Warum Dr. House dem TV fehlen wird

Fernsehen Am Dienstag lief auf RTL die letzte Folge von "Dr. House". Nach acht Staffeln ist Schluss. Offenbar nicht zu früh: Die Zuschauerzahlen waren zuletzt nur durchschnittlich, die Geschichte wirkte durcherzählt. Dennoch wird die einst erfolgreichste US-Serie im deutschen TV und 2008 weltweit meistgesehene Serie eine Lücke hinterlassen. Die Fans werden sich stets daran erinnern, dass Gut und Böse Ansichtssache sind und dass man manchmal besser einem Arsch vertrauen sollte, als einem netten Kerl.

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Zum Abschied sagten noch einmal alle Tschüss. Als Dr. House, seit acht Jahren gespielt vom Briten Hugh Laurie, im Sterben lag und dann – zumindest scheinbar – beerdigt wurde, tauchten viele der Charaktere, die die US-Serie in den vergangenen Jahren groß gemacht haben, noch einmal auf. Einzig Lisa Edelstein, die sieben Staffeln lang Houses Chefin und große Liebe, Dr. Lisa Cuddy, verkörperte, werden Fans schmerzlich vermisst haben.
Die letzte Folge auf RTL erreichte mit 1,96 Millionen Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren weit weniger House-Jünger als in Spitzenzeiten, als bis zu 4,58 Millionen zuschauten. Das Finale war etwas für die Fans, ein Rückblick – denn die eigentliche Handlung kam sehr kurz. Neben dem facettenreichen, widersprüchlichen Hauptcharakter war es aber genau die Handlung, die "Dr. House" von anderen Arztserien unterschied. "Dr. House" war eben keine klassische Krankenhausserie. Klar musste ständig jemandem das Leben gerettet werden, aber im Mittelpunkt stand der OP-Tisch nicht.
Eigentlich war "Dr. House" eine Detektivserie, angelehnt an den Urvater aller Detektive, Sherlock Holmes. Als Abteilung für diagnostische Medizin ermittelten House und sein Team, teils mit unlauteren Tests und Hausdurchsuchungen, welche Krankheit die Patienten hatten. Der Krankheitserreger als Verbrecher und der Patient nicht immer nur als unschuldiges Opfer – sondern teils als wissender oder unwissender Mittäter.
Bei Dr. House verschwammen regelmäßig die Grenzen zwischen Gut und Böse, zwischen Richtig und Falsch. Ist es in Ordnung einen Menschen sterben zu lassen, wenn er es will? Ist übermäßige Nettigkeit ein Krankheitssymptom? Darf man einem Tyrannen das Leben retten, wenn man dadurch den Tod anderer in Kauf nimmt? Mit solchen Fragen wurde der Zuschauer regelmäßig konfrontiert und er wird mal auf der Seite von House gestanden und mal eine andere Meinung gehabt haben.
Hugh Laurie spielte hier wohl die Rolle seines Lebens, schuf einen Charakter, den man nicht lieben konnte, weil er es immer wieder verstand, die Leute um sich herum zu verletzen und Chancen, glücklich zu werden, zu verspielen. Aber gleichzeitig auch einen Charakter, der einem nicht gleichgültig sein konnte, der einmal zu oft vom Leben enttäuscht wurde, um glücklich und nett zu sein, gleichzeitig aber zu genial ist, um missachtet zu werden und der – obwohl man als Zuschauer wie als Seriencharakter immer wieder bei ihm aneckte – eine hoch gebildete und moralische Person war, von dem man etwas über Menschen und sich selbst lernen konnte. House war ein Vorbild, das nicht zum Vorbild taugte. Davon gibt es nun eines weniger im an vielschichtigen Charakteren armen TV-Programm. 
Dennoch war es richtig, die Serie zu beenden. Vielleicht lief sie sogar eine Staffel zu lang. Bereits nach der dritten Staffel gab es eine Art Neustart. Die bisherigen Hauptcharaktere Robert Chase (Jesse Spencer) und Allison Cameron (Jennifer Morrison) erhielten weniger Bildschirmzeit, mit "Dreizehn" (Olivia Wilde), Chris Taub (Peter Jacobson) und zeitweilig Lawrence Kutner (Kal Penn) kamen neue Personen in die Serie.
In dieser Zeit begann die Serie auch komplexere Handlungsstränge aufzubauen. Die Medikamenten-Abhängigkeit von House führte ihn in eine Entzugsklinik, seine Liebe zu seiner Vorgesetzten erst in den Wahnsinn, dann in eine Beziehung und letztlich nach der Trennung ins Gefängnis. Viel mehr geht nicht, viel mehr hätte da eigentlich nicht kommen können. Taub hatte mit Eheproblemen zu kämpfen, bekam später zwei Kinder von unterschiedlichen Frauen. Der vielleicht mit interessanteste Charakter war der von Olivia Wilde. Sie bereicherte die Serie nicht nur optisch, sondern auch inhaltlich, als Remy Hadley, genannt "Dreizehn" (nach ihrer Bewerber-Nummer), einer bisexuellen, an Chorea Huntington erkrankte Ärztin.
Olivia Wilde verließ die Serie zu Beginn der letzten Staffel und kehrte für zwei Kurzauftritte am Ende zurück. Zwischenzeitlich legte sie zudem eine längere Pause ein. Der Grund: Sie ist mittlerweile in verschiedenen Kino-Filmen als Hauptdarstellerin zu sehen (aktuell "Cold Blood"). Jennifer Morrison stieg schon früher aus der Serie aus, spielt zurzeit in "Once upon a Time" mit. Auch wegen dieser Abgänge, sowie dem Ausscheiden von Lisa Edelstein, tauchten mit Jessica Adams (Odette Annable) und Chi Park (Charlyne Yi) in der letzten Staffel noch einmal zwei neue Charaktere auf, denen jedoch nicht die Möglichkeit gegeben wurde, richtig Tiefe zu entwickeln. 
Was bleibt, sind acht zeitlose Staffeln. Die Produzenten sagen, ein Comeback sei nicht geplant. Was ebenfalls bleibt, ist die wichtigste Botschaft von Dr. House: "Alle Menschen lügen!"

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