Andrew Gowers wütend auf Handelsblatt-Chef

Publishing FTD-Gründungschefredakteur Andrew Gowers will nach MEEDIA-Informationen nie wieder für das Handelsblatt schreiben. Ausgerechnet am ersten FTD-"losen" Tag erschien am Montag im Handelsblatt ein Meinungsstück von Gowers. HB-Chef Gabor Steingart kündigte Ende vergangener Woche an, Gowers werde "künftig bei uns schreiben". Gowers soll über diese Eigenwerbung not amused sein. Irreführend und geschmacklos seien die Äußerungen, soll der langjährige FT-Mann gegenüber ehemaligen Mitstreitern gesagt haben.

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Er habe Steingart eine Nachricht zukommen lassen, er werde niemals eine Kolumne für dessen "untergehende Scheiß-Zeitung" schreiben, soll Gowers sich wortwörtlich ("his shit, declining newspaper") aufgeregt haben. Bereits kurz nach der Ankündigung Steingarts, Gowers gehöre künftig zu den Autoren des Handelsblatts, hatten den Briten offenbar einige Anfragen ehemaliger FTD-Kollegen erreicht, ob das denn stimme. Ein einziges Meinungsstück über Großbritannien und Europa habe er auf Anfrage von Torsten Riecke, dem Meinungschef des Handelsblatts, geschrieben. Das Thema liege ihm am Herzen, darum habe er zugesagt.

Dass Gowers, der die FTD mit aufgebaut hat, gleichzeitig mit der Einstellung der Zeitung vor den PR-Karren des Wettbewerbers Handelsblatt gespannt werden soll, ist dem Briten spürbar unangenehm. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk hatte Steingart gesagt: "Ich telefoniere in diesen Tagen viel – und meine Kollegen tun das auch – mit Kolumnisten und Kommentatoren der Financial Times, die wir gerne in unserer Zeitung fortführen wollen. Also wir wollen eine Handreichung machen und wollen die Vielfalt, wo immer möglich, erhalten. Andrew Gowers, der Gründungschefredakteur, wird künftig bei uns schreiben." Auch Christoph Keese, Gowers ehemaligen Vize und späteren Chefredakteur, nannte Steingart im Deutschlandfunk als Autoren. Auch dieser hat bisher nur für einen Gastbeitrag zugesagt, teilte er auf Anfrage mit.

Torsten Riecke sagte gegenüber MEEDIA, er habe Gowers in der vergangenen Woche gefragt, ob er nicht gelegentlich für das Handelsblatt schreiben wolle. Dieses Angebot habe Gowers nicht abgelehnt, sondern gesagt, er wolle sich darüber Gedanken machen und gegebenenfalls mit seinem Arbeitgeber darüber sprechen. Eine Zu- oder Absage habe es von Gowers‘ Seite danach nicht mehr gegeben.

In einem Sonder-Editorial auf der Titelseite des Handelsblatt warb Steingart am Montag ebenfalls mit Gowers‘ Namen. Er spreche mit den "führenden Kommentatoren" der FTD und biete ihnen eine "neue geistige Heimat". Den Anfang mache nun Andrew Gowers. Steingart: "Ich freue mich sehr auf das neue Miteinander." Die Abo-Datei der FTD hat die Verlagsgruppe Handelsblatt bereits erworben, jetzt müssen die FTD-Abonnenten umgarnt werden. Ob die Umarmungstaktik des Handelsblatt-Chefs bei diesen gut ankommt, wird sich zeigen. Beim Ex-Chef der am Freitag eingestellten Zeitung ging die Strategie offensichtlich nach hinten los.

Gowers war bis Mitte 2001 Chef der deutschen FT, die im Februar 2000 erstmals erschien. Von Hamburg ging es für ihn an die Spitze des Mutterblatts in London. Diesen Posten verließ er 2005, um anschließend PR für Lehman Brothers und BP zu machen. Im März dieses Jahres wurde Gowers zum PR-Chef der Association for Financial Markets in Europe ernannt.

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