Die versteckten Perlen der FTD-Endausgabe

Publishing Die letzte Ausgabe der Financial Times Deutschland hat nicht nur ein wunderbares Wimmelbild vorzuweisen. Sie ist selber eine Art Wimmelzeitung. An allen Ecken und Enden finden sich witzige Anspielungen und Insights. Was nach Meinung der Redaktion verschwinden kann, wie "Verlagshansel" in die Redaktionskonferenz stolpern, wie sich die Macher eine Schlecker-Anzeige bastelten und was das Handelsblatt gegen ein Mousepad einzuwenden hatte. MEEDIA hat die schönsten Fundstücke gesammelt.

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– In einer langen Liste "Was mit uns verschwinden kann" ist neben Dingen (Aperol Spritz, Feigwarzen, Karohemden) und Personen (Philipp Rösler, Claudia Roth, Angela Merkel) auch der Begriff "Zentralredaktionen" aufgeführt
– Unter "Was bitte bleiben soll" sind u.a. aufgelistet: Zeitungen auf Papier, Angela Merkel, Unerwäsche, Claudia Roth. Rösler ist in dieser Liste nicht zu finden
– Fünfmal hat die FTD Wahlempfehlungen ausgesprochen, davon jeweils zweimal für die FDP und die Union, einmal für die Grünen, zur Europawahl 2009
– 59 Printartikel führten in den vergangenen vier Jahren zu juristischen Auseinandersetzungen. Die Justiziare der Zeitung erinnern sich an die heiklen Fälle. Beispiele: So kroch in einer Ausgabe die Raupe Nimmersatt mit einem Eurozeichen über die Seite. Die Zustimmung des Urhebers lag aber nicht vor. Der Beitrag ist mit einem zerbeulten VW-Logo illustriert, das nie gedruckt wurde. Die Rechtsabteilung hatte Bedenken. Nun haben die Grafiker das Bild aus der Giftkammer geholt und zeigen es endlich: "Liebe Verantwortliche bei Volkswagen, verklagen Sie uns nicht!"
– Auf einer Seite protokolliert die Redaktion eine der großen Redaktionskonferenzen. Da ist Folgendes zu lesen: "Die Tür fliegt auf, Auftritt Verlagshansel. Verlagshansel: Oh, Entschuldigung. Ist das hier das Meeting zur Auslotung des Marktpotentials von digitalen Medien? Weigel (stv. Chefredakteur): Das wude auf nächstes Jahr verschoben. Verlagshansel ab."
– Die Seitenzahlen der Zeitung werden zurückgezählt: noch 36, noch 25, noch 16, usw.
– Neben richtigen Anzeigen (u.a. Telekom, Helaba, Commerzbank) gibt es drei Anzeigen, die ausgedacht sind. Von Schlecker ("Liebe FTD, ich helfe gern beim Einpacken!") und Lehman Brothers ("Was sind schon 250.000.000 Euro?"). Und von CargoLifter: "Burn after reading". Zu sehen ist ein brennender Zeppelin mit dem Logo der Zeitung
– Die Tricks, mit denen Redakteure Geschichten ins Blatt brachten, die der Chefredakteur eigentlich irrelevant fand: Einen Dax-Konzern in den Text reinschreiben oder etwas zum Trend erklären. "Mit wummernden Sätzen" wären geschichten "fast automatisch" in der Zeitung gelandet.
– Das Handelsblatt hatte 1999 offenbar Angst vor der neuen Konkurrenz. Kurz vor Erscheinen der ersten Ausgabe hätte man geklagt, wo es ging. Beispiel: Ein Mousepad mit der Aufschrift "Das Ende der Trockenheit" wurde wegen "Herabwürdigung des Wettbewerbers" verboten.
– In einer Vorausschau auf 2013 prognostizieren die Autoren, dass die Titanic die FTD als digitale Tageszeitung wiederbelebt und gleich schwarze Zahlen schreibt. Das Satireblatt erwäge, auch Brigitte und Stern zu übernehmen
– In Anspielung auf die Lifestyle-Beilage "How to spend it" schlagzeilt die Redaktion über einer Collage von diversen Gegenständen (Messer, Peitsche, Champagner): How to end it 

Haben Sie noch mehr Anspielungen entdeckt? Schreiben Sie uns.

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