Google startet Anti-LSR-Kampagne

Publishing Das Leistungsschutzrecht soll am Donnerstag erstmals Thema im Bundestag sein - für die erste Beratung sind 30 Minuten in der Tagesordnung vorgesehen. Als Reaktion startet Google die Kampagne "Verteidige dein Netz", prominent verlinkt auf der Hauptseite von Google unter dem Suchfenster. Dahinter verbirgt sich eine Kampagne, mit emotionalem Video und Unterschriften-Aktion. Springer-Mann Christoph Keese kritisiert die Kampagne via Twitter scharf, das Contra von Google folgt prompt.

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"Wenn Suchmaschinen und ähnliche Dienste Suchergebnisse freiwillig ins Netz gestellter Artikel nicht mehr verwenden dürfen, wird das Suchen und Finden von Informationen im Internet massiv gestört. Dieser Eingriff ist systemfremd und weltweit ohne Beispiel. Er bedeutet höhere Kosten, weniger Informationen und massive Rechtsunsicherheit", schreibt Google auf seiner Kampagnen-Seite. Das Leistungsschutzrecht brächte einen Schaden für die deutsche Wirtschaft, massive Rechtsunsicherheit, eine Gefahr für die Informationsfreiheit sowie einen Rückschlag für "innovative Medien und Urheber", heißt es weiter.
Google präsentiert zudem "10 Fakten zum Leistungsschutzrecht". Darunter führt der US-Konzern gängige Argumente gegen ein Leistungsschutzrecht auf, darunter "Jeder Verlag kann schon heute selbst entscheiden, ob seine Seiten von Google gefunden werden", "Auf Google News gibt es keine Werbung" und "Google-Dienste vermitteln vielen deutschen Verlagsseiten rund die Hälfte ihrer Leser".

Google-Video: Verteidige Dein Netz (Anklicken zum Ansehen)
In einem emotionalen Video gegen das Leistungsschutzrecht, schreibt Google zudem: "Seit über 10 Jahren kannst Du jederzeit finden, was Dich bewegt. Ein geplantes Gesetz soll das jetzt ändern." Unter dem Punkt "Misch dich ein" bietet der US-Konzern zudem eine Liste der Bundestagsabgeordneten nach Wahlkreis auf einer Karte und fordert auf, sich an den entsprechenden Mandatsträger zu wenden. Zudem sammelt Google Unterstützer und will die Zahl derjenigen, die "Ihre Meinung" sagen, gegebenen Falls veröffentlichen und nach Postleitzahl aufbereiten. Auch die Botschaften könnten gesammelt verwendet werden, schreibt Google in seinen Datenschutz-Informationen zur Aktion.
Christoph Keese, Springer-Lobbyist und einer der maßgeblichen Köpfe hinter dem geplanten Gesetz, hat die Aktion von Google via Twitter scharf kritisiert. Er schrieb: "#Google startet Kampagne gegen #LSR auf eigenen Plattformen. Verlage hingegen instrumentalisieren ihre Medien nicht in eigener Sache." Die Antwort ließ nur drei Minuten auf sich warten. Kay Oberbeck, Googles PR-Chef für Deutschland, antwortete "Selten so gelacht!" und verwies auf einen Blogbeitrag von Stefan Niggemeier, in dem dieser mehrere Pro-Leistungsschutzrecht-Beiträge in klassischen Medien aufführt. Daraufhin legte Keese auf Twitter noch einmal nach und schrieb: "In Medien sind mehr kritische Berichte über #LSR erschienen als positive. Das ist Freiheit #Google hingegen setzt Marktmacht als Waffe ein."
Auch die Verleger haben ein Video zum Leistungsschutzrecht veröffentlicht. Bereits im April stellten sie ihren Clip auf YouTube.

Verleger-Clip: Leistungsschutzrecht für Verlage (Anklicken zum Ansehen)
So wie es aussieht ist in Sachen Leistungsschutzrecht kurz bevor es ernst wird, die nächste Eskalationsstufe erreicht. Der Kampf um die Deutungshoheit zwischen Google und Verlegern wird weiter. Man darf gespannt sein, wer die Oberhand behält und wie die Politik darauf reagieren wird.

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