Analyse: der typische Süddeutsche.de-Leser

Publishing Bild.de ist besonders stark bei Teenagern, Zeit-Online-Leser sind sehr gebildet und bei Spiegel Online ist das Panorama derzeit das erfolgreichste Ressort. Das sind einige der Ergebnisse der ersten drei Teile unserer Serie mit Analysen deutscher Nachrichten-Websites. In Folge 4 geht es um Süddeutsche.de: Welche Themen interessieren die Leser der Online-SZ? In welchen Altersschichten ist die Website erfolgreich? Antworten auf diese und weitere Fragen hat MEEDIA recherchiert.

Werbeanzeige

Auch in Teil 4 der Serie – die Folgen 1 (Spiegel Online), 2 (Bild.de) und 3 (Zeit Online) finden Sie hierhier und hier – ziehen wir für unsere Analysen ausschließlich die im Markt anerkannten Zahlen der IVW und AGOF heran. Dabei handelt es sich um Unique-User-Zahlen der einzelnen Ressorts (Belegungseinheiten), Strukturdaten nach Alter, Geschlecht, Bildung, Einkommen, sowie Page Impressions der einzelnen Themengebiete. Die Grunddaten, auf denen unsere Auswertungen beruhen, sind bei Süddeutsche.de die im Oktober von der IVW gemessenen 40,1 Mio. Visits und 221,7 Mio. Page Impressions, sowie die von der AGOF für den durchschnittlichen Monat von Juli bis September ermittelten 6,53 Mio. Unique User.

Schauen wir zunächst auf die Inhalte. 188,5 Mio. der PIs stammen aus der Kategorie redaktioneller Content, auffällig starke 20,9 Mio. aus dem E-Commerce. Als Tageszeitungs-Ableger ist Süddeutsche.de in dieser Kategorie – den Rubrikenmärkten und Kleinanzeigen – traditionell stark. Von den 188,5 Mio. redaktionellen PIs stammen 49,8 Mio. aus der Rubrik Nachrichten, 39,4 Mio. aus der IVW-Kategorie Entertainment und Lifestyle und 30,1 Mio. von der Homepage.

Bei der AGOF, wo dank der vom Anbieter für die Vermarktung festgelegten Belegungseinheiten genauere Ressort-Zahlen vorliegen, ist die Homepage die Nummer 1: 1,50 Mio. Unique User verzeichnete sie im Durchschnittsmonat Juli bis September. Dahinter folgt als stärkstes Ressort die Politik mit 1,34 Mio. Nutzern. Auffällig: Als traditionsreiche Münchner Zeitung ist auch das Online-Angebot offenbar stark regional verwurzelt. Das Ressort München & Bayern folgt nämlich mit 1,15 Mio. Unique Usern hinter der Politik und noch vor Sport (0,94 Mio.) und Wirtschaft (0,89 Mio.) auf Platz 2.

Im Gegensatz zu Spiegel Online, wo das Panorama derzeit das Top-Ressort ist, interessieren sich Süddeutsche.de-Leser nur bedingt für den Boulevard: Das Panorama findet sich hier mit 0,84 Mio. Lesern nur auf Ressort-Rang 5. Interessant sind noch die Zahlen der Beiboote und Ableger, die bei IVW und AGOF zu Süddeutsche.de hinzu gezählt werden: die Abendzeitung erreicht 0,81 Mio. Unique User, jetzt.de 0,38 Mio. und das SZ-Magazin 0,31 Mio.
Schauen wir uns nun die Süddeutsche.de-Leser etwas näher an. Erste Auffälligkeit: Die Leserschaft des Angebots ist deutlich weiblicher als die von Bild.de und Spiegel Online – und auch noch etwas weiblicher als die von Zeit Online. Mit einem Verhältnis von 56,7% zu 43,3% überwiegen zwar auch hier die männlichen Leser, doch bei nur fünf der Top-15-Nachrichten-Angebote ist das Verhältnis noch weiblicher.

Was die Altersgruppen betrifft, ist Süddeutsche.de besonders erfolgreich bei den 20- bis 29-Jährigen – was natürlich auch etwas am Ableger jetzt.de liegen kann. 26,3% der Süddeutsche.de-Leser stammen aus dieser Gruppe, nur bei Zeit Online ist die Prozentzahl noch höher. Überdurchschnittlich stark ist Süddeutsche.de im Vergleich zu den anderen 14 Top-15-Angeboten auch bei den 30- bis 39-Jährigen, eher schwach ist die Website bei den 40- bis 49-Jährigen, den 50- bis 59-Jährigen und vor allem den Über-60-Jährigen. Nur 8,5% der Nutzer sind über 60 Jahre alt – damit ist die Süddeutsche gemeinsam mit Bild.de und RP Online hier das Schlusslicht unter den Top-15-News-Angeboten.

Bei der Bildung kann Süddeutsche.de nicht mit Zeit Online, aber auch nicht mit Spiegel Online mithalten. 47,8% der Leser haben mindestens Abitur, bei Zeit Online sind es 52,2%, bei Spiegel Online 50,0%. Womöglich trägt hier auch die Verwurzelung in der Region München zum Ergebnis bei, die regionalen Inhalte der Süddeutschen werden vielleicht eher vom Mainstream gelesen als die überregionalen. Passend zum Erfolg bei den 20- bis 29-Jährigen ist Süddeutsche.de auch besonders stark bei Menschen, die sich noch in Ausbildung befinden, also z.B. Studenten. Ebenfalls korrespondierend mit dem Ergebnis in den Altersstufen: Rentner lesen Süddeutsche.de unterdurchschnittlich oft. Ähnlich wie bei der Bildung verhält es sich beim Einkommen: Bei den Menschen mit einem Netto-Haushaltseinkommen von mindestens 3.000 Euro ist Süddeutsche.de nicht ganz so erfolgreich wie Zeit und Spiegel, aber erfolgreicher als Bild.de.

Das etwas plakative Fazit lautet also: Der Süddeutsche.de-Leser ist weiblicher als der von Bild, SpOn und Zeit, zwischen 20 und 29 Jahre alt, hat Abitur, studiert oder verdient bereits gutes Geld, interessiert sich wenig für Boulevard, dafür aber stark für Politik und regionale Inhalte aus München und Bayern.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige