„Es gab einen seriösen Interessenten“

Publishing In einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt spricht G+J-Vorstandsfrau Julia Jäkel über die Einstellung der Financial Times Deutschland. Dabei zeigt sie sich "unglücklich" über die Kommunikation zur Einstellung der Zeitung: "Dass Kollegen, die hier jahrelang unter nicht immer leichten Bedingungen einen sehr guten Job gemacht haben, von der Einstellung der FTD aus der Presse erfahren haben, tut mir leid." Sie verrät außerdem: Bis zuletzt habe es einen möglichen Käufer gegeben.

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In die Entscheidung zur Schließung seien viele Menschen eingebunden gewesen, sagt Jäkel im Interview. Dies sei auch der Grund gewesen, weshalb man die Mitarbeiter nicht früher informiert habe: "Am Anfang dieser Woche haben wir die Gesellschafter und den Aufsichtsrat gebeten, den Vorstand zu ermächtigen, zu verkaufen, zu schließen oder Teile zu schließen. Wir konnten deshalb die Mitarbeiter nicht früher informieren. Die abschließende Prüfung durch den Vorstand erfolgte dann erst am Donnerstag", sagt Jäkel. Bis dahin habe es noch einen möglichen zweiten Weg gegeben. Die G+J-Frau verrät: "Es gab bis zum Schluss einen seriösen Interessenten, dessen Namen ich Ihnen aber nicht nennen kann."
Die Entscheidung, die Zeitung einzustellen, habe man sich nicht einfach gemacht: "Bei Gruner + Jahr haben wir uns alle Arme und Beine dafür ausgerissen, um einer besonderen Art des Journalismus eine Zukunft zu geben", sagt Jäkel. Die FTD hätte den Wirtschaftsjournalismus bereichert. Die Zeitung sei schneller, humorvoller und investigativer als andere, weshalb man so lange an ihr festgehalten habe: "Das hätte kaum ein anderer Verlag gemacht." Wären die Verluste geringer gewesen, hätte man auch jetzt noch an der Zeitung festgehalten, sagt die Vorstandsfrau. Auch, wenn dieser in einstelliger Millionenhöhe gewesen wäre. 
Jäkel: "Wenn wir damit ein bisschen Geld verloren hätten, würden wir uns jetzt nicht von über 300 Mitarbeitern trennen." Gesellschaftlern, die über zwölf Jahre Vermögen investiert hätten, einen Vorwurf zu machen, sie hätten nicht genug Durchhaltevermögen gezeigt, sei jedoch "absurd", verteidigt Jäkel die Entscheidung.
Für sie selbst sei es ein langer Prozess gewesen, bis sie zur Erkenntnis gekommen sei, dass es mit der FTD nicht mehr weiter gehen konnte. Klar sei es geworden, als man sich die wirtschaftlichen Modelle abseits des Status quo der gedruckten Tageszeitung angeschaut habe. Dort sei festgestellt worden, dass all diese Modelle nicht tragfähig seien. Konkret habe man sowohl Hybridmodelle mit einer verschlankten Tageszeitung mit kostenpflichtiger, digitaler Ergänzung als auch eine vollkommene Abkehr von einer gedruckten FTD durchgespielt. Dies würde sich Jäkel zufolge jedoch höchstens bei einem internationalen, englischsprachigen Angebot rentieren: "Bei einem deutschen Medium ist das zumindest heute noch nicht darstellbar."
Ein paar Worte verlor Jäkel zudem über die anderen Angebote der G+J Wirtschaftsmedien. Capital solle nach Berlin ziehen, da das Heft politischer werden soll: "Da ist die Hauptstadt der ideale Redaktionsstandort". Im Fall von Impulse seien Gespräche für eine Übernahme durch den Chefredakteur bereits "ziemlich weit".

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