Analyse: der typische Bild.de-Nutzer

Publishing Im ersten Teil unserer Analyse-Reihe über die großen deutschen News-Sites haben wir gelernt, dass der typische Spiegel-Online-Leser männlich, sowie zwischen 20 und 39 Jahre alt ist und oft gut verdient - zudem gern die "Panorama"-Themen der Seite konsumiert. Wie sieht es aber bei Bild.de aus, dem größten Boulevard-Portal des Landes? Ist das Bild-Publikum weiblicher, älter und verdient weniger? Oder überraschen die Zahlen mit unerwarteten Ergebnissen? MEEDIA verrät es.

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Wie schon in Teil 1 zu Spiegel Online ziehen wir für unsere Analysen ausschließlich die im Markt anerkannten Zahlen der IVW und AGOF heran. Dabei handelt es sich um Unique-User-Zahlen der einzelnen Ressorts (Belegungseinheiten), Strukturdaten nach Alter, Geschlecht, Bildung, Einkommen, sowie Page Impressions der einzelnen Themengebiete. Die Grunddaten, auf denen unsere Auswertungen beruhen, sind bei Bild.de die im Oktober von der IVW gemessenen 240,1 Mio. Visits und 2,49 Mrd. Page Impressions, sowie die von der AGOF für den durchschnittlichen Monat von Juli bis September ermittelten 13,07 Mio. Unique User.

Eine erste Parallele zu Spiegel Online: Auch bei Bild.de ist die Homepage die mit Abstand erfolgreichste IVW-Kategorie. Von den 2,42 Mrd. PIs, die mit redaktionellem Content erreicht wurden, stammen 838,76 Mio. von der Startseite des Angebots. Dahinter folgen die Kategorien Sport (461,0 Mio.) und Entertainment und Lifestyle (448,4 Mio.). Da die IVW-Kategorienbezeichnungen aber oft etwas schwammig formuliert sind und auch nicht den Ressorts entsprechen, blicken wir hier auch auf die Belegungseinheiten der AGOF. Das jeweilige Angebot legt mit diesen Einheiten fest, welche Vermarktungsangebote man den Werbekunden macht. Die Homepage liegt auch hier mit 7,25 Mio. Nutzern klar vor den Inhalten der einzelnen Ressorts. Wie auch Spiegel online gehört Bild.de also zu den Medien, die viele Nutzer von sich aus und ohne speziellen Anlass aufrufen, um sich zu informieren.

Das erfolgreichste Ressort bei Bild.de ist erwartungsgemäß das Unterhaltungs-Ressort. 6,11 Mio. der Bild.de-Nutzer konsumieren pro Monat Inhalte aus dieser Kategorie. Besonders stark ist dabei das Unter-Ressort TV mit 3,30 Mio. Unique Usern. Gleich hinter der Unterhaltung folgt mit 6,01 Mio. das allgemeine News-Ressort, auf Platz 3 mit 5,85 Mio. der Sport. Auch die regionalen Bild.de-Inhalte sind mit 4,18 Mio. Nutzern sehr erfolgreich – am erfolgreichsten die aus Hamburg (1,59 Mio.). Politik hingegen interessiert auf Bild.de nur 3,37 Mio. Leute – weniger noch als die Themen Geld, sowie Wirtschaft & Karriere. Interessant: Mit Videos erreicht Bild.de 3,23 Mio. Nutzer und damit weniger als Spiegel Online (4,02 Mio.).

Schauen wir uns nun die Struktur der Bild.de-Nutzerschaft an. Was sofort auffällt: Auch die Bild.de-Leser sind vornehmlich männlich. Ob wegen des starken Sport-Ressorts oder weil Nachrichten-Websites in der Regel ein eher männliches Publikum haben – 59,8% der Bild.de-Nutzer sind Männer, nur 40,2% Frauen. Immerhin: Bei Spiegel Online war das Verhältnis mit 61,5% zu 38,5% noch klarer. Zum Vergleich noch einmal das Verhältnis bei allen Internet-Nutzern: 52,4% Männer, 47,6% Frauen.

Bei den Altersgruppen ist Bild.de extrem stark bei den Teenagern. 12,6% der Nutzer sind 14 bis 19 Jahre alt, im gesamten Netz sind es nur 9,5%, bei Spiegel Online 10,6%. Bei den 20- bis 49-Jährigen sind die Zahlen von Bild.de und SpOn ähnlich, ab 50 ist Spiegel Online vergleichsweise stärker als Bild.de Das Bild.de-Publikum ist tendenziell also jünger als das von Spiegel Online. Ein weiteres Vorurteil ist wohl das, dass die Bild.de-Leser weniger gebildet sind. Und dieses Vorurteil bestätigt sich auch beim Blick auf die AGOF-Zahlen. Haben bei Spiegel Online 50,0% mindestens Abitur, sind es bei Bild.de nur 40,1%. Dafür liegt das Boulevard-Portal bei den Menschen ohne Schulabschluss und denen mit Haupt- oder Realschulabschluss klar vorn. Allerdings: Auch Bild.de ist im Vergleich zum Gesamt-Internet bei denjenigen ohne Abschluss oder mit Hauptschulabschluss unterdurchschnittlich erfolgreich. So stammen in der gesamten Internet-Nutzerschaft 33,7% aus dieser Bildungsschicht, bei Bild.de nur 27,5%.

Bei der Berufstätigkeit ähneln sich die Strukturen zwischen Bild.de und Spiegel Online extrem. Auch Bild.de-Leser befinden sich überdurchschnittlich oft noch in der Ausbildung (Lehrlinge, Schüler, Studenten), oder sind berufstätig (bei Bild.de 67,2%, bei Spiegel Online 66,8%). In Sachen Einkommensverteilung ist auch bei Bild.de die stärkste Kategorie die mit einem Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 3.000 Euro (36,3%). Allerdings: Bei Spiegel Online stammen 38,9% der Leser aus dieser Kategorie. Bild.de ist dafür stärker bei den Einkommen unter 3.000 Euro.

Kommen wir also zu unserem etwas plakativen Fazit. Wie sieht er aus, der typische Bild.de-Leser? Er ist männlich, zwischen 14 und 29 Jahre alt, hat mindestens einen Realschulabschluss und ist berufstätig. Im Vergleich zu Spiegel Online ist er etwas weiblicher, jünger, etwas schlechter gebildet und verdient weniger Geld. Inhaltlich interessiert sich der Bild.de-Leser vor allem für Boulevard-Themen, gern mit TV-Hintergrund, sowie für Sport und das Thema Geld. Zudem interessieren ihn regionale Inhalte – vor allem, wenn er aus Hamburg kommt.

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