Dpa-Chef weist Monopolvorwurf zurück

Publishing Noch kämpft die Agentur dapd um den Erhalt der AP-Lizenz, denn ohne diese wird es ziemlich sicher bald zappenduster in den Berliner Büros. Falls dapd komplett in die Pleite geht, haben sich Kritiker des Agentur-Marktführers dpa schon positioniert: Sie sehen einen Abbau der Meinungsvielfalt, wenn dpa "ohne Konkurrenz" dastehe. Zu diesem "Monopolvorwurf" hat dpa-Geschäftsführer Michael Segbers gegenüber den Mitarbeitern der Agentur Stellung bezogen. Die Meinungsvielfalt habe dapd selber reduziert.

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Dow Jones-Manager Michael Tallai hatte beispielsweise vor einigen Tagen gegenüber dem Mediendienst Newsroom zu Protokoll gegeben: "Wir möchten nicht, dass die dapd stirbt. Es wäre nicht gut, wenn ein großer Player verschwindet und es ein Quasi-Monopol geben würde." Gegen diese Einordnung der dpa als "Quasi-Monopolisten" verwehrt sich nun Segbers in einer Mitteilung an die dpa-Belegschaft via Intranet, die MEEDIA vorliegt. Er beruft sich einerseits auf den Verlegerverband BDZV, der in einem Statement kommentiert habe, eine Einstellung der dapd sei "kein Verlust für die Pressevielfalt".

Weiter führt Segbers aus, es sei nicht die dpa gewesen, "die die Anzahl der Nachrichtenagenturen in Deutschland und in der Schweiz um jeweils eine reduziert habe". Segbers spielt darauf an, dass vor der Gründung der dapd im Jahr 2010 durch die Eigentümer Peter Löw und Martin Vorderwülbecke mit ddp und AP Deutschland zwei Agenturen auf dem Markt präsent waren, die sie dann miteinander verschmolzen. In der Schweiz stellten die Investoren die kurz zuvor von ihnen gekaufte AP Schweiz im Jahr 2010 ein.

"Wir feiern angesichts der drohenden Arbeitsplatzverluste ganz sicher nicht den Niedergang eines Mitbewerbers", schreibt Segbers weiter an die Mitarbeiter. "Aber wir lassen uns auch nicht die Schuld dafür in die Schuhe schieben, dass ein hochmütiges Geschäftsmodell gescheitert ist, welches uns ‚verzichtbar‘ machen sollte." Die Botschaft ist deutlich und liefert eine Replik auf zu erwartende Kritik an der dpa, die Agentur habe dem Konkurrenten die Lichter ausgeblasen. Segbers schreibt sinngemäß: Nicht die dpa habe die dapd erledigt, indem sie ihr die AP-Lizenz weggeschnappt habe, sondern die dapd selber habe sich über die Klippen gestürzt. Beziehungsweise: Die ehemaligen Eigentümer selber haben das drohende Aus für die Agentur herbeigeführt, als sie die Unternehmen in die Insolvenz entließen.

Auf dem deutschen Agenturmarkt gibt es neben dpa und dapd u.a. noch AFP Deutschland, die Ableger der Wirtschaftsdienste Reuters, Bloomberg und Dow Jones, die von den beiden Kirchen getragenen Angebote epd und KNA, sowie den Sport Informations-Dienst (SID).

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