Xings halbherziges Übernahme-Veto

Gerade mal zwei Wochen im Amt, sah sich der neue Xing-Chef Thomas Vollmoeller gleich mit einer Übernahmeofferte aus München konfrontiert: Burda stockte auf und musste an alle Aktionäre eine Pflichtangebot abgeben. Das wurde nun einen knappen Monat später aus Hamburg als zu niedrig abgewiesen. Allerdings sehr halbherzig, wie das Statement des Online-Business-Netzwerks durchklingen lässt. Anleger reagieren achselzuckend. Offenbar trauen sie Thomas Vollermoeller nicht zu, mehr für Aktionäre herauszuholen.

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Gerade mal zwei Wochen im Amt, sah sich der neue Xing-Chef Thomas Vollmoeller gleich mit einer Übernahmeofferte aus München konfrontiert: Burda stockte auf und musste an alle Aktionäre eine Pflichtangebot abgeben. Das wurde nun einen knappen Monat  später aus Hamburg als zu niedrig abgewiesen. Allerdings sehr halbherzig, wie das Statement des Online-Business-Netzwerks durchklingen lässt. Anleger reagieren achselzuckend. Offenbar trauen sie Thomas Vollermoeller nicht zu, mehr für Aktionäre herauszuholen.

Der Poker ist eröffnet, doch das Spiel scheint längst gelaufen: "Der Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen den Aktionären der Xing AG, das Angebot nicht anzunehmen, da der Angebotspreis von 44,00 € je XING-Aktie zu niedrig und folglich aus finanzieller Sicht nicht angemessen ist", ließ das Hamburger Online-Business-Netzwerk gestern mitteilen – immerhin erst zwei Wochen nach dem Pflichtangebot des Münchner Burda Verlags.

Ehe Xing zur Sache kam, wurde der Bieter in den ersten fünf Zeilen der Pflichtmitteilung in Watte gepackt: "Die Xing AG hatte mit Burda in den vergangenen Jahren stets einen guten strategischen Investor und wir freuen uns, dass das auch künftig der Fall sein wird", ließ CEO Vollmoeller mitteilen. Mehr Kuschelkurs geht kaum.

Vollmoeller geht echter Abwehrschlacht gegen Burda aus dem Weg

Dass Xing trotzdem ein Veto gegen das Pflichtangebot einlegt, gehört zu Gepflogenheiten des Kapitalmarktes: Würde sich Xing nach sechs Jahren an der Börse ein Drittel unter den Höchstkursen, die immerhin vor einem Jahr aufgestellt wurden, Burda in die Arme werfen, dürfte Vollmoellers Vorbereitung erste  Hauptversammlung nicht das angenehmste Heimspiel werden.

Es gehört schließlich zur Pflicht des Vorstandschefs, das absolute Maximum für seine Aktionäre herauszuholen – legendäre Abwehrschlachten in rhetorischer Epik wie zwischen Mannesmann und Vodafone lassen grüßen. Vor diesem Hintergrund lässt der fast ehrfürchtige Ton, der extra noch mal kursiv zwischen unternehmerischer und finanzieller Sicht differenziert, aus Hamburg aufhorchen.

Börse sieht keinen Spielraum für Kursaufschläge

Die Börse hat das Urteil zur Xings Ablehnung des Übernahmeangebots sofort gefällt: Anleger sehen Nullkommanull Spielraum für ein besseres Angebot – die Aktie reagierte heute praktisch überhaupt nicht auf das Statement und verharrte wie festgenagelt wenige Cent vor der 44 Euro-Marke, die Burda geboten hatte.

Immerhin hatte das Münchener Verlagshaus damit auch schon einen deutlichen Premiumaufschlag gegenüber der Mindestofferte von 38 Euro, die sich am Durchschnittskurs der vergangenen 60 Tage bemisst, abgegeben. Natürlich argumentieren Vorstand und Aktionäre nun, das Kurspotenzial würde mehr versprechen, was nicht zuletzt an den Allzeithochs bei über 60 Euro liegt.

Burda kann die weitere Entwicklung entspannt beobachten

Doch in der Praxis kann sich Burda entspannt zurücklehnen – und die neuen Aktionäre zählen. Ab 75 Prozent der Aktienmehrheit wird ein sogenannter Gewinnabführungsvertrag geschlossen, der die unternehmerische Freiheit weiter einschränkt.  Wird die 95 Prozent-Schwelle erreicht, erfolgt der sogenannte Squeeze-out,  nachdem die Restaktionäre aus dem Unternehmen getrieben werden können und ein Börsen-Delisting erfolgen kann.

Weitere Kursaufschläge sind dabei keinesfalls garantiert, wie die Wiedereingliederung von T-Online in die Konzernmutter Telekom beweist. "Wir freuen uns über jeden Aktionär, der unser Angebot annimmt, aber auch über jeden, der Xing-Aktionär bleibt", hatte sich Burda nach seinem Pflichtangebot entsprechend entspannt geäußert.

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