Economist macht Zeitungsbranche Hoffnung

Publishing Während in weiten Teilen der Medienbranche über die Zeitungskrise, bzw. das Zeitungssterben debattiert wird, schwimmt der britische Economist gegen den Strom und macht in seiner neuen Ausgabe der gebeutelten Branche ein kleines bisschen Hoffnung. Besonders in den USA gebe es leichte Anzeichen für eine Besserung. Die Auflagen würden sich langsam stabilisieren, die Aktienkurse von großen Zeitungskonzernen steigen wieder und die Abhängigkeit von Werbung sinkt.

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Besonders ermutigend findet der Economist, dass bei der New York Times 2012 die steigenden Vertriebserlöse erstmals seit fünf Jahren die zurückgehenden Werbe-Erlöse überkompensieren. In den ersten neun Monaten habe die NYT die Vertriebserlöse um 55 Mio. Dollar auf 695 Mio. Dollar gesteigert. Die Werbe-Erlöse im selben Zeitraum seien aber “nur” um 47 Mio. Dollar gefallen. Was der Economist freilich weglässt ist die eher beunruhigende Tatsache, dass auch die Online-Werbeerlöse der NYT seit Einführung der Paywall zurückgehen. Im 1. Quartal 2012 sind die digitalen Werbeerlöse dort um zwei Prozent gesunken. In den Vorjahren waren diese noch jeweils um 18 und 10 Prozent gestiegen.

Die insgesamt leicht positiven Signale zeigen auf den Aktienmärkten bereits Wirkung. So ist in den vergangenen sechs Monaten der Aktienkurs der New York Times um 37 Prozent gestiegen, der der Großverlage Gannett und McClatchy um 34, bzw. 24 Prozent. Beim Großverlag Hearst seien die Gewinne der Zeitungs-Sparte um 25 Prozent nach oben geklettert. Der Economist weist außerdem darauf hin, dass US-Investor Warren Buffett jüngst eine ganze Reihe Lokalzeitungen aufgekauft hat. Dies sei eine Wette darauf, dass Zeitungen mit starken Marken und keinen Wettbewerbern in Kleinstädten für Inhalte Geld verlangen und profitabel arbeiten können, meint der Economist.

Die britische Zeitschrift erklärt die Paywall zum globalen Trend. Egal ob  USA, Deutschland oder Brasilien – überall würden bei Zeitungen immer mehr Paywalls hochgezogen. Gründe, warum Paywalls heute bessere Chancen als hätten als früher, gibt es laut Economist mehrere: Die Technik sei besser und billiger geworden, Tablets machten Digital-Abos attraktiver, Bündelungen von Print und Digital-Abos seien gute Angebote für Leser, bei “Metered Paywalls” nach dem NYT-Vorbild (Nutzer können eine bestimmte Anzahl Artikel gratis lesen, wer mehr will muss zahlen), würden die Zeitungen in Social Networks sichtbar bleiben lassen und die Traffic-Verluste würden lediglich um die 20 Prozent betragen. So hat es jedenfalls die Investment Bank JP Morgan ausgerechnet.

Trotzdem: Auch der Economist schreibt, dass es bei allen Hoffnungszeichen für Zeitungsverlage schwierig bleibt. Vor allem Blätter in gesättigten Märkten würden sich weiter schwertun. Die Zeitschrift verweist auf auf die gerade erfolgte Einstellung der Financial Times Deutschland und die ungewisse Zukunft der Zeitungs-Sparte von Rupert Murdochs Medienimperium. Auch sei es noch zu früh, für ein finales Urteil über Erfolg oder Misserfolg von Paywalls. Für eine echte Trendwende, müsste sich dann doch auch das Geschäft mit der Werbung erholen. Trotz aller Hoffnung: Die Ungewissheit bleibt vorerst die einzig echte Konstante im Geschäft mit gedruckten Nachrichten.

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