Razzia bei der Berliner Morgenpost

Publishing Polizeischlappe wegen Medienberichten: Im Frühsommer 2012 scheiterte eine Razzia der Berliner Polizei bei den Hells Angels, weil bereits vor dem Zugriff einige Medien über den Plan der Ermittler berichteten. Seit dem sucht die Polizei die undichte Stelle und konzentriert sich mittlerweile auf einen LKA-Beamten, der angeblich von einem Reporter der Berliner Morgenpost bestochen worden sein soll. Deshalb durchsuchten am Mittwochnachmittag Beamte die Redaktionsräume der Berliner Morgenpost.

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Die Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft durchsuchten nicht nur den Arbeitsplatz des Journalisten im Verlagsgebäude der Axel Springer AG, sondern auch dessen Privat-Wohnung. Dabei sollen Unterlagen und Computer beschlagnahmt worden sein. 

Die Ermittlungen richteten sich erst gegen einen LKA-Beamten, dessen Arbeitsplatz und Wohnung ebenfalls – allerdings – schon im August durchsucht worden waren. "Wir ermitteln wegen Bestechung", zitiert Spiegel Online den Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft Martin Steltner. Man gehe "dem Verdacht nach, dass Informationen aus laufenden Ermittlungsverfahren gegen Geld an Unbefugte weitergegeben worden sind".

In einem Stück in „eigner Sache“ bestätigte die Berliner Morgenpost den Vorgang und den Vorwurf der Beamtenbestechung. "Wir weisen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen einen unserer Redakteure klar zurück“, schreibt der Chefredakteur der Zeitung, Carsten Erdmann. „Die Durchsuchung in der Redaktion der Berliner Morgenpost ist zudem grob unverhältnismäßig und rechtswidrig. Die Pressefreiheit und das Redaktionsgeheimnis sind grundrechtlich geschützt. Wir haben der Durchsuchung widersprochen und werden Rechtsmittel einlegen."
 
Allerdings ist es gut möglich, dass die Polizisten wohl wirklich über einen begründeten Anfangsverdacht verfügen. Denn Razzien bei Journalisten und in Redaktionen sind ungewöhnlich und selten. Immerhin siedelte der Gesetzgeber den Schutz der Presse und ihre Informanten besonders hoch an. Wenn also trotzdem eine Durchsuchung stattfindet, wurde sie meisten besonders aufmerksam von dem zuständigen Richter geprüft.

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