Hilfe, sie haben Bambi getötet!

Fernsehen Armes Bambi. Der angeblich “wichtigste Medienpreis Deutschlands” (Selbsteinschätzung Hubert Burda Media) ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Die gestrige Preisverleihung aus der Düsseldorfer Stadthalle markierte den Tiefpunkt der Bambi-Geschichte. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Die Einschaltquote war mit 2,61 Mio. Zuschauern ein Desaster. Die Veranstaltung selbst war langweilig, aufgesetzt, ohne jeden Esprit und Unterhaltungswert. Ein radikaler Neuanfang ist überfällig.

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In den vergangenen Jahren schaffte es Burda zusammen mit dem TV-Produzenten Werner Kimmig, der die Bambi-Veranstaltung wie eine Art Erbhof gepachtet zu haben scheint, immer wieder mit Glück, Skandälchen (Bushido) und einer ordentlichen Gästewahl (Lady Gaga, Justin Bieber) die Schwächen des Formats zu übertünchen. Diesmal nicht. Warum ausgerechnet die kanadische Sängerin Céline Dion der Hauptstar des Abend sein sollte und ihr auch schon drittes Bambi in die Hand gedrückt bekam, das kann wohl niemand plausibel erklären. Ach doch, die eine plausible Erklärung gibt es: Man hat halt niemand anderen gefunden.

Schon seit Jahren weiß jeder in der Medien- und Unterhaltungsbranche, dass von den internationalen Stars ein Bambi bekommt, wer gerade da ist und sich breitschlagen lässt. Nicht der Star schmückt sich mit dem Bambi, die Bambi-Veranstaltung wird durch den Star geadelt. Dann wird für einen Tom Cruise sogar schon mal auf Wunsch eine eigene, hanebüchene Preiskategorie wie “Courage” erstellt. Das ist eine Umkehrung dessen, wie eine Preisverleihung eigentlich funktionieren sollte. Dazu werden dann noch immer ein paar Bambis an übliche Verdächtige verteilt und für den guten Zweck gibt’s dann auch nochmals Bambis satt.

Nichts gegen den guten Zweck an sich. Aber beim Bambi wurde diesmal so viel und so lange auf die Tränendrüse gedrückt, dass die Rührung schnell dem Ärger wich. All die Elends-Bildern von Leprakranken, hungernden Kindern und gefährdeten Eisbären, all die nicht enden wollenden vor Pathos triefenden Reden. Und hinterher dann im Glitzer-Fummel zur Schampus-Sause auf der After-Show Party. Verlogenheit, Dein Name ist Bambi.

Am Ende der jüngsten Bambi-Veranstaltung gab es die Auszeichnung fürs Lebenswerk an Joachim Fuchsberger. Das war ja im Prinzip okay, aber warum bekam dann dessen Frau auch noch hastig ein Rehlein in die Hand gedrückt? Selbst eine der wenigen nachvollziehbaren Preisverleihungen wurde auf diese Weise auch noch konsequent verhunzt. Auch die Inszenierung ist jedesmal wieder ein Graus. Diesmal verwunderte u.a., dass einfach noch einmal die Verleihung des Lebenswerk-Bambis 2003 an den 2012 verstorbenen Kurt Felix gezeigt wurde.

Noch nicht einmal die Musik-Acts konnten diesmal etwas retten. Frau Dion spulte routiniert professionell ihr Programm ab, bevor sie sich schnell wieder vom Acker machte und zurück nach Las vegas flog. Man kann es der Frau nicht verdenken. Dann gab es noch zwei lustlose Auftritte von Rapper Cro und der vor allem im Ausland gehypten Boyband One Direction. Kurz vor Schluss sang Bambi-Dauergast Peter Maffay eine seiner schrecklichen Tabaluga-Schnulzen. Am Ende der viel zu langen Gala fühlte man sich als Zuschauer körperlich und geistig regelrecht ausgelaugt.

Vielleicht greift man bei Burda und der ARD jetzt nach dem allerletzten Strohhalm und erklärt sich die Katastrophen-Quote damit, dass das Konkurrenzprogramm zu stark gewesen sei (Promi-”Wer wird Millionär?” und “The Voice of Germany”). Aber das stimmt nicht. Die miese Quote ist die berechtigte Quittung für eine miserable Show. Das Bambi hatte mal Strahlkraft als Medienpreis und Event-Marke, aber das ist lange her. Die Marke Bambi wurde über Jahre hinweg konsequent heruntergewirtschaftet – jetzt liegt sie endgültig am Boden. Die Veranstalter sollten endlich den Mut zu einem radikalen Neuanfang aufbringen. Oder das Bambi beerdigen. Das Grab haben sie mit der gestrigen Verleihung schon mal geschaufelt.

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