Presserat: Rügen für Bild.de und TZ

Publishing In der aktuellen Sitzungsperiode hat der ganz große Aufreger gefehlt. Trotzdem gab es auch diesmal wieder einiges für den Presserat zu tun. Die Medienwächter sprachen insgesamt drei öffentliche und eine nicht-öffentliche Rüge aus. So missfiel den Prüfern die Berichterstattung von Bild.de über einen Jagdunfall und die taz.de-Kolumne „Der Ausländerschutzbeauftragte“. Der Text beschäftigte sich mit Thilo Sarrazin und verletzte nach Meinung des Presserates die Menschenwürde des Ex-Finanzsenatoren.

Werbeanzeige

Insgesamt beschwerten sich 25 Leser über das Stück, das in der Online-Ausgabe des taz erschienen war. In der Kolumne hieß es, dass man "Thilo S." nur wünschen könne, "der nächste Schlaganfall möge sein Werk gründlicher verrichten". Die Medienwächter halten es allerdings für unvereinbar mit der Menschenwürde, jemandem eine schwere Krankheit oder Schlimmeres zu wünschen. Sie meinen, dass das Stück über eine kritische Meinungsäußerung weit hinaus gehe. Deshalb sprach der Presserat eine Missbilligung aus.
Bild.de kassierte dagegen eine nicht-öffentliche Rüge. Versehendlich hatte ein Jäger einen Mann erschossen, weil er ihn für ein Wildschwein gehalten hatte. Der Beitrag, den das Boulevard-Portal daraufhin online stellte enthielt ein Foto des Opfers. "Der Ausschuss sah darin einen schweren Verstoß gegen Ziffer 8, Richtlinie 8.1, Absatz 2 des Pressekodex. Danach ist die Identität der Opfer von Unglücksfällen besonders zu schützen. Das Foto des Mannes hätte nicht gezeigt werden dürfen", heißt es in der Begründung der Medienwächter.
Auch die TZ wurde für eine Opferdarstellung gerügt – diesmal allerdings öffentlich. In München hatte ein Mann seine Ex-Freundin erstochen. Die Zeitung nannte in ihrem Bericht Vorname, Adresse, Beruf und Herkunft des Opfers und zeigte sein Foto. Der Presserat erkannte darin "einen schweren Verstoß gegen seine Persönlichkeitsrechte". Zudem soll die identifizierende Darstellung die Persönlichkeitsrechte des Täters verletzt haben.
Gleich doppelt daneben lag die Wetzlarer Neue Zeitung. Die Hessen hatten nach einem Autounfall eines ehemaligen Handball-Nationalspielers fälschlicherweise berichtet, dass dieser zu Tode gekommen sei. Einen Tag später ruderte die Zeitung zurück und korrigierte sich: Der Ex-Handballer hätte den Unfall überlebt, aber schwere Hirnverletzungen erlitten. Die zweite Version war allerdings auch falsch. "Der Presserat sah in diesem Fall einen schweren Verstoß gegen die Ziffer 2 des Pressekodex. Nach Ziffer 2 haben Journalisten Informationen sorgfältig auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen."
Zudem sprach der Presserat noch eine Rüge gegen die Online-Ausgabe des Münchner Merkurs wegen Schleichwerbung aus. Die Medienwächter hätten sogar noch häufiger aktiv werden können. So heißt es in er Stellungnahme, dass fünf weiter Fälle begründet gewesen wären. "Auf eine Maßnahme wurde jedoch verzichtet, weil die Redaktion auf den ethischen Fehler angemessen reagiert hatte".

Anmerkung:
In einer früheren Version dieses Textes stand fälschlicherweise, dass die taz eine Rüge kassiert hätte. Das war falsch und wurde korrigiert.

Mehr zum Thema

Wie InTouch vorzeitig den Schleier der “Bachelor”-Braut lüftete

Mit Sun, FT und Wall Street Journal: Springers “Bezahlgipfel”

Cover-Check: Spiegel punktet mit Videospiele-Titel am Kiosk

Kommentare