FTD – 34.000 Facebook-Fans, 3.000 Käufer

Publishing Das endgültige Aus für die Financial Times Deutschland ist nur noch eine Formsache. An diesem Mittwoch werden die Aufsichtsräte von Gruner + Jahr und Bertelsmann die Meldung wohl zur Gewissheit machen - allein schon um den Mitarbeitern eine weitere Hängepartie zu ersparen. Bei Facebook und Twitter bekunden in der Zwischenzeit zahlreiche Fans der FTD ihr Bedauern und weinen ihrer “Lieblingszeitung” manche Träne nach. Allerdings fanden die wenigsten “Fans” der FTD in der Vergangenheit den Weg zum Kiosk.

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Der “Love-Storm” für die Financial Times Deutschland auf deren Facebook-Seite liest sich kuschelig und mag dem einen oder anderen Mitarbeiter der Zeitung ein wenig Trost spenden. Das ist schön. Aber die Diskrepanz zwischen der Web-Anteilnahme und den harten Kiosk-Verkäufen der chronisch defizitären Wirtschaftszeitung belegt, wie wirkungslos die Gratis-Klicks der Netz-Nutzer in der Realität sind. „Fans“ im Web sind eben nicht automatisch Käufer am Kiosk.

Ein Nutzer hat sogar eine Facebook-Seite “Rettet die FTD” ins Leben gerufen – allerdings mit noch sehr verhaltener Resonanz. Auf der offiziellen FTD-Facebook-Seite wird dafür umso eifriger kondoliert – obwohl das Ableben der Zeitung noch gar nicht offiziell ist: “Schade, vermisse Euch jetzt schon. Damit geht ein gutes Stück Qualitätsjournalismus verloren. Nach all den Jahren wird sich der Morgen ohne FTD leer anfühlen”, schreibt ein Nutzer. Ein anderer schreibt: “Traurige Sache und ein absolutes Armutszeugnis für das deutsche Bildungssystem, wenn eine Zeitung wie die FTD vor der Bunten oder der Bild oder der Abendzeitung oder der tz eingestellt wird.”

Gerade dieser Beitrag zeigt, dass hier viele Emotionen im Spiel sind, aber wenig Markt-Verständnis, wenn man die FTD mit Bild oder Bunte vergleicht. Die FTD war als Marke immer ein bisschen “cooler” als das als verstaubt geltende Handelsblatt. Die Verbindung zur britischen Institution Financial Times, das lachsrosa Papier, ein oft liberalere Haltung als im Handelsblatt, die Rolle als ewiger Überlebenskämpfer – all dies macht die FTD sympathisch. Aber noch lange nicht erfolgreich.

Bei Facebook erntete die FTD mit über 34.000 Fans mehr Zuspruch als das Handelsblatt (rund 30.000 Fans). In der wirklichen Welt waren und sind die Kräfteverhältnisse umgekehrt. Hier fanden sich im vergangenen dritten Quartal nur 3.102 Menschen, die tatsächlich bereit waren, eine FTD am Kiosk zu kaufen. Das Handelsblatt fand mit knapp über 6.000 Exemplaren fast doppelt so viele Kiosk-Käufer. Auch bei den Abozahlen ist das Handelsblatt in etwa doppelt so stark wie die FTD (rund 80.000 Abos für das Handelsblatt im Vergleich zu rund 41.000 Abos für die FTD).

Einige der FTD-Fans schmieden bei Facebook nun rührende Rettungspläne. Die Rede ist davon, dass man die FTD gerne abonnieren würde, auch als PDF oder als Digital-Version mit einer gedruckten Wochenausgabe. Solche Solidaritätsbezeugungen sind im Web schnell gemacht und in jeder Hinsicht umsonst. Der Weg zum Kiosk oder zum Ausfüllen des Abo-Auftrags, der ist dann nämlich meistens doch zu weit.

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