Analyse: der typische Welt.de-Leser

Publishing In der fünften Folge unserer Nachrichten-Websites-Serie kümmern wir uns um Die Welt. Springers Onlineangebot steht im Verruf, einen großen Teil seines Traffics mit Suchmaschinen zu machen und viele Kommentar-Trolle anzuziehen. Das zweite Vorurteil können wir mit unseren Zahlen zwar nicht beantworten, das erste aber vielleicht schon. Zudem: Wie gebildet sind die Welt-Nutzer, wie alt sind sie, wie viel Geld verdienen sie, für welche Themen interessieren sie sich und vieles mehr.

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Für unsere Analyse der Welt-Leser schauen wir etwas genauer als üblich auf die im Markt anerkannten Zahlen der IVW und AGOF. Dabei handelt es sich um Unique-User-Zahlen der einzelnen Ressorts (Belegungseinheiten), Strukturdaten nach Alter, Geschlecht, Bildung, Einkommen, sowie Page Impressions der einzelnen Themengebiete. Die Grunddaten, auf denen unsere Auswertungen beruhen, sind bei der Welt die im Oktober von der IVW gemessenen 50,5 Mio. Visits und 222,0 Mio. Page Impressions, sowie die von der AGOF für den durchschnittlichen Monat von Juli bis September ermittelten 8,71 Mio. Unique User. Die Teile 1 (Spiegel Online), 2 (Bild.de), 3 (Zeit Online) und 4 (Süddeutsche.de) finden Sie hierhierhier und hier

Der Blick auf die Page Impressions ist auch bei der Welt nur bedingt aussagekräftig: 38,3 Mio. der PIs kamen im Oktober aus der IVW-Kategorie Vermischtes, 26,1 Mio. aus der Rubrik Sonstiges. Stärker geworden ist Die Welt in den vergangenen Monaten bei der Homepage, die im Oktober 35,3 Mio. der Seitenabrufe beigetragen hat. Über die Methoden, die Die Welt anwendet, um die Homepage-PIs zu verbessern, hat MEEDIA bereits berichtet.

Die AGOF, deren Zahlen aus den Monaten Juli bis September die aktuelle Homepage-Entwicklung noch nicht komplett abbildet, zeichnet für die Welt-Startseite ein anderes Bild: Mit 1,15 Mio. Unique Usern hat sie deutlich weniger Nutzer als die Ressorts Panorama, Politik, Sport, Wirtschaft und Geld. Ein klares Indiz dafür, dass Die Welt tatsächlich viele Nutzer über Suchmaschinen auf die Seite lockt – die landen dann nämlich meist auf einzelnen Artikeln in Ressorts statt auf der Homepage. Erfolgreichstes Ressort ist mit Abstand das Panorama – 2,28 Mio. Leser erreicht Die Welt mit seinen Boulevard-Geschichten. Mit Abstand folgen fast gleichauf die Politik (1,70 Mio.), der Sport (1,67 Mio.) und die Wirtschaft (1,63 Mio.).

Widmen wir uns nun den Menschen, die sich für diese Inhalte interessieren. Zunächst: Das Verhältnis Männer/Frauen sieht bei der Welt fast identisch so aus wie bei Süddeutsche.de: 56,8% der Leser sind Männer, 43,2% Frauen. Damit ist das Welt-Publikum auch deutlich weiblicher als das von Bild und Spiegel – und ein bisschen weiblicher als das der Zeit. Spannend ist die Verteilung in den Altersgruppen. So ist Die Welt bei den 20- bis 39-Jährigen schwächer als die vier bisher vorgestellten Konkurrenten, hat dafür aber einen hohen Anteil an Teenies und Über-40-Jährigen.

44,7% der Welt-Leser sind mindestens 40 Jahre alt, bei der Süddeutschen sind es nur 42,1%, bei der Zeit 41,0%, bei Bild.de 42,7% und auch beim Spiegel liegt der Anteil mit 44,0% unter dem der Welt. Überdurchschnittlich stark ist Die Welt zudem bei denjenigen, die sich schon in Rente befinden oder keine Arbeit haben. Mit 14,5% ist der Anteil hier ebenfalls höher als der bei Bild, SpOn, SZ und Zeit. Bei den Menschen mit Arbeit liegt Die Welt in etwa im Mittelfeld, bei denen in Ausbildung auf dem Niveau von Bild und Spiegel, aber klar hinter Süddeutsche und Zeit.

Auch bei der Bildung kann Die Welt nicht mit Zeit, Spiegel und Süddeutsche mithalten. Haben dort 52,2%, 50,0% und 47,8% mindestens Abitur, sind es bei der Welt nur 44,9%. Damit bleibt die Welt aber immerhin klar vor der Bild (40,1%). Ähnlich sieht es bei der Einkommensverteilung aus: Über ein Nettohaushaltseinkommen von mehr als 3.000 Euro verfügen 37,3% der Welt-Leser, nur Bild.de hat hier einen geringeren Anteil.
Das etwas plakative Fazit lautet also: Der Welt.de-Leser ist weiblicher als der von Bild, SpOn und Zeit, zudem etwas älter als die Nutzer der Süddeutschen, der Zeit und von Spiegel Online, schlechter gebildet und er verdient etwas weniger Geld. Er kommt oft über Suchmaschinen auf die Website der Welt, interessiert sich dort dann vor allem für Boulevard-Inhalte, ansonsten für Politik, Sport und Wirtschaft.

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Alle Kommentare

  1. „Die Welt zudem bei denjenigen, die sich schon in Rente befinden oder keine Arbeit haben.“

    Das steht im starken Konstrast zu den Aussagen der Kommentarspaltenkritzler dieser (höfflich ausgedrückt) sonderbaren Online-Zeitung über sich selber.

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