Analyse: der typische Zeit-Online-Leser

Publishing Es ist fast so alt wie Die Zeit selbst: das Klischee des Zeit-Lesers - ein verkopfter Akademiker, der jedes Wort seiner Zeitung aufsaugt und wild protestiert, wenn noch so kleine kosmetische Änderungen an seinem Blatt vorgenommen werden. Das Klischee dürfte durch die Modernisierung der vergangenen Jahre endgültig nur noch ein Klischee sein. Doch wie schaut es bei Zeit Online aus? Finden sich auch hier viele Akademiker? 40 Jahre und älter? Männlich? An Politik und Kultur interessiert? MEEDIA klärt auf.

Werbeanzeige

Unsere Analyse des Zeit-Online-Lesers ist bereits Teil 3 der kleinen Reihe über die Nutzer-Profile großer deutscher Nachrichten-Websites. Die Folgen 1 (Spiegel Online) und 2 (Bild.de) finden Sie hier und hier. Auch diesmal ziehen wir für unsere Analysen ausschließlich die im Markt anerkannten Zahlen der IVW und AGOF heran. Dabei handelt es sich um Unique-User-Zahlen der einzelnen Ressorts (Belegungseinheiten), Strukturdaten nach Alter, Geschlecht, Bildung, Einkommen, sowie Page Impressions der einzelnen Themengebiete. Die Grunddaten, auf denen unsere Auswertungen beruhen, sind bei Zeit Online die im Oktober von der IVW gemessenen 29,4 Mio. Visits und 120,6 Mio. Page Impressions, sowie die von der AGOF für den durchschnittlichen Monat von Juli bis September ermittelten 4,57 Mio. Unique User.

Beginnen wir mit den Inhalten auf Zeit Online. Welche sind besonders populär? Welche im Vergleich zu anderen Nachrichten-Websites eher nicht? Die drei stärksten IVW-Kategorien der Zeit sind Entertainment und Lifestyle (33,4 Mio. PIs), die Homepage (22,9 Mio.) und Wissenschaft, Technik und Bildung (14,6 Mio.). Da die IVW-Kategorien sehr allgemein gehalten sind, Entertainment und Lifestyle beispielsweise alles von Kultur bis Boulevard enthält, helfen uns diese Daten nur bedingt weiter. Schauen wir also auf die AGOF-Zahlen der Ressorts, bzw. Belegungseinheiten. Hier ist die Nummer 1 die Politik. 1,12 Mio. der 4,57 Mio. Zeit-Online-Nutzer konsumieren Inhalte aus diesem Ressort. Die Homepage folgt mit 1,02 Mio. erst dahinter – ein Indiz dafür, dass Zeit Online im Verhältnis zu Spiegel und Bild seltener ohne konkreten Anlass aufgerufen wird – und häufiger direkt über einen Artikel, der über soziale Netzwerke oder Mail empfohlen wurde oder den man über eine Suchmaschine gefunden hat.

Die weiteren populärsten Ressorts sind die bei der Zeit weitgehend Boulevard-freie Gesellschaft (0,85 Mio.), Kultur (0,80 Mio.), Wirtschaft (0,75 Mio.), Wissen (0,73 Mio.) und Digital (0,66 Mio.). Insbesondere mit den Themen Kultur, Wissen und Digital ist Zeit Online verhältnismäßig erfolgreicher als viele Konkurrenten.

Und wie sieht er nun aus, der Zeit-Online-Leser, der sich für Politik, Gesellschaft und Kultur interessiert? Hier wird es interessant. Denn: Er ist sehr jung. Mit einem Anteil von 28,1% aller Zeit-Online-Nutzer erreicht die Seite bei den 20- bis 29-Jährigen den höchsten Wert unter den größten 15 Nachrichten-Websites. Insgesamt kommt diese Altersgruppe bei den Internet-Nutzern nur auf einen Anteil von 18,5%, Zeit Online ist hier also besonders stark. Bei den noch jüngeren liegt man zwar nur im Mittelfeld, allerdings auch bei den 30- bis 39-Jährigen. Bei den 40- bis 59-Jährigen erreicht Zeit Online gar die geringsten Werte aller 15 Angebote. Mit anderen Worten: Der Klischee-Zeit-Leser findet sich eher selten auf Zeit Online. Bei den Über-60-Jährigen gibt es hingegen wieder einen zumindest mittelmäßigen Wert.

Zudem ist die Zeit-Online-Nutzerschaft deutlich weiblicher. Lag der Männer-Anteil bei Spiegel Online bei 61,5% und bei Bild.de bei 59,8%, sind es hier nur 57,1%. Dennoch ist auch Zeit Online damit männlicher als der durchschnittliche Internet-Nutzer (52,4% Männer, 47,6% Frauen). Bei der Bildung entspricht das Angebot ziemlich genau dem Klischee: Die Zeit-Online-Nutzer sind sehr gebildet. Heftige 52,2% haben mindestens Abitur, insgesamt gibt es unter den Internet-Nutzern nur 34,1% mit diesem Bildungslevel. Nur FAZ.net und das manager magazin erreichen aus der Top 15 einen noch höheren Abitur-Wert als Zeit Online.

Und noch ein Topwert: 22,1% der Leser befinden sich noch in der Ausbildung, sind also zum Beispiel Student. Auch hier schlägt Zeit Online alle 14 anderen großen Websites. Passend dazu sind nur 64,2% der Leser berufstätig, in der Gesamt-Internet-Nutzerschaft sind das 65,6%. Beim Einkommen unterscheidet sich der Zeit-Online-Nutzer wenig vom Spiegel-Online-Nutzer. Die Zeit hat einen etwas höheren Anteil bei den Menschen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 1.000 Euro (Studenten), aber einen genau so hohen wie SpOn bei denjenigen mit 3.000 Euro und mehr.

Das wie immer etwas plakative Fazit: Der Zeit-Online-Nutzer ist weiblicher als der von Bild oder SpOn, zwischen 20 und 39 Jahre alt, hat Abitur, studiert oder verdient als Akademiker bereits gutes Geld und interessiert sich vor allem für Politik, Gesellschaftsthemen und Kultur.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige