„Taliban“-Vergleich: Keese rudert zurück

Publishing Der CEO und sein „Außenminister“ formulierten überaus hart gegen Google: Vorstandschef Mathias Döpfner sprach von einer „Hehlerbande“ und Konzerngeschäftsführer Christoph Keese, der zudem für die Verlegerverbände für ein Leistungsschutzrecht kämpft, wurde von Horizont mit den Satz zitiert, dass die Suchmaschine eine „Art Taliban“ sei. Jetzt rudert Keese zurück. In seinem Blog postet er: „Nein, Google ist kein Taliban. Und ich möchte Google auch nicht mit einem amerikanischen Kriegsgegner gleichsetzen.“

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Weiter schreibt er: "Die Formulierung ist unglücklich gewählt, und wenn sie jemanden verletzt hat, tut es mir leid. Ihr Kontext wird deutlich, wenn man den entsprechenden Teil des Interviews liest. Dann wird klar, dass es um ein technisches Detail von Rechtesprachen geht."

Tatsächlich beruft sich der Springer-Manager darauf, von dem Mediendienst verkürzt wiedergeben zu sein. Statt der veröffentlichten Version hätte er gesagt, dass Google nur in einem Punkt wie eine "Art Taliban" sei. Keese hält das nicht für besonders fair, will sich aber auch nicht beschweren. "’Taliban‘ ist der falsche Ausdruck. Gemeint habe ich ’starr‘ oder ‚orthodox‘. Weder gesagt noch gemeint habe ich aber, dass Google ein fundamentalistischer Glaubenskrieger ist."

Die Relativierung kommt zu einem geschickten Zeitpunkt. Immerhin sitzt Keese ab 17 Uhr mit Kay Oberbeck, dem Konzernsprecher von Google, auf einem Podium. Über das „Taliban“-Zitat wäre der Kommunikationsprofi wohl wenig erfreut gewesen.

Allerdings dürfte Google sowieso nicht sonderlich glücklich sein. Denn von seiner grundsätzlichen Kritik ist der ehemalige Chefredakteur der FTD nicht abgerückt. Und sein CEO, Mathias Döpfner, steht – natürlich – weiterhin zu seiner harten Formulierung aus dem Gespräch mit Zeit-Chef Giovanni di Lorenzo: "Wir glauben dem Google-Slogan ‚Don’t be evil’ und denken, die netten Jungs mit dem bunten Logo meinen es doch nur gut. In Wirklichkeit will Google nur erzkapitalistische Interessen durchsetzen und sein Geschäftsmodell optimieren. Das ist so, als würde eine Hehlerbande bei Amnesty International eine Menschenrechtspetition zur Verteidigung der freien Bürgerrechte beim Ladendiebstahl einreichen."

Die doppelte Verbal-Attacke von Döpfner und Keese rief bereits viel Kritik im Social Web hervor. So kommentierte Wolfgang Michal auf Carta.info: "Kein Vergleich ist den Kritikern inzwischen zu blöd, kein Bild zu schief (Nordkorea, Mullah-Regime), um den ‚anti-kapitalistischen‘ Impuls in den guten Deutschen wachzurufen. Die Karikaturen, die von der Neuen Welt gezeichnet werden – verbal oder als Bild – sind nicht mehr allzu weit entfernt von ähnlichen Mustern in der Vergangenheit. Nur schade, dass sich Steve Jobs und Mark Zuckerberg nicht als Zigarren schmauchende, fette und krummnasige Kapitalisten darstellen lassen, die mit großem Appetit die Weltkugel verspeisen."

Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert hatte sich am Mittwoch zu Google geäußert. Zu Spiegel Online sagte er: "Die Initiative von Google ist ebenso dreist wie durchsichtig. Sie beruht offensichtlich auf dem doppelten Missverständnis, das Netz für eine Google-Domäne zu halten und beides zusammen für den virtuellen Gesetzgeber."

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