Schwach wie nie: Sport1 in der Quotenkrise

Fernsehen Deutliches Tief beim TV-Sender Sport1. Der Kanal, der mal mehr, mal weniger Sport zeigt, erreichte in den vergangenen drei Monaten miserable Marktanteile. Die Programmoffensive mit Spielfilmen und Doku-Soaps funktioniert nicht wirklich - und was noch schlimmer ist: Leuchttürme wie das Montagsspiel der 2. Liga verlieren deutlich an Zuspruch. Folge: Die Werbeumsätze schrumpfen, Konkurrenzsender wie DMAX rücken näher. MEEDIA analysiert die Situation bei Sport1.

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Spätestens seit Beginn der Woche blickt die Branche verstärkt auf Sport1. Der Grund: ein Artikel des Branchendienstes Kontakter. Dort wird berichtet, dass sich der Sender in "schweren Turbulenzen" befinde. Es seien mehrere Unternehmensberatungen beauftragt worden, die Mitarbeiter seien beunruhigt. Zudem sei Senderchef Thilo Proff seit Wochen krank – wann er wieder komme, sei unklar. Wie auch immer es tatsächlich bei Sport1 aussieht – der Sender selbst dementiert zumindest, dass Berater vor Ort seien und die Mitarbeiter verunsichert seien, die Situation, in der er sich befindet, ist durchaus ernst.

In den aktuellsten drei Monaten lief es für Sport1 bei den Quoten so schlecht wie nie zuvor. Konnte man den Sender-Minusrekord im August, als man bei den 14- bis 49-Jährigen auf 0,5% fiel, noch damit erklären, dass Olympia in London Sportfans zu anderen Sendern wie ARD, ZDF und Eurosport gezogen hat, fallen diese Argumente für die folgenden Zahlen weg: Im September und Oktober lief es mit 0,7% und 0,6% nämlich kaum besser – und das, obwohl die Fußball-Ligen gestartet sind. Nie zuvor seit dem Senderstart 1993 – damals noch als DSF – lief es in den wichtigen Monaten September und Oktober so mies.

Besonders bitter: Die Programmoffensive, mit dem der Sender in den Herbst gestartet war, hat einen gewissen Anteil daran. Seit Anfang September bestreitet man die Prime Times am Mittwoch, Donnerstag und Freitag mit Doku-Soaps und erstmals auch mit Spielfilmen. Insbesondere diese Filme kommen beim Publikum nicht sonderlich gut an. Mit "Over the Top" und "Sie nannten ihn Mücke" erreichten bislang nur zwei der Filme Marktanteil von immerhin 1,1% und 1,0%, der Rest blieb deutlich darunter – oft mit Marktanteilen von nur 0,3% bis 0,5%.

Selbst das Aushängeschild "SEK Ludolf" schwächelt. Das "Schrott Einsatz Kommando", das früher bei DMAX für Traumquoten gesorgt hat, erreichte bei Sport1 in den vergangenen sechs Wochen nur noch Marktanteile von 0,2% bis 0,6% bei den 14- bis 49-Jährigen. Viel zu wenig. Noch mieser läuft es am Freitagabend für "Richard Hammond’s Crash Course" und die "World’s Toughest Trucker": Hammond erreicht oft nur 0,1% oder 0,2%, die Trucker im Anschluss auch nicht viel mehr.

Was dem Sender allerdings noch mehr Sorgen bereiten dürfte: Das Thema Sport läuft auch nicht mehr so gut wie einst. Zum Beispiel die Montagsspiele der 2. Liga: Nach dem 15. Spieltag liegt der Durchschnittswert hier bei 840.000 Zuschauern, vor einem Jahr waren es zu diesem Zeitpunkt noch 930.000. Zwar liegen die Matches mit einem Marktanteil von 2,8% – bei den 14- bis 49-Jährigen 2,4% – noch meilenweit über den Sender-Normalwerten, doch angesichts leicht steigender Zweitliga-Quoten bei Sky sind die rückläufigen Sport1-Zahlen eine Enttäuschung. Zuschauerzahlen von 2 Mio. wie 2007 bei den Spielen zwischen Mönchengladbach und Köln sind derzeit ohnehin in weiter Ferne.

Sogar der größte Sport1-Quotenhit, der sonntägliche "Doppelpass" kommt derzeit nicht mehr an sein Vorjahresniveau heran. Die Sendung belegt in den aktuellen Jahres-Charts des Senders zwar sieben der Top-Ten-Ränge, doch sechs der sieben Ausgaben stammen aus dem Frühjahr und nicht aus dem aktuellen Herbst. Erreichte die Sendung im Jahr 2011 von Saisonstart bis Mitte November noch durchschnittlich 930.000 Zuschauer und 7,7%, sind es 2012 im selben Zeitraum nur noch 840.000 und 7,1%. Mit Basketball und Handball erreicht man zudem nur in seltenen Fällen Marktanteile von 1%, besser läuft es mit den MotoGP-Rennen.

Die Folge der Entwicklung: unschöne Zahlen im Werbemarkt. Laut Nielsen setzte Sport1 in den Monaten Januar bis Oktober 0,4% weniger brutto mit Werbung um als in den Vergleichsmonaten 2011. Nach dem 1. Halbjahr lag man immerhin noch 1,9% über 2011. Was für den Sender noch bitterer sein dürfte: Der Konkurrent um die männliche Zielgruppe DMAX liegt nach Ablauf des Oktobers bei einem Plus von 23,0% gegenüber 2011 und befindet sich mit 208,2 Mio. Euro brutto nicht mehr allzu weit hinter Sport1 (231,6 Mio.).

TV-Magazin Quotenmeter zitiert den Sender mit den Worten: "Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten gemeinsam mit uns gerade an der Entwicklung neuer Konzepte und Formate" – das ist angesichts der Quoten-Situation auch bitter nötig.

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