Döpfner wettert gegen „Hehlerbande“ Google

Publishing Der Ton wird rauer: In der Zeit äußert sich Springer-Chef Döpfner zu fast allen Fragen, die in seinem Medienhaus anstehen. So orakelt der CEO auch über die Suche von Bild-Chef Kai Diekmann nach neuen Geschäftsmodellen im Silicon Valley und daraus resultierenden Veränderungen im Verlag. Er erklärte die geplanten Bezahlschranken von Bild und Welt und kritisierte Google. Dabei hätte das US-Unternehmen in all den Jahren der LSR-Auseinandersetzung „noch nie nach dem Preis gefragt, der uns vorschwebt“.

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In Richtung der US-Suchmaschine holt der CEO in dem Gespräch mit dem Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo und Anne Kunze mächtig aus: „Wir glauben dem Google-Slogan ‚Don’t be evil’ und denken, die netten Jungs mit dem bunten Logo meinen es doch nur gut. In Wirklichkeit will Google nur erzkapitalistische Interessen durchsetzen und sein Geschäftsmodell optimieren. Das ist so, als würde eine Hehlerbande bei Amnesty International eine Menschenrechtspetition zur Verteidigung der freien Bürgerrechte beim Ladendiebstahl einreichen.“

Das klingt nach harter Konfrontation. Allerdings schließt Döpfner in der Gespräch auch aus, dass Springer eine eigene Internet-Suchmaschine entwickeln könnte: „Wir müssen und sollten nicht alles machen. Es ist gut, seinen Platz in der Wertschöpfungskette zu kennen. Wir produzieren Inhalte. Wenn wir auch noch suchen wollten, würden wir uns verzetteln.“

Die Inhalte, die seine Redaktionen produzieren, will der Vorstandsvorsitzende künftig im Web noch konsequenter verkaufen, anstatt sie zu verschenken. Deshalb soll schon bald bei der Welt und bei der Bild eine Bezahlschranke herabgelassen werden. Allerdings sollen die beiden Paywalls unterschiedlichen Mechaniken folgen. Bei der Welt ist offenbar eine Art kostenloses Probelesen geplant, „bei dem man sich nach einer bestimmten Anzahl von Klicks entscheiden muss, ob man das Produkt abonnieren möchte“. Das Boulevard hat dagegen mit der Herausforderung zu kämpfen, dass selbst das Print-Produkt kein Abo-, sondern eine Einzelverkaufszeitung ist.

Neben der Bezahlschranke bei Bild, geht es in dem Interview auch um die Rolle von Bild-Chef Diekmann, wenn er und seine beiden Kollegen aus dem Silicon Valley zurückkehren. Für diesen Moment schließt der Springer-Chef nicht aus, dass Veränderungen anstehen könnten. Er hält es für das Beste „Wenn die drei in den USA auf interessante Geschäftsmodelle für markengebundene Inhalte stoßen. Konzepte, die gerade im Silicon Valley diskutiert werden. Vielleicht könnte daraus sogar eine Gründung innerhalb unseres Unternehmens entstehen.“

Auch zur aktuellen Zeitungskrise äußert sich der ehemalige Chefredakteur der Welt. Er hält viele Probleme der Branche für „hausgemacht“. Vor allem würden die Zeitungen unter einem „Charismaverlust durch Sparen an der falschen Stelle leiden. Er selbst nimmt für sich heraus sagen zu können, dass man bei Springer an den richtigen Stellen gespart hätte, „ohne die journalistische Qualität zu beschädigen“. Trotz des scheitern der Financial Times Deutschland und ihrer gemeinsamen Wirtschaftsredaktion mit Capital, Impulse & Co. sowie der Frankfurter Rundschau, die eng mit der Berliner Zeitung kooperiert, hält der CEO das Konzept von Gemeinschafts-Redaktionen verschiedener Titel für grundsätzlich richtig. „Die Welt und die Berliner Morgenpost haben seit der Zusammenführung viel mehr Journalistenpreise gewonnen als je zuvor – eines von vielen Zeichen dafür, dass sie nicht schlechter geworden sind. Würden Sie ernsthaft bestreiten, dass die Welt seither redaktionell an Ansehen gewonnen hat? Das Gleiche gilt für die Berliner Morgenpost, die ihren Fokus bei regionalen Kompetenzen gefunden hat.“

Auch am Berliner Medienhaus geht die Zeitungskrise allerdings nicht spurlos vorbei. So sollen im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr die Anzeigenerlöse um zwölf Prozent zurückgegangen sein. Die Vertriebserlöse verzeichneten ein Minus von sieben Prozent.

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