Analyse: der typische Focus-Online-Nutzer

Publishing In Teil 6 unserer Serie über die Leser großer deutscher Nachrichten-Websites haben wir berichtet, dass Welt.de-Nutzer tatsächlich oft über Suchmaschinen auf die Seite kommen. Eine andere Website, der nachgesagt wird, viel Traffic mit Google-Optimierung zu machen, ist Focus Online. Anhand der Nutzerzahlen der Homepage und der Ressorts gehen wir dieser Spekulation nach. Außerdem: In welchen Altersgruppen ist Focus Online stark, in welchen Bildungsschichten - und wofür interessieren sich die Leser?

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52,0 Mio. Visits verzeichnete die IVW im Oktober für Focus Online und die Beiboote wie finanzen100.de, außerdem 250,9 Mio. Page Impressions, von denen 247,4 Mio. mit redaktionellem Content erreicht wurden. Die AGOF ermittelte für den durchschnittlichen Monat von Juli bis September 9,28 Mio. Unique User – die drittbeste Zahl deutscher Nachrichten-Websites hinter Bild.de und Spiegel Online. Diese im Markt anerkannten Zahlen der IVW und AGOF sind die Grundlage unserer Betrachtungen. Die Links zu den Teilen 1 bis 5 unserer Serie, in der wie die Leserschaften von Spiegel Online, Bild.de, Zeit Online, Süddeutsche.de und der Welt analysierten, finden Sie wegen der besseren Übersicht unter diesem Artikel.

Der Blick auf die Seitenabrufe bei Focus Online liefert erste Indizien dafür, dass die Website tatsächlich viele Nutzer über Suchmaschinen anlockt. Denn: Die Homepage ist nur für 31,1 Mio. der über 250 Mio. PIs verantwortlich – und damit für weniger als die IVW-Rubriken Nachrichten (54,0 Mio.), Wirtschaft/Finanzen (47,0 Mio.) und Entertainment und Lifestyle (39,9 Mio.). Genauere Zahlen liefert die AGOF, die für jedes Focus-Online-Ressort, bzw. für jede für die Vermarktung relevante Belegungseinheit eigene Nutzerzahlen liefert. Das Ergebnis: Die Homepage sehen nur 1,11 Mio. der 9,28 Mio. Focus-Online-Nutzer – ein überraschend geringer Teil. Der Rest der Leser kommt direkt über Google, aber auch Social Networks wie Facebook oder Twitter auf Artikel oder Rubriken. Die Focus-Online-Homepage damit so erfolglos wie keine andere der fünf Angebote, die wir bisher untersucht haben.

Interessant ist auch der Blick auf die erfolgreichsten Ressorts. Wie bei Bild.de, Spiegel Online und der Welt ist auch bei Focus Online der Boulevard (Panorama) das stärkste Ressort. 2,06 Mio. Unique User, also unterschiedliche Besucher, verzeichnet es pro Monat. Direkt dahinter folgt mit 1,96 Mio. das Ressort Finanzen – ein im Vergleich zur Konkurrenz überdurchschnittlich hoher Wert, der auch nicht nur wegen des Beibootes finanzen100 zustande kommt. Das erreicht nämlich nur 0,38 Mio. Unique User. Ebenfalls stark ist Focus Online mit den Themen Gesundheit und Digital, die mit 1,38 Mio. und 1,35 Mio. Nutzern hinter Sport und Politik die Ränge 5 und 6 belegen.

Kommen wir zu den Lesern selbst. Erste Auffälligkeit: Die Focus-Online-Nutzerschaft ist weiblicher als die von Bild, Spiegel, Welt, Süddeutsche und Zeit. 55,9% der Nutzer sind Männer, 44,1% Frauen. Das Verhältnis ist damit zwar ebenfalls männlicher als bei der Gesamt-Internet-Nutzerschaft (laut AGOF 52,4% zu 47,6%), aber eben weiblicher als bei den bisher betrachteten Konkurrenten. Der Erfolg des Gesundheits-Ressorts könnte hier ein Faktor sein. 

Bei der Altersstruktur gibt es einen Peak bei den Teenies und einen den Über-60-Jährigen. Bei den 20- bis 39-Jährigen ist Focus Online eher unterdurchschnittlich erfolgreich, bei den 40- bis 59-Jährigen liegt man im Mittelmaß. 12,3% der Focus-Online-Nutzer sind zwischen 14 und 19 Jahre alt – einen größeren Anteil hat diese Altersgruppe in der Top 15 der News-Websites nur bei Bild.de, RP Online und DerWesten. Bei den Über-60-Jährigen kommt der Focus auf 10,1% – hier sind nur das Handelsblatt und die Berliner Morgenpost stärker.

In Sachen Bildung kann Focus Online nicht den meisten anderen Konkurrenten mithalten. So haben nur 44,0% mindestens Abitur – weniger als bei Zeit, Spiegel, Süddeutsche und Welt, aber immerhin mehr als bei Bild.de. Während das Angebot bei den Menschen, die sich noch in Ausbildung befinden, also z.B. Schüler und Studenten in etwa ähnlich erfolgreich ist wie Spiegel und Welt, aber nicht mit Süddeutsche und Zeit mithalten kann, ist man bei den Nutzern, die berufstätig sind vergleichsweise schwächer als ein Großteil der Konkurrenz. 14,8% der Focus-Online-Nutzer sind Rentner oder arbeitslos – das ist der größte Teil unter den Top-15-Angeboten. Bei der Einkommensstruktur erreicht Focus Online fast identische Zahlen wie Die Welt: 37,3% der Focus-Nutzer verfügen über ein Haushaltsnettoeinkommen von über 3.000 Euro – weniger als bei Spiegel, Süddeutsche und Zeit, aber mehr als bei Bild.de.

Das etwas plakative Fazit: Der Focus-Online-Nutzer ist weiblicher als der der Konkurrenz, er ist etwas älter als der von Spiegel, Bild, Süddeutsche & Co., zudem etwas schlechter gebildet und etwas schwächer mit Geld ausgestattet. Er kommt wie der Welt.de-Nutzer oft über Suchmaschinen auf die Website, interessiert sich dort vor allem für Boulevard-Inhalte, überdurchschnittlich stark aber auch für die Themen Finanzen, Gesundheit und Digital.

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