Pornolabels nutzen Facebook als Bilder-Pool

Publishing Social Networks scheint das neue Lieblingsziel der Porno-Industrie zu sein: Seit Kurzem bieten gleich zwei Labels an, per Gesichtserkennung nach passenden Erotiksternchen zu suchen. Tools vergleichen das Bild einer Person aus der Freundesliste von Facebook und Instagram mit Performern aus der Pornobranche. Was auf die Befriedigung heimlicher Schwärmereien abzielt, bedeutet in vielen Fällen den Privacy-Super-GAU. Es ist nicht das erste Fall, dass die Sex-Industrie es auf Facebook abgesehen hat.

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Das Pornolabel Naughty America sorgte jüngst für Aufsehen mit einem Dienst namens “Face”. Der ermöglicht es Kunden, Bilder von Freundinnen, Kolleginnen oder Bekannten auf den Firmenserver hochzuladen. Der Betreiber bittet ausdrücklich darum, Fotos von Facebook oder Instagram hochzuladen. Daraufhin präsentiert der Betreiber auf Basis einer Gesichtserkennungssoftware eine Auswahl von Damen, die der heimlichen Angebeteten zum Verwechseln ähnlich sein soll.

In der Praxis entpuppt sich Tool derzeit als reichlich fehlerhaft. Die Vorschläge haben nur recht wenig mit der Vorlage zu tun. Hinzu kommt, dass die Porno-Konsumenten sich wohl kaum an die Vorgabe halten dürften, die betroffenen Personen vorab um Erlaubnis zu bitten. Eine solche Anfrage dürfte sich als höchst schwierig gestalten. Was mit den hochgeladenen Bildern passiert, ist unklar. Fest steht: Spätestens nach dem Upload dürfte es für die abgebildete Person nahezu unmöglich sein, gegen die Veröffentlichung vorzugehen.

Eine ähnliche Spielart nutzen mittlerweile viele parasitäre Pornsites, die gezielt Social-Media-Profile junger Menschen nach expliziten Inhalten durchsuchen. In einer vierwöchigen Untersuchung fanden die Datenschützer der Internet Watch Foundation (IWF) heraus, dass auf Social Networks hochgeladene Bilder von minderjährigen Jungen und Mädchen in anzüglichen Posen zu großen Teilen auf Webseiten mit pornographischen Inhalten landen. Die Rede ist von einer ganzen Industrie parasitärer Sites, die nur zu dem Zweck existieren, im großen Stil Fotos von den Social-Media-Profilen Minderjährigen herunterzuladen und weiterzuverteilen.

Die Datenschützer scannten über vier Wochen 47 Stunden lang 12.224 Bilder und Videos und analysierten deren Inhalte. Von dieser Unmenge an Aufnahmen, die auf über 68 Seiten, darunter auch Social Networks, zu finden waren, landeten 10.776 Bilder und Videos auf parasitären Webseiten. Einmal dort hochgeladen, ist es beinahe unmöglich, rechtlich eine Löschung durchzusetzen. Die Betreiber bleiben meist anonym. Wer die urheberrechtlich geschützten Aufnahmen hochgeladen hat, lässt sich ebenso schwer nachverfolgen.

“Face” ist nicht der erste Dienst, der mittels Gesichtserkennung Nutzer zum Hochladen von Bildern anstiftet. "SexFaceFinder" liefert nach dem Upload Vorschläge für Webcam-Girls, die dem Geschmack des Kunden entsprechen sollen. Gefällt einem einer der Vorschläge, kann man direkt in eine sogenannte Live-Session wechseln. Die Porno-Industrie profitiert von der Entwicklung gleich mehrfach: Produktionsfirmen bekommen kostenlos Einblicke in die Vorlieben ihrer Kunden und können ihnen im Gegenzug Performer nach ihrem Geschmack vorschlagen, die ansonsten vermutlich weniger Aufmerksamkeit bekommen hätten.

“Es wird die Art und Weise revolutionieren, wie Menschen Pornographie konsumieren”, erklärte Naughty-America-Präsident Eddia Arenas gegenüber der Huffington Post. “Sie werden nach Prominenten suchen – wie etwa Kim Kardashian – und nach den eigenen Freunden.”

Ob die Betreiber die hochgeladenen Bilder zweitverwerten, ist bislang unklar. Allerdings ist davon abzuraten, Fotos von Bekannten hochzuladen. Wie die Internet Watch Foundation in einer aktuellen Studie herausgefunden hat, berichteten Jugendliche von Fällen, bei denen Bilder im Netz landeten, nachdem ihre Smartphones gestohlen wurden. Ein Mädchen schrieb die Organisation mit folgenden Worten an: “Bitte entfernen Sie die Bilder aus dem Internet so schnell wie möglich, bevor ein Familienmitglied darauf stößt. Ich würde am liebsten meinem Leben ein Ende machen, weil ich mich so schäme.”

In einem besonders krassen Fall endete ein harmloser Chat einer Jugendlichen mit einem Erwachsenen mutmaßlich im Suizid. Die Rede ist von Amanda Todd. Die 15-Jährige hatte sich zuvor mit einem ungewöhnlichen Video an die Welt zu Wort gemeldet. In einem Chat mit einem Unbekannten hatte sich das Mädchen vor einigen Jahren nackt gezeigt. Der mutmaßliche Pädophile machte sie schließlich ausfindig und schickte Bilder von ihr an Freunde und Familie. Vor einigen Monaten wurde die Jugendliche tot aufgefunden.

Derweil denkt Arenas schon einen Schritt weiter: “Wir werden weitere Features einführen. Etwa Männer, und natürlich Körperteile.”

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