Googles unmoralisches Anzeigen-Angebot

Publishing Anzeigen-Offensive gegen das Leistungsschutzrecht: Google unterstützt seine Kampagne "Verteidige dein Netz" seit heute mit ganzseitigen Print-Anzeigen. In Bild, Welt, FAZ, Süddeutscher, Zeit, Berliner Zeitung, Tagesspiegel und taz kämpft die US-Firma gegen die Position der Verleger. Hinzu kommt Online-Werbung. Google-Sprecher Kay Oberbeck spricht von einer "Informationskampagne". Das Gesetz sei bislang in der Bevölkerung vollkommen unbekannt. Springer sieht darin den Beweis: Google glaubt an Print.

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"Finden Sie nicht auch, dass Sie weiterhin alles finden sollten?" Diese Frage sehen heute tausende Zeitungsleser. Google hat Anzeigen in vielen großen deutschen Zeitungen gebucht, um auf die Kampagne gegen das geplante Leistungsschutzrecht aufmerksam zu machen. In Bild, FAZ, Süddeutsche, Welt, Zeit, Berliner Zeitung, Tagesspiegel und taz habe man Print-Anzeigen gebucht, so Google-Sprecher Kay Oberbeck. Widerstand der Verleger gegen diese Anzeigen habe es nicht gegeben: "Das hatten wir auch nicht erwartet", so Oberbeck. Immerhin widerspreche die "Informationskampagne" nicht den Anzeigenrichtlinien der Verlage.
Die Anzeigen dürften für Google nicht billig gewesen sein: Der Preis für die Anzeige in der SZ liegt laut Listenpreis bei 75.200 Euro. Bei der gebuchten Seite 9 handelt es sich um eine so genannte "Premiumseite". Der Listenpreis für eine ganzseitige Anzeige bei Bild liegt laut Mediadaten von Axel Springer bei 414.500 Euro. 
Im Netz wurden die Anzeigen auch deshalb bereits zum Teil spöttisch kommentiert. Einerseits sei es bemerkenswert, dass die Verleger das Geld für die Anzeigen von Google mitnähmen, auch wenn der Inhalt der Werbung ihren Interessen widerspreche. Andererseits entbehre es nicht einer gewissen Ironie, dass Google nun Geld an die Verleger zahle, womöglich sogar mehr, als durch ein Leistungsschutzrecht fällig würde.
Diese Argumentation kann Google-Sprecher Oberbeck nicht nachvollziehen. Die Anzeigen würden eben zur Kampagne gehören. "Die Website, Anzeigen in Print-Titeln und Schaltungen auf Online-Plattform sind integraler Bestandteil der Kampagne – zur Aufklärung der Bevölkerung spielt es keine Rolle, an wen die entsprechenden Budgets fließen." Um über die "massiven Folgen" aufzuklären, werde "jeder kommunikative Hebel genutzt", sagt der Google-Sprecher, der auch darauf verweist, dass der Konzern auch in der Vergangenheit zu anderen Themen bereits nicht-digitale Werbekanäle genutzt habe.
Die Anzeigen seien auch notwendig, weil viele Leser bislang nur wenig über das Leistungsschutzrecht wüssten und in den Augen von Google auch nur unzureichend informiert werden: "Es fällt schon auf, dass in der ein oder anderen Publikation nicht auf neutrale, faktische Artikel wert gelegt wird", kritisiert Oberbeck, der jedoch keine Publikation namentlich nennen will. "Man muss sich hier nur die Berichte der letzten beiden Tage anschauen", so der Google-Sprecher.
Edda Fels, die Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Axel Springer: "Natürlich haben wir diskutiert, ob es richtig ist, dabei zu helfen, die falschen Behauptungen von Google bezüglich des LSR zu verbreiten." Die Entscheidung sei aber eindeutig und klar: "Erstens: Wir üben keine Zensur! Zweitens: Wir behandeln Google nicht anders als andere Anzeigenkunden!" Sind die Anzeigen von Google also letztlich ein unmoralisches Angebot? Fels: "Über die Motive von Google kann ich nur spekulieren. Eins aber liegt nahe: Offenbar glaubt auch Google an die Kraft von Print. Und das ist doch eine gute Nachricht."

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