Wie die FTD mit dem drohenden Aus umgeht

Publishing "The Show must go on" – aber wie lange noch? FTD-Chefredakteur Steffen Klusmann bereitet seine Leser im Editorial der Dienstag-Ausgabe auf eine mögliche Einstellung der Zeitung vor. Er schreibt: "Unser Verlag Gruner + Jahr prüft angesichts der Verluste, die diese Zeitung schreibt, verschiedene Optionen. Wir erwarten eine Entscheidung dazu in den kommenden Tagen." Seiner Redaktion machte Klusmann derweil offenbar wenig Hoffnung auf eine Zukunft des Blatts.

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"Trotz der turbulenten Zeiten" werde die Redaktion "Qualitätsjournalismus vom Feinsten" liefern, verspricht Klusmann im Editorial seiner Leserschaft. Was bleibt der Redaktion der G+J Wirtschaftspresse, zu der auch Capital, Impulse, Börse Online und Business Punk gehören, auch anders übrig, als weiter zu arbeiten. Nur gute Stücke lassen sich gegenüber potenziellen neuen Arbeitgebern als Bewerbungsmaterial nutzen. Und nach diesen werden sich die fast 400 Mitarbeiter aller Wahrscheinlichkeit nach umschauen müssen. Wenn nicht ein Wunder geschieht, wie es die Süddeutsche heute formuliert. 

Wie so oft bei bevorstehenden Umbrüchen in Unternehmen werden die ersten Abschiede schon vor deren Verkündung geschrieben. Formal muss erst der Aufsichtsrat von G+J beschließen, ob die G+J Wirtschaftsmedien tatsächlich eingestellt werden. Das Gremium soll sich morgen um 12 Uhr zusammenfinden. Und dann muss eigentlich auch noch Bertelsmann zustimmen, sowie die Jahr-Familie als Minderheitsgesellschafter mit einer Sperrminorität. Doch wenn die Einstellung der Wirtschaftsmedien beschlossene Sache sein sollte, und danach sieht es trotz aller gebotenen Vorsicht aus, dann werden auch die Gesellschafter bereit sein, diesen Schritt mitzutragen.

Der Betriebsrat der Wirtschaftsmedien appellierte am Dienstag an die Aufsichtsräte von G+J, die Titel zu erhalten. Der deutsche Qualitätsjournalismus werde im Falle einer Einstellung "erhebliche Einbußen erleiden". Auf einem Flugblatt nennt der Betriebsrat zahlreiche Gründe, die gegen eine Einstellung der Titel sprächen – zahlreiche Auszeichnungen, eine hochattraktive Zielgruppe, agenturrelevante Nachrichten, hochkarätige Konferenzen. Doch die Zeiten, in denen das Image manchmal wichtiger war als das Betriebsergebnis, sind im Journalismus vorbei.

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