Bauers „Mach mal Pause“-Kommunikation

Publishing Wenn es beim Bauer Verlag heißt, dass ein neues Heft die Erwartungen “voll erfüllt”, ist allerhöchste Alarmstufe angesagt. Schon im nächsten Moment könnte die Redaktion aufgelöst, die Chefredakteurin weggeschickt werden. Wie bei Myway. Das Aus für die FTD elektrisiert weiterhin Medien-Deutschland. In der FAZ lesen wir von einer Mont-Blanc-Besteigung von zwei französischen Medienfuzzis, die sich als Fake entpuppte und als Bonus gibt es eine exklusive Spiegel-Online-Personalie.

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Der Bauer Verlag pflegt in jüngster Zeit eine, sagen wir mal, unkonventionelle Art und Weise der Unternehmenskommunikation. Beispiel Myway: Am 6. September teilte die Bauer Media Group mit, dass die neue Frauenzeitschrift die Erwartungen “voll erfüllt habe”. Myway, ein Heft für so genannte “Active Ager”,  erscheine nunmehr monatlich. Norbert Wysokowski, Gesamtanzeigenleiter Women Lifestyle bei Bauer, ließ sich in der Pressemitteilung mit den Worten zitieren: „Wir gehen unseren Weg wie geplant weiter.” Was das bei Bauer bedeutet, erfuhren wir diese Woche. “Myway, der Premiumtitel für die Zielgruppe der ‘forever forties’, hat sich im Markt bewährt und wird ab April 2013 regelmäßig einmal im Monat erscheinen”, heißt es nun in einer Pressemitteilung. Wie bitte? April 2013? Das redaktionelle Konzept werde “im Detail überarbeitet”. Nach der “Winterpause” starte das Heft dann “weiter optimiert durch”. Soso. Die Überarbeitung im Detail bei Bauer sieht erstmal so aus, dass Chefredakteurin Angela Oelckers das Haus verlässt und die bisherige Redaktion aufgelöst wird.
Das kommt seltsam bekannt vor. Kürzlich wunderte man sich in der Branche, dass die für 26. Oktober angekündigte Ausgabe des neuen Bauer-Fotomagazins Picture nicht auf den Markt kam. Der Grund laut Bauer-Verlag: “Picture ist im September mit der ersten von drei Testausgaben in den Markt gestartet. Testausgaben bedeuten immer auch, dass man mit Dingen experimentieren kann. Genau das machen wir gerade im Fall von Picture zum Beispiel mit der Platzierung im Handel und dem Erscheinungszeitraum. Nach Abschluss der Testphase werden wir die Ergebnisse bewerten.“ Hier erschien die nächste "Testausgabe" dann aber tatsächlich am 22. November.
Und wir erinnern uns an noch einen Fall in jüngerer Vergangenheit: den Stopp des wöchentlichen People-Magazins Life&Style Ende Juli. Die faktische Einstellung des vor 2008 aus der Taufe gehobenen Magazins, an dem zeitweise auch die Verleger-Töchter Nicola und Mirja Bauer kräftig mitwirkten, teilte Bauer damals unter der launigen Headline "InTouch sorgt für unterhaltsame Sommertage" mit, verklausuliert in einem Absatz unter ferner liefen, wo es lediglich hieß, "Konzeption und Erscheinungsweise von Life&Style" sollten "verändert und an die Bedürfnisse der Leser und des Marktes angepasst" werden. Auf Nachfrage des kress reports räumte eine Sprecherin aber ein, dass es eine "kreative Pause" geben werde.
Mal im Ernst, liebe Leute bei Bauer und liebe neue Kommunikationschefin Claudia Bachhausen: Als Sie Mitte April für eine “strategische Neuausrichtung” der Unternehmenskommunikation angetreten sind, haben wir uns das ein bisschen anders vorgestellt.
Diesen Freitag wurde das Ende der Financial Times Deutschland von Gruner + Jahr offiziell bekanntgeben. Die Schließlich der Wirtschaftszeitung elektrisiert nach wie vor Medien-Deutschland. Bei Spiegel Online, FAZ.net, Tagesschau.de und Bild.de war die Zeitungs-Schließung zeitweise Top-Aufmacher.

Und Ex-FTD-Chefredakteur Christoph Keese gab bei Welt.de zum Besten, dass sie damals bei der Gründung der FTD alle “Wilde und Revolutionäre” gewesen seien. Wer unter “wild” und “revolutionär” im Lexikon nachblättert, der findet dort vermutlich zu allererst ein Foto von Christoph Keese. Sogar Regierungssprecher Steffen Seibert hat der FTD via Twitter kondoliert.

Übrigens: Dass bei der Pleite gegangenen Nachrichtenagentur dapd auch über 300 Jobs auf dem Spiel stehen, interessiert den Medien-Mainstream weit weniger.
Eine kleine Personalie für Zwischendurch: Bei Spiegel Online geht offenbar der Sport-Ressortleiter Clemens Gerlach. Wo es den langjährigen SpOn-Man hin verschlägt – unklar. Das Sport-Ressort bei SpOn leiten künftig Christian Gödecke (macht rüber von einestages.de) und der bisherige Sport-Vize Mike Glindmeier als Doppelspitze.
Die Kolumne “In medias res” der FAZ vom Donnerstag hat einen besonders dreisten Fake-Versuch des öffentlich-rechtlichen französischen TV-Kanals France 2 nacherzählt. Für die Sendung “Die außergewöhnlichen Fähigkeiten des menschlichen Körpers” wollte das an Kurzatmigkeit (!) leidende slowakische Model und die Ex-Miss-Wonderbra Adriana Karembeu in Begleitung des TV-Moderator Michel Cymes den Mont Blanc besteigen (4.810 m). Dummerweise hat aber vor der Ausstrahlung der Bürgermeister des am Mont Blanc gelegenen Örtchens Saint-Gervais-les-Bains ausgeplaudert, dass sich die zwei Medienfuzzis mit einem Helikopter bis 500 Meter unter den Gipfel haben fliegen lassen. Diagnose Fake-Besteigung! Erst in diesem Jahr kamen bei einem Lawinenunglück im Mont-Blanc-Massiv neun Menschen ums Leben. Für eine Medienshow ist der Berg in der Tat ungeeignet.
Die Medien und die viel besprochene Authentizität – das war schon früher immer ein Problem. In diesem Zusammenhang als versöhnlichen Rausschmeißer hier noch unser Twitter-Fundstück der Woche. Es geht um Caruso und den Rundfunk. Unbedingt lesen. Lustig!

Die Authentizität dieses Schriftstücks ist leider nicht geprüft.
Trotz allem: schönes Wochenende!
Update: In einer ursprünglichen version hieß es, dass unser Tipp für das nächste Erscheinungsdatum der nächsten Picture-Ausgabe von Bauer der "Sankt Nimmerleins Tag" ist. Ganz so lange hat es dann doch nicht gedauert. Tatsächlich erschien die nächste Testausgabe von Picture am 22. November und wurde schlicht nicht bemerkt. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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