Spiegel räumt beim Reporterpreis ab

Publishing Am Montagabend hat das Reporter-Forum in Berlin den Deutschen Reporterpreis 2012 verliehen. In insgesamt neun Kategorien vergab die Jury zehn Preise. Allerdings heimsten nur vier verschiedene Medien die Preise ein: Je zwei ausgezeichnete Beiträge erschienen in Zeit, SZ-Magazin und Berliner Zeitung, vier Preise räumte der Spiegel ab. Darunter auch die Auszeichnung für die beste Reportage, die an Takis Würger für den Beitrag "Das verlorene Bataillon" ging.

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Für seinen Text war Würger drei Wochen lang als Korrespondent bei einer Kampftruppe der Bundeswehr embedded. Er erzählt die Geschichte eines deutschen Scharfschützen in Afghanistan, der im Einsatz noch keinen Schuss abgegeben hat. Die Jury begründet, die Reportage erzähle so eindringlich von dessen Wunsch, endlich zu schießen und seinen Beruf ausüben zu dürfen, dass man beinahe hoffe, dieser Wunsch möge in Erfüllung gehen.
Der Preis für die beste politische Reportage ging an die Zeit-Autorin Tanja Stelzer. Ihre Geschichte "Die Doris-Show" erzählt vom Wahlkampf von Doris Schröder-Köpf in Hannover. Der Beitrag sei "eine gelungene Nahaufnahme deutscher Politik – und eine Geschichte über die Emanzipation einer selbstbewussten Frau an der Seite eines übermächtigen Mannes."
Die beste Kulturreportage erschien ebenfalls in der Zeit: Ausgezeichnet wurde der Text "Der blutige Thron" von Jonathan Stock. Darin erzählt Stock von einer "MacBeth"-Aufführung in der Oper von Damaskus, während wenige Straßen weiter blutige Realität wird, was das syrische Bürgertum als Farce auf der Bühne beklatscht. Der Beitrag sei eine Kulturreportage, die sich auf der Grenze zur Kriegsreportage bewege.
Ausgezeichnet als beste Lokalreportage wurde Anja Reichs Text "Der goldene Stein" aus der Berliner Zeitung. Er handelt von einem jungen Straßenbauer, der im Auftrag einer jüdischen Familie in Berlin einen Stolperstein verlegt. Auch der beste Essay ist laut Jury in der Berliner Zeitung erschienen. Der Preis geht an den Beitrag "Uwe Mundlos und ich" von Sabine Rennefanz, die sehr persönlich von ihrer Orientierungslosigkeit nach der Wende berichtet. Diese mündete darin, dass sie sich einer christlichen Sekte anschloss, während der gleichaltrige Uwe Mundlos, ähnlich orientierungslos, zum Rechtsterroristen reifte. Ebenfalls als bester Essay ausgezeichnet wurde ein Beitrag von Dirk Kurbjuweit vom Spiegel mit dem Titel "Die halbe Kanzlerin" über Angela Merkel.
Als bester freier Reporter wurde Michael Oberts ausgezeichnet. Im SZ-Magazin erschien seine Geschichte "Der Bürgermeister der Hölle" in der der Autor, beschützt von einer kleinen Armee mit einem Mann, der eben noch ein Londoner ein Internet-Café betrieben hatte und nun eine Stadt wiederaufbauen will, durch Mogadischu zog. Das beste Interview haben Lothar Gorris und Sven Röbel vom Spiegel geführt. Sie sprachen mit dem Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi.
Auch an den Spiegel, genauer Amrai Coen und Bernhard Riedmann vom iPad-Team, ging der Preis für die beste Web-Reportage. "Nicht von Gott gewollt" erzählt vom ersten lesbischen Fußballteam Afrikas. 
Erstmals vergeben wurde in diesem Jahr die Kategorie "Grand Prix", in der Texte ausgezeichnet werden, "die auf originelle und neue Weise die Formen des herkömmlichen Journalismus überwinden und in die Zukunft weisen". Der Preis ging an Alexander Gorkow (Text) und Andreas Mühe (Fotografie). Für ihr Stück "USA, 20.56 Uhr" sind sie mehrere Wochen lang mit der Band Rammstein auf Tour durch Kanada und den USA gegangen. Der Beitrag erschien im SZ-Magazin.

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