen. Wie konnte es dazu kommen?

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Um zu verstehen, wie erfolgreich Thylmann und seine Firma Manwin eigentlich sind, muss man nur einen Blick auf die Zahlen werfen. So sollen zwei seiner Seiten, YouPorn und Pornhub, allein im Juli rund 5,5 Milliarden Pageviews erzielt haben. Die Wikipedia hatte in demselben Zeitraum nur geringfügig mehr (6,3 Milliarden). Seine anderen Seiten, XTube, MyDirtyHobby und Extremetube, laufen nicht weniger erfolgreich. Insgesamt, so erklärte der sonst recht medienscheue Unternehmer im Interview mit der Financial Times Deutschland, kämen seine Seiten auf rund 16 Milliarden Abrufe – pro Monat.

Seine Manwin-Holding setze einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag um, sagte der Mittdreißiger, der ursprünglich Programmierer war und das Unternehmen 2007 gründete. Operativ schreibe das Unternehmen, das rund 1000 Mitarbeiter in verschiedenen Ländern beschäftigen soll, schwarze Zahlen. Die Erlöse kommen aus einem Mix aus Onlinewerbung auf Kostenlos-Portalen und dem Geld aus kostenpflichtigen Angeboten. "Etwa jeder tausendste Besucher greift auf Bezahlinhalte zurück”, erklärte Thylmann damals der FTD. “Das ist nicht viel, aber es kommt was dabei rum. Die Leute geben noch Geld aus, man muss ihnen nur zeigen, was sie wirklich haben wollen."

Geld von der Wall Street
Hinzu kommt die Online- und TV-Vermarktung von Inhalten für den Playboy, deren Lizenznehmer Thylmann ist. Die 35 Unternehmen der Manwin-Holding sind über Luxemburg, Deutschland, Kanada, Zypern, USA und Irland hinweg verstreut. Thylmann selbst wohnt in der Nähe von Brüssel.

Am Montag nahm die belgische Polizei den 34-Jährigen fest. Nicht wegen Urheberrechtsverletzungen, sondern wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung.  Bereits am Dienstag vergangener Woche sollen Beamte der Steuerfahndung Koblenz und der Polizei die Büroräume eines Hamburger Ablegers von Thylmanns internationaler Firmengruppe durchsucht haben. Bei der Manwin Germany GmbH wurden zahlreiche Computer und Dokumente beschlagnahmt.

Die Geldflüsse einer weltweit agierenden Holding zu analyisieren, dürfte nun zu einer Mammutaufgabe für die deutschen Steuerfahnder werden. Aber wie konnte ein Unternehmen so schnell wachsen? Das Geld für die rasche Expansion in den vergangenen Jahren soll unter anderem aus einem 362-Millionen-Dollar-Kredit stammen, berichtete die FTD. Das Geld soll ein Wall-Street-Fonds beigesteuert haben. Welcher es ist, wollte Thylmann nicht preisgeben. Das Geld sei dazu genutzt worden, Kredite für frühere Akquisitionen zu tilgen und neue Zukäufe zu finanzieren.

Erst nehmen, dann fragen
Mit diesem rasanten Wachstum hat sich der König des Internetpornos viele Feinde in der Branche gemacht. Durch die massenhafte Bereitstellung von kostenloser Pornographie habe er die Inhalte abgewertet, lautet die Kritik vieler. Der modus operandi war dabei fast immer derselbe: Waren genug Clips eines Porn-Labels ohne Genehmigung verfügbar auf YouPorn, hätte Manwin bei den betroffenen Produktionsfirmen angefragt, ob sie nicht einfach ihre Inhalte lizenzieren wollen.
Auch unter Performern in der Branche wuchs der Unmut über das Quasi-Monopol Thylmanns. 2011 kaufte er den Branchenriesen Digital Playground auf, kommunizierte den Deal aber erst ein knappes halbes Jahr später. Lediglich die Schecks wechselten den Empfänger.

Welt am Sonntag veröffentlichte im September einen Artikel, in dem es unter anderem hieß, Manwin sei "ein Fall für die Steuerfahndung". Thylmann erwirkte eine Unterlassungsverfügung gegen die Zeitung, der Artikel ist seitdem nicht mehr verfügbar. Von 50 abgemahnten Punkten habe das Landgericht Düsseldorf 18 stattgegeben, hieß es im Welt-Investigativ-Blog. Gegen die Einstweilige Verfügung legte die Zeitung des Springer-Konzerns Widerspruch ein.
Die Manwin-Holding wird nun vorerst ohne Thylmann auskommen müssen. Und doch schien es unvermeidbar, dass der unangefochtene König des Internetpornos mit dem Gesetz kollidiert. Zu aggressiv war sein Vorgehen in einer Branche, die der 34-Jährige innerhalb weniger Jahre nach seinem Gutdünken formte. Zu groß die Zahl derer, die ein Monopol fürchteten. Woher die Steuerfahnder die Informationen haben, die nun zur Verhaftung führten, ist unklar. Fakt ist: Feinde hat Thylmann wahrlich genug.

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