98 dapd-Mitarbeiter müssen gehen

Publishing Insgesamt 98 Mitarbeiter werden die Nachrichtenagentur dapd verlassen müssen. Diese Zahl nennt der Geschäftsführer Wolf von der Fecht. Ein Sozialplan sei mit dem Betriebsrat vereinbart worden. Der Schnitt sei notwendig, um ab dem 1. Dezember "wieder profitabel arbeiten zu können". Gespart wird besonders in den Ressorts Sport und Video sowie bei den Landesdiensten. In einer Mitteilung wird allerdings der Eindruck erweckt, dass trotz des Abbaus die "Leistungsfähigkeit" sogar gestärkt werden könne.

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Die Mitteilung, die dapd zu ihrer Umstrukturierung verschickte, enthält zahlreiche Begriffe wie "langfristige Stabilisierung", "wieder profitabel", "effizienter", "noch schneller", "unverändert" und "solide". Ein zentraler Satz lautet: "Die strukturelle Neuausrichtung stärkt dabei die Leistungsfähigkeit der Agentur als Ganzes und ermöglicht es ihr, künftig noch schneller auf Trends im Markt zu reagieren und gezielter auf Kundenwünsche eingehen zu können."

Das Signal soll vor allem an die Kunden gehen: Bleibt bei uns. Was immer gut ankommt, auch bei Kunden: Die Chefposten werden weniger – zum Geschäftsleitungskreis gehören neben Geschäftsführer Wolf von der Fecht nur die Chefredakteure Melanie Ahlemeier und Dirk von Borstel. Fecht ist eigentlich Anwalt und Insolvenzexperte und hatte die Geschäftsführung Anfang Oktober im Auftrag der Eigentümer Peter Löw und Martin Vorderwülbecke übernommen. Die ja weiterhin die Besitzer des von ihnen aufgebauten Medienunternehmens sind.

Einschnitte konzediert Fecht bei Sport und Video. Dem Vernehmen nach soll im Sport nur noch einer von 35 Redakteuren bleiben, ebenso im Bewegtbildressort einer von knapp zehn Mitarbeitern. Die derzeit 14 Landesdienste werden in drei "Cluster" zusammengefasst. Ziel: "noch stärker an der regionalen Präsenz der Kunden orientieren". Wie das mit weniger Mitarbeitern und weniger Büros möglich sein soll – unklar. In der Mitteilung wird auch betont, dass die Auslandsberichterstattung in Text und Bild von der Associated Press Bestandteil des Angebots von dapd bleibe. Die AP-Lizenz ist für die Agentur überlebenswichtig, doch eigentlich will AP die Lizenz an den Konkurrenten dpa vergeben.

Dapd werde "aus eigener Kraft" bald wieder auf einer "soliden wirtschaftlichen Basis" stehen, sagte Fecht. So sehr dies den Mitarbeitern der Agentur zu wünschen ist, so sehr ist diese Aussage in Zweifel zu ziehen. Das Image der Agentur hat durch die Insolvenz großen Schaden genommen, schon aus Vorsicht haben offenbar eine Reihe von Kunden vorsorglich gekündigt, darunter die WAZ und dem Vernehmen nach auch die Springer AG. Diese Information wird allerdings von dapd nicht kommentiert. Die Vergabe der AP-Lizenz ist weiter in der Schwebe, offenbar soll es am 18. Dezember vor einem Gericht in New York zu einer Verhandlung kommen.

Irreführend wirkt das Wort "wieder" in dem Zitat des Geschäftsführers – denn dapd stand wegen einer aggressiven Expansionspolitik nie auf wirtschaftlich "soliden" Füßen. Wohl und Wehe hing von der Investitionsfreude der Eigentümer ab, die das Unternehmen mit mehr als einer Million Euro im Monat gefördert haben sollen. Wie die sich nun zu ihrer Agentur verhalten, werden die nächsten Tage zeigen.

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