Emma-Reporterin undercover im Bordell

Publishing Das Thema Prostitution begleitet das Magazin Emma seit jeher kritisch. In der am 6. Dezember erscheinenden neuen Ausgabe widmet die Zeitschrift dem Feld ein weiteres Dossier. Herzstück dessen: eine sechsseitige Rollen-Reportage der Redakteurin Alexandra Eul. Für ihren Beitrag hat sich die 32-Jährige als Arbeitslose ausgegeben, die sich um ein Zimmer im Kölner Bordell Pascha bewirbt – die einzige Möglichkeit, als Frau das Innere des Etablissements zu sehen.

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Ihr Besuch habe sich wie "eine Ewigkeit" angefühlt, sagt Alexandra Eul gegenüber MEEDIA. Nach monatelangen Recherchen war sie für ein paar Stunden selber in dem Bordell, von der Redaktion ausgewählt, weil sie die "Jüngste (und Blondeste) in der Redaktion" sei, wie sie in ihrem Beitrag schreibt. Sie sagt, das Pascha sei wie eine "Parallelwelt". Für die Frauen gäbe es kaum Gelegenheiten, das Bordell zu verlassen. Wie sie diese Welt erlebt hat, berichtet die Autorin in ihrer Reportage mit dem Titel "Emma-Reporterin im Pascha-Bordell". Als Nicole stellte sie sich vor und gab an, daran interessiert zu sein, als Prostituierte im Pascha arbeiten zu wollen.
Nach einem Telefonat wurde sie zum Bordell gebeten, wo sie eine Führung inklusive einiger Informationen zur Arbeitsweise erhielt. Diese Momente schildert Eul in ihrer Reportage intensiv. An einer Stelle schreibt sie: "Während wir durch die Gänge des Laufhauses eilen, erhasche ich immer wieder mal einen Blick auf Frauen, die in Reih, Glied und in Unterwäsche auf den Hockern vor ihren Zimmern ausharren. Fast alle sind jung und schlank. Mit jeder Etage wächst mein Respekt vor den Frauen, die hier ihr Brot verdienen – und sinkt mein Respekt vor den Männern, die sie betrachten wie die Auslage in einer Metzgerei."
Nach dem Besuch steht für Eul fest: Sie könne sich weniger den je vorstellen, in diesem Beruf der angeblich sei "wie jeder andere", zu arbeiten. Bereits die Vor-Recherche im Internet – die sie im Beitrag ebenfalls zum Teil schildert – sei sehr ernüchternd gewesen.
Die Idee zur Reportage sei innerhalb der Redaktion aufgekommen, berichtet die 32-Jährige, die Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Psychologie und Politik in Köln studiert hat und später an der Hamburg Media School zur Journalistin ausgeblidet wurde. Seit etwa zwei Jahren arbeitet sie nun für die Emma. Sie sagt: "Ich wünsche mir eine kritischere Debatte zum Thema Prostitution, als sie bisher in Deutschland geführt wird." Unter anderem müsse man sich mit dem derzeit geltenden Prostitutionsgesetz auseinandersetzen, von dem nur die Zuhälter, Bordellbetreiber und Menschenhändler profitieren würden. Ziel der Emma-Kampagne gegen Prostitution sei eine Aufklärung über die wahren Arbeitsbedingungen der Frauen und die gesellschaftliche Ächtung von Prostitution.

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